Episode: Sonntag, 28. August 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 28.08.2005 um 10:00
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Beschreibung:
  • Selbstmordanschlag im Süden Israels
  • Linkspartei billigt Wahlprogramm
  • Etwa 3,7 Prozent Defizit in diesem Jahr

TEL AVIV: Im Süden Israels in der Stadt Berscheeba hat sich nach  Polizeiangaben ein Palästinenser in die Luft gesprengt und dabei  mindestens zehn Menschen verletzt. Für zwei Personen soll  Lebensgefahr bestehen. Der Attentäter habe seinen Sprengstoff am  Eingang des zentralen Busbahnhofs gezündet, nachdem er von  Sicherheitskräften verfolgt wurde, teilte die Polizei mit. Es ist  der erste derartige Anschlag nach dem Rückzug Israels aus  palästinensischen Gebieten. -- Radikale Gruppen hatten gedroht, die  Tötung von fünf Palästinensern durch israelische Soldaten bei einem Zusammenstoß im Westjordanland vor drei Tagen zu rächen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte sich noch kurz vor dem  Anschlag im Rundfunk zur Waffenruhe mit Israel bekannt. 

BAGDAD: Im Irak gehen die Verhandlungsführer der Sunniten davon aus,  dass der Verfassungsentwurf ungeachtet ihrer Kritik und der  Intervention von US-Diplomaten das Parlament passieren wird. Der  beherrschende Block von Schiiten und Kurden werde den Entwurf  vorlegen und durchdrücken, erklärte Sadoun Zubaydi für die Sunniten.  Der Kritik hatten sich zuvor auch fünf sunnitische Regierungs-  mitglieder angeschlossen. Parlamentspräsident Hadschim al Hassani hat angekündigt, der eingereichte Entwurf solle an diesem Sonntag  dem Parlament übergeben werden. -- Sunnitische und schiitische  Gegner der Verfassung forderten die Bürger auf, beim geplanten  Referendum am 15. Oktober mit "Nein" zu stimmen. 

BERLIN: Mit einem entschiedenen Eintreten gegen weitere soziale  Einschnitte und Neoliberalismus will die neue Linkspartei als dritt-  stärkste Kraft in den Bundestag einziehen. Eine der Kernforderungen  im Wahlprogramm, das auf dem Bundesparteitag am Samstag in Berlin  beschlossen wurde, ist ein gesetzlicher Mindestlohn von 1.400 Euro  brutto und die Rücknahme der Arbeitsmarktreform Hartz IV. Ex-SPD-  Chef Oskar Lafontaine, der als Spitzenkandidat für die Linkspartei  antritt, nannte seinen Auftritt auf dem Parteitag der früheren PDS  ein historisches Datum für die politische Linke. Er forderte, wie  auch der zweite Spitzenkandidat Gregor Gysi, eine vollständige  Vereinigung von Linkspartei und Wahlalternative Soziale  Gerechtigkeit nach der Wahl am 18. September. 

DORTMUND: Die CDU will drei Wochen vor der Bundestagswahl mit einem  Parteitag in die Schlussphase des Wahlkampfs einsteigen.  Hauptrednerin in Dortmund ist Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel.  Mit Spannung erwartet wird auch die Rede von CSU-Chef Edmund  Stoiber. Wegen seiner Äußerungen über die vermeintliche Frustration und das Wahlverhalten der Menschen in Ostdeutschland hatte der  CSU-Chef auch in der CDU Kritik geerntet. Der parteilose  Steuerexperte Paul Kirchhof, zuständig für Finanzpolitik im  Wahlkampfteam der CDU, wird ebenfalls erwartet. Seine Vorstellungen  über einen Einheitssteuersatz von 25 Prozent spalten die Union.  Während sich mehrere CDU-Ministerpräsidenten dagegen aussprachen,  verteidigte Merkel die Pläne als -so wörtlich- 'attraktive Vision'.  Stoiber sprach sich für Kirchhof als Bundesfinanzminister aus.

BERLIN: Bundesfinanzminister Hans Eichel wird in diesem Jahr zum  vierten Mal in Folge ein überhöhtes Defizit nach Brüssel melden.  Eichel werde die EU-Kommission am Donnerstag über eine  Neuverschuldung "in der Größenordnung" von 3,7 Prozent des  Bruttoinlandsprodukts informieren, erklärte ein Sprecher des  Ministeriums. Er bestätigte damit im Grundsatz einen Bericht der  'Welt am Sonntag', die diese Zahl genannt hatte. - Als Ursache wurde die schleppende Konjunkturentwicklung genannt, die die Steuereinnahmen geringer und die Ausgaben für die Arbeitslosigkeit  höher ausfallen ließe. Der Ministeriumssprecher wies aber auch  darauf hin, dass die Blockade im Bundesrat beim Abbau von  Subventionen und Steuervergünstigungen zu diesem hohen Staatsdefizit  geführt habe.

BERLIN: Bundesverteidigungsminister Peter Struck reist an diesem  Sonntag nach Afghanistan. Zwischenstation ist im usbekischen Termes geplant, wo die Bundeswehr einen Luftwaffenstützpunkt mit rund 300  Soldaten unterhält. Struck hatte angekündigt, man suche nach den  jüngsten Unruhen in Usbekistan nach einem neuen Standort. Die USA  müssen ihre Militärbasis in dem Land auf Druck der Führung in Taschkent räumen. - Am Montag wird Struck Soldaten der beiden  deutschen Wiederaufbauteams im nordafghanischen Kundus und Feisabad  besuchen. Er hatte für eine Ausweitung des Mandats von derzeit 2.250  auf 3.000 Bundeswehrsoldaten plädiert. 

FRANKFURT AM MAIN: Der israelische Schriftsteller Amos Oz erhält an diesem Sonntag den mit 50.000 Euro dotierten Goethepreis der Stadt Frankfurt. Mit seiner thematischen Vielfalt und stilistischen Virtuosität zähle der 66-Jährige zu den bedeutendsten Autoren der Gegenwart, hatte das Kuratorium seine Entscheidung begründet. Oz war  1992 bereits mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt  worden. - Der mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigte Oz setzt  sich seit vielen Jahren für den Friedensprozess im Nahen Osten ein.  Er befürwortet eine Zwei-Staaten-Lösung zwischen Israelis und  Palästinensern und appelliert an die Europäer, mehr praktische Hilfe bei der Konfliktlösung zu leisten. 

MÜNCHEN: Das Hochwasser im Bereich der Nordalpen zieht sich langsam  zurück. Nach den verheerenden Überschwemmungen in Ostbayern hat sich  die Lage dort etwas entspannt. An Donau und Isar sanken vielerorts  die Pegelstände. Weite Landstriche gleichen aber immer noch einer  Seenplatte. In Österreich gab es wieder anhaltende Regenfälle und  auch Erdrutsche. In der Schweiz entschärfte sich die Lage dagegen  weiter. Auch in den Hochwassergebieten Rumäniens beruhigte sich die  Situation.

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Verbreitet freundlich. Nur nahe der  Grenze zu Dänemark und an den Alpen mehr Wolken. Höchstwerte 21 bis  26 Grad.