Episode: Dienstag, 13. September 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 13.09.2005 um 10:00
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Beschreibung:
  • Regierungswechsel in Norwegen
  • Deutscher Export auf Rekordhöhe
  • Neuer Chef des US-Katastrophenschutzes ernannt

OSLO: In Norwegen hat das oppositionelle Linksbündnis um den Sozialdemokraten Jens Stoltenberg die Parlamentswahl gewonnen. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kommen die drei Parteien der so genannten 'rot-grünen Regierungsalternative' auf 88 der insgesamt 169 Abgeordnetensitze. Die bisherige Mitte-Rechts-Koalition von Ministerpräident Kjell Magne Bondevik erzielte nur noch 81 Mandate. Der seit 2001 amtierende Regierungschef kündigte inzwischen seinen Rücktritt an. -  Stoltenberg war bereits von 2000 bis 2001 norwegischer Ministerpräsident. In der neuen Legislaturperiode will er mehr Gelder aus den Ölexporten für die Bildung, das Gesundheitswesen und für die Betreuung älterer Menschen ausgeben.

BERLIN: Wenige Tage vor der Bundestagswahl haben die Spitzenkandidaten der Parteien im Fernsehen ihre Positionen nochmals dargelegt. CDU-Chefin Angela Merkel sowie CSU-Chef Edmund Stoiber lehnten dabei eine mögliche Große Koalition erneut ab. Merkel stellte sich hinter ihren wegen seiner Steuerkonzepte umstrittenen Finanzexperten Paul Kirchhof und bekräftigte, er solle bei einem Regierungswechsel Finanzminister werden. Scharfe Kritik an Kirchhof übten Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer von den Grünen. Schröder sagte, Kirchhofs Einheitssteuersatz von 25 Prozent sollten die Arbeitnehmer finanzieren, denen die Steuerfreiheit für Zeitzuschläge gestrichen werden. Er bekräftigte, bei einem möglichen Wahlsieg die Koalition mit den Grünen fortsetzen zu wollen.

BERLIN: Das Statistische Bundesamt meldet negative und positive Wirtschaftsdaten. Die Verbraucherpreise stiegen im August im Vergleich zum Vorjahr um 1,9 Prozent. Preistreiber waren die hohen Kosten für Heizöl, Benzin, Strom und Gas. Ohne sie hätte die Inflationsrate in Deutschland nur bei 1,3 Prozent gelegen. Weiter positiv entwickelt sich der Export. Im ersten Halbjahr wurde mit knapp 85 Milliarden Euro der bislang höchste Exportüberschuss eines Halbjahres erreicht. 

BERLIN: Deutschland lehnt eine Zusammenlegung der beiden internationalen Einsätze in Afghanistan weiter ab. Verteidigungsminister Peter Struck sagte vor Beginn des Treffens mit seinen Nato-Kollegen in Berlin, die Bundeswehrsoldaten würden sonst einer zusätzlichen Gefährdung ausgesetzt. Vor allem die USA plädieren dafür, das Mandat für den Friedenseinsatz der ISAF-Truppen mit dem ihres Anti-Terror-Einsatzes 'Enduring Freedom' zusammenzufassen. Struck kündigte zudem an, Deutschland werde rund 6.000 Mann für eine schnelle Eingreiftruppe von Nato und EU bereitstellen. Schwerpunkt des Nato-Treffens in Berlin ist der Afghanistan-Einsatz. Weitere Themen sind die Einsätze im Irak, auf dem Balkan sowie die Reform der Nato.

WASHINGTON: US-Präsident George W. Bush hat den früheren Feuerwehrmann David Paulison zum neuen Chef der  Katastrophenschutzbehörde ernannt. Bush reagierte damit auf den Rücktritt von Michael Brown, der wegen der schleppend angelaufenen Hilfe für die Hurrikan-Opfer heftig kritisiert worden war. Bei einem Besuch in New Orleans wies Bush Vorwürfe als absurd zurück, dass die zögerliche Hilfe auf versteckten Rassismus zurückzuführen sei. Die überwiegende Mehrheit der Hurrikan-Opfer in New Orleans sind Schwarze aus den ärmsten Wohnvierteln. - In einem Krankenhaus der Stadt fanden Einsatzkräfte unterdessen die Leichen von 45 älteren Patienten. Damit erhöhte sich die offizielle Zahl der Toten in den Notstandsgebieten von Louisiana und Mississippi auf rund 450.

PEKING: In einer Stunde sollen in Peking wieder die internationalen Gespräche über Nordkoreas Atomprogramm aufgenommen werden. Sie waren fast fünf Wochen unterbrochen gewesen. An den so genannten Sechs-Parteien-Gesprächen nehmen die beiden koreanischen Staaten, die USA, Russland, China und Japan teil. Die Führung in Pjöngjang betonte nochmals ihre Absicht, an der zivilen Nutzung der Atomkraft festzuhalten. Nach Auffassung der USA hat Nordkorea dagegen das Recht dazu verwirkt, weil das Land Atomwaffen gebaut und damit gegen internationale Abmachungen verstoßen habe. - Unterdessen berichtete die 'New York Times', dass pakistanische Schmuggler möglicherweise ein Dutzend Zentrifugen für die Produktion von atomwaffenfähigem Uran nach Nordkorea geliefert hätten. Die Zeitung beruft sich dabei auf Aussagen des pakistanischen Staatschefs Pervez Musharaf.

BELFAST: In der nordirischen Provinzhauptstadt Belfast ist es die dritte Nacht in Folge zu Straßenschlachten zwischen radikalen Protestanten und der Polizei gekommen. Die Ausschreitungen seien jedoch nicht so schwer gewesen, wie in den vergangenen beiden Nächten, teilten die Behörden mit. Die Sicherheitskräfte wurden wieder mit Steinen, Brandbomben und Feuerwerkskörpern angegriffen. Erneut gingen Autos in Flammen auf. Auch eine Polizeistation wurde  mit Benzinbomben attackiert. --- Auslöser der Krawalle war die amtlich verfügte Umleitung eines traditionellen Marschs des protestantischen Oranierordens. Damit sollte verhindert werden, dass es bei dem Umzug der pro-britischen Protestanten durch vorwiegend katholische Wohngebiete zu Zusammenstößen kommt.

FRANKFURT AM MAIN: Die deutsche Automobilindustrie sieht trotz der Rekordpreise an den Tankstellen erste Anzeichen der Konjunkturerholung. Der Branchenverband VDA verwies zur Begründung auf wieder steigende Neuzulassungszahlen. In Frankfurt am Main wird am Dienstag nachmittag die Internationale Automobilausstellung durch Bundeskanzler Gerhard Schröder eröffnet. Auf der größten Autoschau der Welt sind erstmals auch chinesische Anbieter vertreten.

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Im Norden heiter, Richtung Süden stark bewölkt und regnerisch. Tageswerte zwischen 15 und 23 Grad.

Zuletzt meldeten:

Hamburg: 12°, fast wolkenlos;
Berlin: 14°, wolkig;
Dresden: 13°, stark bewölkt;
Köln/Bonn: 12°, leicht bewölkt;
Frankfurt am Main: 15°, stark bewölkt und
München: 15°, bedeckt.