Episode: Montag, 29. August 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 29.08.2005 um 10:00
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Beschreibung:
  • CDU-Parteitag läutet Wahlkampf-Schlussspurt ein
  • Verteidigungsminister Struck in Afghanistan
  • Touristenmetropole New Orleans wird wegen Hurrikan evakuiert

DORTMUND: Die CDU hat sich auf einem Parteitag in Dortmund auf die anstehende Bundestagswahl eingestimmt. Vor mehr als 10.000 Delegierten und Sympathisanten rief Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel CDU und CSU zum gemeinsamen Kampf um jede Stimme auf. Dabei unterstrich sie ihren Anspruch auf die Regierungsübernahme. Der rot-grünen Regierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder warf Merkel eine 'katastrophale Bilanz' vor. Die Wahl am 18. September bezeichnete sie angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und des fehlenden Wirtschaftsaufschwungs als entscheidende Weichenstellung für die Erneuerung Deutschlands. Zugleich bekräftigte Merkel ihr Nein zu einer Vollmitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union. Ihrem Finanzexperten Paul Kirchof, dessen radikales Steuerreformkonzept auch in den eigenen Reihen auf Widerstand stößt, stärkte die CDU-Chefin den Rücken.

KABUL: Verteidigungsminister Peter Struck hält sich zu einem Truppenbesuch der Bundeswehrsoldaten in Afghanistan auf. Bei den so genannten regionalen Wiederaufbauteams in Faisabad und Kundus will sich der Minister über deren Arbeit informieren. Die Sicherheitslage vor der afghanischen Parlamentswahl am 18. September bezeichnete Struck als bedrohlich. Es sei mit weiteren Anschlägen im Vorfeld der Wahl zu rechnen. Dennoch sei der Verbleib der deutschen Soldaten im Land zu verantworten. Ein weiteres Thema dürfte der zunehmende Drogenanbau in Afghanistan sein, einem der größten Probleme des Landes. Die deutschen Soldaten beteiligen sich nicht direkt am Kampf gegen den Drogenanbau.

NEW ORLEANS: In den USA droht an diesem Montag die möglicherweise schlimmste Naturkatastrophe seit Jahrzehnten. Der Hurrikan 'Katrina' nähert sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 280 Stundenkilometern der südöstlichen Küste am Golf von Mexiko. Er könnte direkt die Stadt New Orleans treffen, die teilweise tiefer als der Meeresspiegel liegt. Die Behörden befürchten, dass der Hurrikan eine über acht Meter hohe Sturmflut auslösen könnte. Rund eine Million Menschen haben die Region New Orleans bereits verlassen. Wegen der Beeinträchtigung der Ölförderung im Golf von Mexiko erreichte der Ölpreis eine neue Rekordmarke. Ein Barrel kostete zeitweise über 70 Dollar.

PJÖNGJANG: Nordkorea will die Verhandlungen über sein Atomwaffenprogramm nicht wie geplant in dieser Woche fortsetzen. Dies teilte Außenminister Paek Nam Sun in Pjöngjang mit. Als Grund gab er lediglich an, Nordkorea habe derzeit zu wenig Vertrauen in die internationalen Gespräche. Paek äußerte sich bei einem Treffen mit dem thailändischen Außenminister Kantahi Suphamongkhon. Nach dessen Einschätzung dürften die Atomverhandlungen frühestens Mitte September wieder aufgenommen werden.

SEOUL: Beim südkoreanischen Autokonzern Kia sind rund 27.000 Arbeiter für mehrere Stunden in den Streik getreten. Sie verlangen eine Lohnerhöhung von über acht Prozent sowie bessere Arbeitsbedingungen. Die Geschäftsführung lehnt die Forderungen mit Verweis auf einen Rückgang im Inlandsgeschäft ab. Bis Freitag wollen die Kia-Mitarbeiter nach Gewerkschaftsangaben noch mehrmals die Arbeit zeitweise niederlegen. Die Gewerkschaften haben für diese Woche zudem Streiks bei Südkoreas größtem Autohersteller Hyundai angedroht.

WASHINGTON: US-Präsident George W. Bush hat den Entwurf für eine neue irakische Verfassung grundsätzlich begrüßt. In der Verfassung seien fundamentale Rechte wie etwa Meinungs- und Glaubensfreiheit verankert, sagte Bush während eines Aufenthalts in Texas. Der am Sonntag im Parlament eingebrachte Verfassungentwurf ermöglicht die Errichtung eines föderalen Bundesstaates im Irak. Dies lehnen die Sunniten im Gegensatz zu Schiiten und Kurden ab. Die Volksabstimmung über den Entwurf ist für den 15. Oktober angesetzt. Die Sunniten haben angekündigt, massiv für ein 'Nein' werben zu wollen.

PEKING: Die Krise um die chinesischen Textileinfuhren nach Europa dauert an. Auch nach viertägigen Verhandlungen von chinesischen und EU-Experten in Peking konnte noch keine Lösung gefunden werden. Die EU-Vertreter flogen inzwischen nach Brüssel zurück. EU-Handelskommissar Peter Mandelson will an diesem Montag Vorschläge zur Lösung der Krise machen. Etwa 80 Millionen Kleidungsstücke aus China stapeln sich derzeit in Europas Häfen und können nicht an die Händler ausgeliefert werden. Grund dafür ist, dass die im Juni zwischen China und der EU vereinbarten Einfuhrquoten für dieses Jahr bereits ausgeschöpft sind.

JERUSALEM: Nur wenige Tage nach Abschluss der Räumungen von Siedlungen im Gazastreifen und im Westjordanland hat ein Selbstmordanschlag in Israel die Hoffnungen auf einen baldigen Frieden mit den Palästinensern gedämpft. Ein Mann sprengte sich im Busbahnhof der südisraelischen Stadt Beerscheba in die Luft und verletzte zwei Sicherheitskräfte schwer. Die Wachleute hielten den Täter vor einem wartenden Bus an und verhinderten so ein großes Blutbad. Zu dem Anschlag bekannte sich der Islamische Dschihad.

PARIS: Die französische Zivilluftfahrtbehörde hat erstmals die internationalen Fluggesellschaften öffentlich gemacht, die keine Flugerlaubnis für Frankreich erhalten. Frankreich ist damit in Europa nach Großbritannien und Schweden das dritte Land, das eine derartige Liste publik macht.

MÜNCHEN: Der Schauspieler Hans Clarin ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Wie seine Konzertagentur mitteilte, erlag er am Sonntag im oberbayerischen Aschau einem akuten Herzversagen. Einem Millionenpublikum wurde er als Stimme des vorwitzigen Kobolds 'Pumuckl' bekannt. Insgesamt wirkte Clarin in mehr als 100 Film- und Fernsehproduktionen mit.

ZUR BÖRSE: Belastet von den Rekordpreisen für Rohöl sind die deutschen Aktien zumeist mit Verlusten in die Woche gestartet. Der Aktienindex Dax stand vor wenigen Minuten mit gut 20 Punkten im Minus bei 4.760. Ebenfalls unter dem Eindruck der hohen Ölpreise hat die Börse in Tokio zum Wochenauftakt schwach geschlossen. Der Nikkei-Index gab um 130 Punkte nach und fiel auf den Schlussstand von 12.310. Der Euro wird zur Stunde mit rund einem Dollar 23 notiert.

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Sonnig und trocken. Nur im äußersten Norden vorübergehend wolkig. Die Temperaturen bewegen sich zwischen 25 und 28 Grad Celsius.