Episode: Samstag, 27. August 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 27.08.2005 um 10:00
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Beschreibung:
  • Bundesregierung versichert Türkei ihre Unterstützung
  • US-Militärs lassen 1.000 Häftlinge in Bagdad frei
  • Diskussion um Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

BERLIN: Die Bundesregierung hat den neuen Vorstoß der Union gegen eine EU-Vollmitgliedschaft der Türkei scharf kritisiert. Die Türkei sei im internationalen Kampf gegen Terror und bei der Konflikt- Bewältigung im Nahen und Mittleren Osten ein unverzichtbarer Partner, betonte Außenminister Joschka Fischer. Kanzler Gerhard Schröder wies darauf hin, die Führung in Ankara habe sämtliche Forderungen des EU-Gipfels vom Dezember erfüllt. Nun müsse auch die EU ihre Zusagen einhalten. - Der türkische Wirtschaftsminister und EU-Verhandlungsführer Ali Babacan erklärte, man setze auf die Vertragstreue der Europäischen Union. Die Kanzlerkandidatin der Union, Angela Merkel, und CSU-Chef Edmund Stoiber hatten in einem Schreiben an die konservativen Regierungschefs der EU dafür plädiert, mit der Türkei vordringlich über eine privilegierte Partnerschaft zu verhandeln.


BAGDAD: Die US-Streitkräfte im Irak haben nach eigenen Angaben bis zu 1.000 Häftlinge aus dem umstrittenen Gefängnis Abu Ghraib freigelassen. Die bisher größte derartige Aktion sei auf Ersuchen sunnitischer Repräsentanten bei den Verhandlungen über die neue irakische Verfassung erfolgt, hieß es in Bagdad. Vor dem geplanten Verfassungsreferendum könnten weitere Gefangene freikommen, gegen die bislang keine Anklage erhoben worden sei. In einer Erklärung der US-Militärs ist von einem wichtigen Schritt hin zu rechtsstaatlichen Verhältnissen die Rede.


GAZA-STADT: Erstmals seit über zehn Jahren hat sich der militärische Führer der radikalen Hamas-Bewegung, Mohammed Deif, angeblich wieder in der Öffentlichkeit gezeigt. In einer Videobotschaft, die nach Hamas-Angaben Deif zeigt, kündigt er weitere Anschläge bis zur 'Vernichtung' Israels an. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte erklärt, er hoffe, die bewaffneten Gruppen zum Dialog bewegen zu können und hatte eine Regierungsbeteiligung angeboten. - Deif gilt als meistgesuchter Mann auf der israelischen Fahndungsliste. Er hat zwei israelische Tötungsversuche überlebt.


HAMBURG: Die drei wegen Terrorverdachts festgenommenen Tschetschenen sind wieder freigelassen worden. Es lägen keine Hinweise auf geplante terroristische Akte vor, teilte ein Hamburger Polizeisprecher mit. Nach einer spektakulären Großfahndung mit mehr als 1.000 Beamten hatte die Polizei die Männer im Alter von 21 und 25 Jahren am Freitag in der Hansestadt gefasst. - Am Mittwochabend hatte ein Zeuge an einer Bushaltestelle ein Gespräch der Männer mitangehört, dessen Inhalt ihm verdächtig vorkam.


NEU DELHI: Nach dem Großmanöver mit China wollen die russischen Streitkräfte im Oktober eine gemeinsame Truppenübung mit Indien abhalten. Schwerpunkt des größten indisch-russischen Manövers sei der Kampf gegen den Terrorismus, teilte das Verteidigungsministerium in Neu Delhi mit. Russland ist der engste militärische Verbündete Indiens und liefert mehr als 70 Prozent der Armee-Ausrüstung.


PEKING: Im Streit um das nordkoreanische Atomwaffenprogramm hat China seinen Chefunterhändler nach Pjöngjang geschickt. Vize- Außenminister Wu Dawei, der bis Freitag noch Gespräche in Japan geführt hatte, werde bis Dienstag mit der nordkoreanischen Führung die Lage sondieren, bestätigten Regierungsbeamte in Peking. Ob es in der nächsten Woche tatsächlich zu neuen Verhandlungen der internationalen Sechs-Parteien-Runde kommt, erschien noch fraglich.


BERLIN: Die Forderung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages nach Einführung von Karenztagen für kranke Arbeitnehmer stößt auch im Unternehmerlager auf Widerspruch. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser lehnte den Vorstoß als derzeit nicht notwendig ab. Kannegiesser erinnerte daran, dass Deutschland bei den Krankheitstagen einen Tiefststand verzeichne. - Der Präsident des Handelskammertages, Ludwig Georg Braun, hatte dafür plädiert, in den ersten zwei Krankheitstagen Lohn und Gehalt nicht weiter zu zahlen.


PEKING: Vertreter der Europäischen Union und Chinas setzen ihre Gespräche über eine Beilegung des Textilstreits an diesem Samstag fort. Die Verhandlungen seien von besonderer Dringlichkeit, hieß es von EU-Seite, weil sich in den Häfen in Europa tonnenweise Lieferungen mit chinesischer Kleidung stapeln. Sie wurden vom Handel bestellt und bezahlt, werden wegen Überschreitung der Importquoten aber nicht freigegeben.


BERLIN/ZÜRICH: Der SPD-Vordenker, Bildungsexperte und Kommunikationswissenschaftler Peter Glotz ist im Alter von 66 Jahren an Lungenkrebs in der Schweiz gestorben. Politiker aller Parteien zeigten sich bestürzt. SPD-Fraktions- und Parteichef Franz Müntefering erklärte, Glotz habe politische Leidenschaft mit Intellektualität verbunden. Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler sagte, Glotz sei unabhängig und mutig gewesen.


MÜNCHEN: In den Hochwassergebieten im Südosten Bayerns sinken die Pegelstände zwar langsam, weite Landstriche stehen aber nach wie vor unter Wasser. Hunderte Helfer arbeiten unermüdlich daran, aufgeweichte Dämme zu sichern. Bundesinnenminister Otto Schily forderte als Konsequenz aus den Überschwemmungen den Aufbau einer nationalen Katastrophen-Zentrale.


MIAMI: Der Hurrikan 'Katrina' hat an Stärke gewonnen und wird möglicherweise zum Wochenbeginn in Mississippi und Louisiana noch einmal auf die US-Küste treffen. Dort wurde bereits der Notstand ausgerufen. Besondere Sorge gilt New Orleans, das teilweise tiefer als der Meeresspiegel liegt. Zuvor war der Sturm bereits über den Süden Floridas hinweggefegt, wobei sieben Menschen ums Leben kamen.


DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Wechsel von Sonne und Wolken. In Küstennähe, an den Alpen sowie im Nordwesten einzelne Schauer möglich. Höchstwerte zwischen 17 und 24 Grad.

Am Vormittag meldeten:

Hamburg:  13 Grad, fast heiter;
Berlin:  15 Grad, wolkig;
Dresden und Köln/Bonn:  13 Grad, wolkig;
Frankfurt am Main:  14 Grad, bedeckt und
München:  14 Grad, leicht bewölkt.