Episode: Mittwoch, 31. August 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 31.08.2005 um 10:00
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Beschreibung:
  • US-Behörden rechnen mit hunderten Hurrikan-Todesopfern
  • Leichte Entspannung auf dem deutschen Arbeitsmarkt
  • SPD startet in Schlussphase des Wahlkampfs

BATON ROUGE: Zwei Tage nach dem verheerenden Hurrikan 'Katrina' gerät die Lage in einigen Krisenregionen in den Südstaaten der USA zunehmend außer Kontrolle. Allein an der Küste von Mississippi werden einige hundert Todesopfer befürchtet. Vielerorts kam es zu Plünderungen. Louisianas Gouverneurin Kathleen Blanco zeichnete ein erschütterndes Bild, insbesondere auch von der Lage in New Orleans. Nach Dammbrüchen könnte die Stadt völlig überflutet werden. In den Notunterkünften herrschen teils katastrophale Zustände. Hotels, Krankenhäuser und das Footballstadion mit 20.000 Geflohenen sollen evakuiert werden. In den betroffenen Staaten sind mehrere Millionen Menschen obdachlos und müssen für Tage mit Lebensmitteln und Trinkwasser versorgt werden. - Angesichts der starken Sturmschäden in der Förderregion im Golf von Mexiko kletterte der Ölpreis auf neue Rekordhöhen über 70 US-Dollar. 

NÜRNBERG: Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt hat sich etwas entspannt. Wie die Bundesagentur für Arbeit soeben mitteilte, waren im August rund vier Millionen 728.000 Erwerbslose registriert. Das sind etwa 44.000 weniger als im Vormonat. Damit fiel der Rückgang deutlich stärker aus als in den vergangenen Jahren im August. Experten führen diese Entwicklung unter anderem auf das zunehmende Angebot an so genannten Ein-Euro-Jobs zurück. Darüber hinaus wachse bei den Unternehmen die Bereitschaft, neue Arbeitskräfte einzustellen.

BERLIN: Mit einem außerordentlichen Parteitag läuten die Sozialdemokraten an diesem Mittwoch die Schlussphase des Bundestags-Wahlkampfes ein. Im Mittelpunkt des Kongresses in Berlin stehen die Reden von Bundeskanzler Gerhard Schröder und SPD-Chef Franz Müntefering. Beide stellten schon vorab klar, trotz kritischer Stimmen aus den eigenen Reihen werde es keinen Strategiewechsel geben. Die mehr als 500 Delegierten sollen einen Wahlaufruf beschließen, in dem die SPD ihr Profil als Partei der sozialen Gerechtigkeit unterstreicht. Längere inhaltliche Aussprachen sind auf dem fünfstündigen Parteitag nicht vorgesehen.

BERLIN: Der Finanzexperte im Wahlkampfteam der Union, Paul Kirchhof, hält anders als CDU und CSU einen Systemwechsel in der Rentenpolitik für erforderlich. Das Ziel müsse langfristig der Umstieg vom so genannten Umlagesystem zur Kapitaldeckung sein, sagte Kirchhof der 'Süddeutschen Zeitung'. Beim bisherigen Umlageverfahren werden die Beitragseinnahmen umgehend als Renten ausgezahlt; der Beitragszahler erwirbt Ansprüche für seine spätere Rente. Bei der Kapitaldeckung wird Geld zurückgelegt und fürs Alter angespart. 

AUGSBURG: Knapp drei Wochen nach seiner Verurteilung wird der frührere Staatssekretär Ludwig-Holger Pfahls am Donnerstag aus dem Gefängnis entlassen. Der Haftbefehl gegen Pfahls werde unter Auflagen außer Vollzug gesetzt, entschied das Augsburger Landgericht. Der 62-jährige war Anfang August wegen Korruption und Steuerhinterziehung zu zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Unter Anrechnung der Haft in Frankreich und der Untersuchungshaft hat Pfahls bereits die Hälfte seiner Strafe verbüßt. 

WARSCHAU: Bundespräsident Horst Köhler hat bei seinem Staatsbesuch in Polen für einen offenen Dialog über strittige Fragen geworben. Offenheit sei das wichtigste, um an wirklicher Versöhnung zu arbeiten, sagte Köhler bei einem Trefffen mit dem polnischen Staatspräsidenten Aleksander Kwasniewski. Der Bundespräsident bezog sich dabei auf das in Berlin geplante Zentrum gegen Vertreibungen. Köhler betonte, es gebe in Deutschland keine relevante politische Kraft, die die Geschichte umdeuten wolle. Kwasniewski bekräftigte erneut die grundsätzliche Kritik Polens an dem Zentrum. Zuvor hatten beide Staatsoberhäupter den Grundstein für den Neubau der deutschen Botschaft in Warschau gelegt.-  An diesem Mittwoch nimmt Köhler in Dresden an den Feiern zum 25. Jahrestag der Gewerkschaft 'Solidarnosc' teil.

BAGDAD: Bei einem Granatenangriff auf eine Zeremonie von Schiiten sind in der irakischen Hauptstadt mindestens sieben Menschen getötet und etwa 35 verletzt worden. Ein Militärsprecher teilte mit, die Geschosse seien in einer großen Menschenmenge am Kadhimijah-Schrein im Norden Bagdads eingeschlagen. -- Bei Luftangriffen der US-Armee in der Stadt Kaim waren am Dienstag nach Angaben von Ärzten 47 Menschen ums Leben gekommen, darunter Frauen und Kinder. Die US-Armee in Falludscha erklärte, sie habe Terroristenverstecke beschossen. 

JAKARTA: Einen Tag nach Unterzeichnung einer Generalamnestie sind in Indonesien hunderte inhaftierte Rebellen aus der Krisenprovinz Aceh auf freien Fuß gesetzt worden. Aus Gefängnissen im ganzen Land wurden freigelassene Mitglieder der Rebellenbewegung freies Aceh (GAM) in die Hauptstadt Jakarta gebracht, um von dort den Heimflug nach Aceh anzutreten, wie Gefängnisvertreter und Menschenrechtler berichteten. In diesem ersten Schritt sollten mehr als 1.400 Kämpfer freikommen. -- Die Amnestie ist Teil eines vor zwei Wochen in Finnland unterzeichneten Friedensabkommens, mit dem der fast drei Jahrzehnte andauernde Bürgerkrieg in Aceh beendet werden soll. 
 
WOLFSBURG: Im Streit um den Produktionsstandort für einen neuen Geländewagen erhöht der Volkswagen-Konzern den Druck auf den Betriebsrat. Markenchef Wolfgang Bernhard setzte dem Betriebsrat am VW-Stammsitz in Wolfsburg ein Ultimatum bis Ende September, einer Senkung der Personalkosten für das Projekt zuzustimmen. Andernfalls werde der neue Golf-Geländewagen ab 2007 in Portugal vom Band rollen. Nach VW-Angaben könnte der Wagen im portugiesischen Werk Palmera etwa 1.000 Euro je Fahrzeug preiswerter gefertigt werden als in Wolfsburg. 

ZUR BÖRSE: Der deutsche Aktienmarkt ist fester in den Handelstag gestartet. Der Index DAX stand vor wenigen Minuten bei 4.805 Punkten, 13 Punkte höher als bei der Schlussnotierung am Dienstag. Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss leichter. Der Nikkei-Index fiel um 40 auf 12.413 Punkte. Der Euro wird derzeit mit gut einem Dollar 22 gehandelt. 

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Fast überall sonnig und trocken. Die Tageshöchstwerte liegen zwischen 25 und 30 Grad, am Rhein örtlich um 32 Grad.

Am Vormittag meldeten:

Hamburg: 16 Grad, wolkenlos;
Berlin: 17 Grad, leicht bewölkt;
Dresden: 18 Grad, fast wolkenlos;
Köln/Bonn: 19 Grad, wolkenlos;
Frankfurt am Main: 20 Grad, ebenfalls wolkenlos  und
München: 17 Grad, dunstig.