Episode: Samstag, 3. September 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 03.09.2005 um 10:00
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Beschreibung:
  • US-Senat untersucht Krisenmanagement bei Hurrikan-Katastrophe
  • Keine Einigung im Streit um Textil-Importe aus China
  • Hohe Spritpreise trotz Freigabe nationaler Ölreserven

WASHINGTON: In den USA soll ein vom Senat eingesetzter Untersuchungsausschuss klären, warum die Behörden nach dem Hurrikan 'Katrina' so spät und mangelhaft reagiert haben. Präsident George W. Bush hatte bei einem Besuch in dem Katastrophengebiet eingeräumt, die Hilfe sei anfangs unzureichend gewesen. Er versprach schnellere Unterstützung, lehnte aber Forderungen nach einer Verlegung von Einheiten aus dem Irak nach New Orleans und anderen verwüsteten Städte in den US-Südstaaten ab. Dort vertreiben Soldaten inzwischen bewaffnete Banden. Konvois der Nationalgarde brachten Lebensmittel, Wasser und Medikamente. Nach Einschätzung der Behörden wird es sechs Monate dauern, bis New Orleans wieder trocken gelegt ist. Es soll Notquartiere für mindestens anderthalb Jahre geben.

WASHINGTON/BERLIN: Die USA haben nach eigenen Angaben Hilfsangebote aus über 60 Ländern erhalten. Außenministerin Condoleezza Rice sagte, darunter seien Angebote von armen und reichen Ländern ebenso wie solche von Freunden und Kritikern der USA. Die deutsche Bundesregierung sagte vor allem medizinische Unterstützung zu. Außerdem offerierte Deutschland Anlagen zur Wasseraufbereitung sowie Transport-Kapazitäten. THW-Experten sollen umgehend die Lage vor Ort sondieren. -- Kanzler Gerhard Schröder erinnerte an die US-Hilfe nach dem 2. Weltkrieg und erklärte, man sei zur Solidarität mit dem amerikanischen Volk historisch verpflichtet. - Rice hatte besonders das Angebot aus Sri Lanka erwähnt, da dieses Land selbst noch unter den Folgen des Tsunami leide. Das sozialistische Kuba bot Ärzte und medizinische Güter an, Venezuela günstiges Benzin.

BERLIN: Nach der angekündigten und zum Teil schon vorgenommenen Freigabe nationaler Ölreserven sind die massiven Preissteigerungen bei Diesel und Benzin zunächst gestoppt worden. Allerdings blieb das Preisniveau an deutschen Tankstellen hoch. So kostet Super im Bundesdurchschnitt jetzt etwa einen Euro 44, Diesel rund einen Euro 17. Die Internationale Energieagentur IEA, die die Freigabe der strategischen Ölreserven auf internationaler Ebene koordinieren soll, warnte unterdessen vor einer weltweiten Energiekrise. Ihr Chef Claude Mandil sagte, der Ölpreis sei schon vor dem Hurrikan 'Katrina' zu hoch gewesen. Nun bedrohe der hohe Ölpreis die gesamte Weltwirtschaft. Es müsse dringend in andere Energieformen investiert werden.

BRÜSSEL: Im Streit um blockierte Textil-Importe aus China hat die Europäische Union noch keine einheitliche Position gefunden. Das räumte EU-Handelskommissar Peter Mandelson ein. Die Verhandlungen sollen in den nächsten Tagen fortgesetzt werden. Derzeit hält der Zoll rund 80 Millionen Kleidungsstücke an den EU-Grenzen zurück, weil die mit China vereinbarten Importquoten längst ausgeschöpft sind.

NÜRNBERG: Die bayerische CSU hat ihren zweitägigen Parteitag in Nürnberg fortgesetzt. Gut zwei Wochen vor der Bundestagswahl wollen die Delegierten das Signal für die heiße Schlussphase des Wahlkampfs geben. Schwerpunkte sind die Wiederwahl der CSU-Spitze und die Rede von Parteichef Edmund Stoiber. Am Freitag hatte Unionskanzler- Kandidatin Angela Merkel auf dem CSU-Parteitag gesprochen. Sie kritisierte abermals die Arbeitsmarkt- und Energiepolitik der Bundesregierung. Am morgigen Sonntag sieht sich Merkel beim lange erwarteten TV-Duell Kanzler Gerhard Schröder gegenüber.

BERLIN: Die Zahl rechtsextremer Straftaten in Deutschland hat im ersten Halbjahr deutlich zugenommen. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums bestätigte einen entsprechenden Bericht des Berliner 'Tagesspiegel'. Die Landeskriminalämter registrierten demnach bis einschließlich Juni mit fast 5.000 rechtsextremen Straftaten rund 1.000 mehr als noch im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Ursache hierfür seien vor allem der große Anstieg so genannter Propagandadelikte. Dazu zählten Hakenkreuzschmiereien, das Grölen von Nazi-Parolen, Volksverhetzung sowie das Verbreiten rechtsextremer Liedtexte. Regierung und Opposition warfen sich gegenseitig Versagen im Kampf gegen die Neonazis vor.

WIEN: Die Internationale Atomenergie-Behörde kann nach eigenen Angaben nicht gänzlich ausschließen, dass der Iran ein heimliches Atomwaffen-Programm unterhält. Das geht aus einem Bericht von Behördenchef Mohammed el Baradei an den so genannten Gouverneursrat der Organisation hervor. Auch nach zweieinhalb Jahren intensiver Inspektionen im Iran seien wichtige Fragen noch immer offen, heißt es in dem Papier. Der iranische Atom-Unterhändler Ali Laridschani wies den Bericht als 'politisch motiviert' zurück. - Vor allem die USA hegen den Verdacht, die Regierung in Teheran strebe nach Nuklearwaffen. Der Iran beteuert hingegen, sein Atomprogramm diene ausschließlich zivilen Zwecken.

MOSKAU: Mit Trauerzügen und Kranzniederlegungen wird an diesem Samstag der erste Jahrestag des Geiseldramas von Beslan begangen, bei dem 331 Menschen getötet worden waren, darunter 186 Kinder. Auf dem Friedhof der nordossetischen Stadt wird ein Denkmal mit dem Namen "Lebensbaum" enthüllt. In Moskau sind die Bürger zu einer Schweigeminute aufgerufen, in vielen anderen Städten zu stillen Kundgebungen. Das Geiseldrama in Beslan war am 3. September 2004 mit einem massiven Einsatz der Sicherheitskräfte gegen tschetschenische Extremisten zu Ende gegangen, der in einem Blutbad endete. Der russische Präsident Putin hatte am Freitag vier Mütter empfangen, deren Kinder bei dem Geiseldrama ums Leben kamen. Dabei hatte er eine eingehende Untersuchung des Massakers zugesagt.

BRÜHL: In Brühl im Rheinland wird heute (Samstag) das Max Ernst- Museum eröffnet. Das Haus gibt mit rund 300 Exponaten einen Überblick über das Lebenswerk des 1891 in Brühl geborenen Künstlers, der als Vorreiter von Dadaismus und Surrealismus weltweit bekannt wurde. Zur Eröffnung des Museums werden auch Bundespräsident Horst Köhler und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) erwartet.

FRANKFURT AM MAIN: Das 1. Deutsche Fernsehen feiert 40 Jahre Lotto im Fernsehen: Am 4. September 1965 übertrug die ARD zum ersten Mal die Ziehung der Zahlen. Die Sendung, die durchschnittlich vier Millionen Zuschauer verfolgen, wird inzwischen im Frankfurter Main-Tower hoch über den Dächern der Stadt produziert. In den vergangenen 40 Jahren konnten sich etwa 3.700 Menschen über einen Millionengewinn freuen.

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Im Süden und Osten noch Gewitter und Schauer. Sonst heiter und sonnig. Tageshöchstwerte 20 bis 27 Grad.

Am Morgen meldeten:

Hamburg: 13 Grad, leicht bewölkkt;
Berlin:  18 Grad, bedeckt
Köln/Bonn:  14 Grad, heiter;
Frankfurt am Main:  18 Grad, bewölkt und
München und Dresden:   17 Grad, dunstig.