Episode: 23.08. RR Ute Scheub: Mein Vater, der Fremde
Podcast: SWR1 Radioreport
Veröffentlicht: vor 6 Jahren, am 23.08.2006 um 20:15
Dateigröße: 7.11 MB
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Beschreibung: An einem schwülen Sommertag 1969 nahm sich Manfred Augst öffentlich das Leben. Nachdem Günter Grass vor den Teilnehmern des Evangelischen Kirchentages aus seinem Roman "Örtlich betäubt" gelesen hatte, trat ein Mann vors Saalmikrofon und grüßte seine Kameraden von der SS. Dann setzte er ein Glasfläschen mit Zyankali an die Lippen. Manfred Augst, 56 Jahre alt und Apotheker aus Tübingen, stirbt auf dem Weg ins Krankenhaus. Günter Grass kommt vom Fall dieses Mannes nicht los. Dieser öffentliche Selbstmord zieht sich durch das ganze "Tagebuch einer Schnecke". Grass besucht auch die Familie des Selbstmörders, er bleibt sehr lange. 35 Jahre nach dem Tod ihres Vaters hat Ute Scheub sich auf die Suche nach dem Leben ihres Nazi-Vaters gemacht. Ihr Buch ist die Abrechnung mit einem Menschen, der für sie immer ein Fremder geblieben ist. Sie erzählt die exemplarische Geschichte der schweigenden Generation der Väter. Und wie dieses Schweigen die Familie terrorisierte. Ute Scheub beschreibt auch ihren Kampf gegen den Vaterschatten. Ein Leben lang wollte sie unbedingt komplett anders sein als er.