Episode: Donnerstag, 15. September 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 15.09.2005 um 10:00
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Beschreibung:
  • Zahlreiche Tote bei neuem Bombenanschlag in Bagdad
  • UN-Gipfel-Teilnehmer verurteilen Terrorismus
  • Rebellen in Aceh beginnen mit ihrer Entwaffnung 


BAGDAD: Die Serie von Anschlägen im Irak reißt nicht ab. Im Süden Bagdads wurden bei einem neuen Autobombenanschlag mindestens 20 Menschen getötet, darunter mehrere Polizisten. Nach Angaben der Behörden raste der Attentäter mit seinem sprengstoffbeladenen Auto in eine Kolonne von Polizeifahrzeugen. Erst gestern waren bei etwa einem Dutzend koordinierter Anschläge in der irakischen Hauptstadt mehr als 150 Menschen getötet und hunderte verletzt worden. Die Terrorgruppe 'El Kaida im Irak' bekannte sich zu der blutigen Anschlagsserie am Mittwoch. Es handele sich um Racheakte für die irakisch-amerikanische Militär-Offensive in der Stadt Tal Afar.

NEW YORK: Beim "Weltgipfel" zum 60jährigen Bestehen der Vereinten Nationen haben Staats- und Regierungschefs aus aller Welt einhellig den Terrorismus verurteilt. Dennoch bleiben viele Fragen offen. So konnten sich die mehr als 170 Mitgliedstaaten nicht darauf verständigen, welche Art von Gewalttaten der Begriff des Terrorismus umfasst. UN-Generalsekretär Kofi Annan hatte den Gipfel mit Bedauern über die Widerstände gegen seine Reformpläne eröffnet. Nach einem Jahr wachsender Kritik an den UN rief Annan die Staats- und Regierungschefs in New York auf, durch eine tiefgreifende Reform die Glaubwürdigkeit der Organisation wiederherzustellen, um gemeinsam Armut, Terrorismus und Völkermord bekämpfen zu können.

BANDA ACEH: Rund einen Monat nach dem Friedensschluss für die indonesische Unruheprovinz Aceh haben die Rebellen mit ihrer Entwaffnung begonnen. In einem ersten Schritt übergaben Mitglieder der 'Bewegung Freies Aceh' ihre Waffen an ein internationales Beobachterteam. Die unter finnischer Vermittlung in Helsinki geschlossene Friedensvereinbarung soll den fast 30 Jahre währenden Bürgerkrieg in der Provinz im Norden Sumatras beenden. Im Gegenzug zur Entwaffnung der Rebellen zieht die Zentralregierung in Jakarta etwa die Hälfte ihrer Sicherheitskräfte bis Ende Dezember aus der Provinz ab.

PEKING: In der chinesischen Hauptstadt sind die internationalen Gespräche über Nordkoreas Atomprogramm ohne große Hoffnungen auf einen baldigen Durchbruch in den dritten Tag gegangen. Der amerikanische Unterhändler Christopher Hill lehnte die jüngste Forderung Nordkoreas nach Lieferung eines Leichtwasserreaktors zur Stromproduktion entschieden ab. Er habe aber viel Geduld.

WASHINGTON/NEW ORLEANS: Im amerikanischen Senat ist die Einsetzung einer unabhängigen Kommission zur Untersuchung des Hurrikan- Desasters am Widerstand der Republikaner von Präsident George W. Bush gescheitert. Die demokratische Senatorin Hillary Clinton beklagte, es sei völlig unzumutbar, dass die Regierung nur Kontrollen durch sich selbst zulasse. Im Osten der USA erreichten Vorboten des Hurrikans "Ophelia" mit Sturm und heftigem Regen die Küstenregionen. 

SANTIAGO DE CHILE: Der Oberste Gerichtshof Chiles hat die Aufhebung der Immunität des früheren Diktators Augusto Pinochet bestätigt. Damit kann dem 89-Jährigen im Zusammenhang mit der Ermordung von 119 Oppositionellen im Jahr 1975 der Prozess gemacht werden. Pinochets Regime hatte Mordvorwürfe seinerzeit zurückgewiesen und erklärt, die Dissidenten seien bei Gefechten rivalisierender Gruppierungen getötet worden. Gegen die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs kann keine Berufung eingelegt werden. 

BERLIN: Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) will im Falle eines Wahlsiegs der Unionsparteien die in Deutschland lebenden Ausländer zu stärkerer Eingliederung zwingen. Wer einen zumutbaren Integrationskurs nicht besuchen wolle, müsse mit Sanktionen rechnen, sagte Beckstein der 'Berliner Zeitung'. So sollten das Arbeitslosengeld und die Sozialhilfe um bis zu zehn Prozent gekürzt werden. Beckstein plant zudem ein neues Gesetz, um Ausländer in Sicherheitsgewahrsam nehmen zu können.

KARLSRUHE: Das Bundesverfassungsgericht hat die letzten Klagen kleiner Parteien gegen die vorgezogene Bundestagswahl abgewiesen. Die Parteien seien durch die vorzeitige Parlamentsauflösung nicht in ihren Rechten verletzt worden, heißt es in einem Beschluss der Karlsruher Richter. Die Parteien hatten wegen der verkürzten Zeit eine Absenkung des Unterschriftenquorums für die Wahlzulassung gefordert. Geklagt hatten unter anderem die Republikaner und die Deutsche Zentrumspartei.

HAMBURG: Vor dem Landgericht der Hansestadt wird von diesem Donnerstag an die deutschlandweit erste Sammelklage gegen höhere Gaspreise verhandelt. Insgesamt 52 Hamburger Gaskunden wenden sich gegen zwei Preissteigerungen des Versorgers E.ON Hanse in Höhe von rund zehn beziehungsweise drei Prozent seit Oktober 2004. Die Verbraucher halten die Erhöhung für nicht gerechtfertigt und wollen E.ON Hanse zwingen, die Kalkulation des Gaspreises offenzulegen.

ZUR BÖRSE: Der Frankfurter Aktienmarkt hat den Handel mit leichten Verlusten eröffnet, ist inzwischen aber ins Plus gedreht. Der Index DAX stand vor wenigen Minuten bei rund 4.920 Punkten, knapp zehn Punkte höher als bei der Schlussnotierung am Mittwoch. Die Börse in Tokio schloss auf dem höchsten Stand seit mehr als vier Jahren. Der Nikkei-Index stieg um 153 Punkte auf 12.987 Punkte. Der Euro wurde zuletzt mit einem Dollar 22 notiert. 

LOS ANGELES: Der US-Regisseur und Produzent Robert Wise ist tot. Er starb im Alter von 91 Jahren in Los Angeles an Herzversagen. Wise wurde in seiner mehr als 50 Jahre währenden Karriere viermal mit dem Oscar ausgezeichnet, darunter für die Musical-Klassiker 'West Side Story' und 'The Sound of Music'. 

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Überwiegend bewölkt mit gelegentlichen Schauern, örtlich Auflockerungen. Die Tageshöchstwerte bewegen sich zwischen 16 und 22 Grad.