Episode: Montag, 12. September 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 12.09.2005 um 10:00
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Beschreibung:
  • Palästinenser feiern Israels Abzug aus Gaza-Streifen
  • Präsident Bush besucht erneut Hurrikan-Gebiet
  • Energieversorger E.ON droht Kartellamt mit Klage

GAZA-STADT: Nach 38 Jahren hat Israel die Besetzung des Gaza-Streifens endgültig beendet. Die letzten Armee-Einheiten verließen den Gebietsstreifen am Mittelmeer und kehrten ins israelische Kernland zurück. Zehntausende Palästinenser feierten den Abzug. Sicherheitskräfte rückten in die 21 verlassenen Siedlungen ein. Nach Korrespondentenberichten setzten palästinensische Jugendliche mindestens zwei Synagogen in Brand. Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas würdigte den israelischen Abzug als historisches Ereignis. Auf dem Weg zu einer Friedenslösung bleibe aber noch viel zu tun, sagte Abbas in Gaza-Stadt.

NEW ORLEANS: US-Präsident George W. Bush ist zu seinem dritten Besuch in den vom Hurrikan 'Katrina' verwüsteten Gebieten eingetroffen. Er will sich in Louisiana und Mississippi ein Bild von der Lage machen und mit Einsatzkräften sprechen. - Nach Ansicht von Kritikern haben der Präsident und die US-Bundesbehörden nach der Hurrikan-Katastrophe vor zwei Wochen zu langsam reagiert und zu spät Hilfe mobilisiert. - Die Polizei im überfluteten New Orleans teilte mit, die noch in der Stadt ausharrenden Einwohner könnten vorerst in ihren Häusern bleiben. Es werde keine Zwangsevakuierungen geben.

TOKIO: Nach seinem Triumph bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Japan will Ministerpräsident Junichiro Koizumi vorerst sein bisheriges Kabinett im Amt belassen. Wie in Tokio offiziell verlautete, soll am 21. September in einer Sondersitzung des Parlamentes erneut über die umstrittene Privatisierung der Post abgestimmt werden. Bis dahin blieben die bisherigen Minister im Amt. Koizumis Liberaldemokratische Partei hatte den bislang größten Sieg in ihrer Geschichte errungen und verfügt künftig über 296 der 480 Sitze im Tokioter Unterhaus. Der Vorsitzende der oppositionellen Demokratischen Partei kündigte seinen Rücktritt an. Mit der Post- Reform soll die größte Privatbank der Welt mit Einlagen von umgerechnet rund 2,5 Billionen Euro geschaffen werden.

BELFAST: In der nordirischen Hauptstadt ist es in der zweiten Nacht in Folge zu schweren Krawallen gekommen. Nach Angaben der Polizei griffen etwa 700 protestantische Extremisten die Sicherheitskräfte in Belfast mit Benzinbomben und Wurfgeschossen an. Mindestens sieben Polizisten sei verletzt worden. Die Randalierer hätten zudem mehrere Autos in Brand gesetzt. Anlaß war die Entscheidung der Behörden, den Marsch eines protestantischen Oranier-Ordens durch ein katholisches Viertel in Belfast zu verbieten.

OSLO: In Norwegen wird an diesem Montag ein neues Parlament gewählt. Rund 3,4 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, die 169 Abgeordneten im Storting in Oslo zu bestimmen. Nach den jüngsten Meinungsumfragen zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Mitte-Rechts-Koalition von Ministerpräsident Kjell Magne Bondevik und der von den Sozialdemokraten angeführten Opposition ab. Norwegen ist der drittgrößte Ölexporteur der Welt. - Die Wahllokale öffnen um 9.00 Uhr und schließen um 20.00 Uhr MESZ.

FRANKFURT AM MAIN: Im Streit um die Liberalisierung des Gasmarktes hat der Energiekonzern E.On Ruhrgas dem Bundeskartellamt mit einer Klage gedroht. Die Forderung der Wettbewerbswächter nach kürzeren Lieferverträgen sei ein erheblicher Eingriff in die Vertragsfreiheit und ein Angriff auf den Vertrauensschutz, sagte Konzernchef Burckhard Bergmann der Zeitung 'Die Welt'. Damit provoziere das Kartellamt eine gerichtliche Auseinandersetzung. Bergmann verteidigte zugleich die Preisbindung des Erdgases an das Erdöl. Dies sei eine angemessenen Methode zur Sicherung des Wettbewerbs. Kartellamtschef Ulf Böge hatte den Energieversorgern vorgeworfen, die Preise durch langfristige Lieferverträge künstlich hochzuhalten. Böge kündigte Gegenmaßnahmen an.

BERLIN: Außenminister Fischer hat eine Koalition mit der Linkspartei nach der Bundestagswahl ausgeschlossen. Eine Regierung mit der Linkspartei würde nicht funktionieren und sei nicht im Interesse des Landes, sagte Fischer. Auch einer Ampelkoalition mit der FPD erteilte Fischer eine Absage. Bei ihrem Wahlparteitag in Berlin hatten sich die Liberalen auf ein Regierungsbündnis mit der Union festgelegt.

BAGDAD: Irakische und amerikanische Soldaten haben ihre Offensive in der als Rebellen-Hochburg geltenden Stadt Tal Afar nahe der Grenze zu Syrien fortgesetzt. Nach offiziellen Angaben wurden bislang mindestens 156 Aufständische getötet und rund 250 gefangen genommen. Ein Sprecher der US-Armee sagte, die Militäraktion werde bis Donnerstag beendet sein. Die Rebellen seien im Südosten Tal Afars isoliert. - Eine Extremistengruppe drohte mit dem Einsatz chemischer Waffen, wenn die Offensive nicht innerhalb von 24 Stunden beendet werde. Die Authentizität der im Internet veröffentlichten Erklärung ist noch unklar.

PEKING: Durch den Taifun 'Khanun' sind an der Ostküste Chinas nach offiziellen Angaben mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 7.000 Häuser zerstört worden. Betroffen ist vor allem die Küstenstadt Taizhou. Auf dem Flughafen von Schanghai wurden am Montag Dutzende von Flügen abgesagt. Die Schulen blieben geschlossen. Der wirtschaftliche Schaden in der Provinz Zhejiang wird auf umgerechnet fast 700 Millionen Euro geschätzt. Wegen der heftigen Regenfälle, die in den kommenden Tagen erwartet werden, warnten die Behörden vor möglichen Erdrutschen. Entlang der Küste waren wegen des Taifuns rund eine Million Menschen in Sicherheit gebracht worden. Mehr als 30.000 Schiffe und Boote suchten schützende Häfen auf.

ZUR BÖRSE: Der Frankfurter Aktienmarkt ist fester in die neue Woche gestartet. Der Deutsche Aktienindex DAX stand vor wenigen Minuten bei rund 5.033 Punkten, fast 30 Punkte höher als bei der Schlussnotierung am Freitag. In Tokio schloss der Nikkei-Index nach dem überraschend hohen Wahlsieg von Ministerpräsident Junichiro Koizumi bei 12.896 Punkten, dem höchsten Stand seit vier Jahren. Der Euro notiert bei einem Dollar 23.

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Im Norden und Nordwesten zunehmend Auflockerungen, sonst noch teils kräftige Regengüsse oder Gewitter. Höchstwerte 18 bis 23 Grad.

 Am Vormittag meldeten:

Hamburg: 15°, stark bewölkt; Berlin: 18°, bedeckt; Dresden: 17°, nach Nieselregen; Köln/Bonn: 16°, Regen; Frankfurt am Main: 17°, leichter Regen und München: 16°, bedeckt.