Episode: Freitag, 16. September 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 16.09.2005 um 10:00
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Beschreibung:
  • Bush kündigt Wiederaufbauprogramm für Hurrikan-Region an
  • Fischer kritisiert Ergebnisse des UN-Gipfels
  • Scharon betont Verantwortung der Palästinenser für den Frieden

NEW ORLEANS: US-Präsident George W. Bush hat eines der weltweit größten Programme zum Wiederaufbau angekündigt, um die Hurrikan-Schäden in den Südstaaten der USA zu beseitigen. Die Regierung werde dabei den Großteil der Kosten für die Instandsetzung der Infrastruktur übernehmen, sagte Bush bei einer Rede an die Nation auf dem Jackson-Platz im weitgehend von der Flut verschont gebliebenen French Quarter in New Orleans. Er kündigte zudem einen Mix aus Steuer-Erleichterungen, Anreizen zur Schaffung von Arbeitsplätzen, Aus- und Weiterbildungshilfen und kostenlosem Bauland aus Staatsbesitz als Unterstützungsmaßnahmen an.

NEW YORK: Die Ergebnisse des "Weltgipfels" zum 60jährigen Bestehen der Vereinten Nationen sind nach Ansicht von Außenminister Joschka Fischer hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Besonders bedauerlich sei aus deutscher Sicht, dass bei den wichtigen Themen Abrüstung und Terrorismusbekämpfung keine Einigung auf konkrete Handlungsanleitungen erzielt worden sei, betonte Fischer in seiner Rede vor Staats- und Regierungschefs aus aller Welt. Fischer rief dazu auf, die Reform der Vereinten Nationen nicht weiter zu vertagen. Dazu gehöre auch eine Neuordnung des Weltsicherheitsrates. Deutschland, Brasilien, Indien und Japan sollten ihr gemeinsames Ziel weiter verfolgen, ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrates zu werden.

NEW YORK: Im Streit um das iranische Atomprogramm zeichnet sich kein Fortschritt ab. Die Europäische Union hofft nach den Worten des britischen Außenministers Jack Straw jedoch darauf, den UN-Sicherheitsrat aus dem Streit heraushalten zu können. Ob dies gelinge, hänge von den neuen Vorschlägen ab, die Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad für diesen Samstag angekündigt habe, sagte der Minister in New York. Straw, sein französischer Kollege Philippe Douste-Blazy und Außenminister Joschka Fischer hatten sich mit dem iranischen Präsidenten am Rande des UN-Gipfels zu einem kurzfristig angesetzten Gespräch getroffen.

BAGDAD: Eine Gruppe bewaffneter Männer hat in Bagdad aus einem fahrenden Auto heraus eine Menschenmenge beschossen und dabei mindestens drei Menschen getötet. Zahlreiche weitere wurden bei dem Überfall verletzt, wie die irakische Polizei mitteilte. Am Mittwoch und Donnerstag waren bei Selbstmordanschlägen in Bagdad insgesamt fast 200 Menschen getötet worden. Hunderte wurden verletzt. Nach der blutigen Anschlagsserie sagte die irakische Regierung der Terror- Gruppe um Abu Mussab el Sarkawi den Kampf an. Auch die US-Armee erklärte, sie werde alles dafür tun, um den jordanischen Extremisten aufzuspüren. Seine Organisation 'El Kaida im Irak' hatte sich zu den Anschlägen der vergangenen Tage bekannt. Iraks Präsident Dschalal Talabani bat die Vereinten Nationen um Unterstützung. Sein Land erlebe derzeit eine der brutalsten Terrorkampagnen.

NEW YORK: Israels Regierungschef Ariel Scharon hat in einer Rede vor der UN-Vollversammlung die Verantwortung der Palästinenser für den weiteren Friedensprozess im Nahen Osten betont. Die Palästinenser- Regierung stehe nach dem Abzug Israels aus dem Gazastreifen vor ihrer härtesten Prüfung. Sie müsse dem Terror ein Ende bereiten und die Anarchie stoppen. In einer ersten Reaktion auf Scharons Rede sagte der Verhandlungsführer der Palästinenser, Saeb Erekat, für eine Lösung der Probleme sei ein vollständiger israelischer Abzug aus allen besetzten Gebieten notwendig.

PEKING: Auch die jüngste Verhandlungsrunde über ein Ende des nord- koreanischen Atomprogramms droht zu scheitern. Während Gastgeber China am vierten Tag der Sechs-Nationen-Gespräche in Peking nochmals zwischen den Hauptkontrahenten Nordkorea und USA vermittelte, hieß es von japanischer Seite, es gebe keine Aussichten auf eine Einigung. Hauptstreitpunkt ist Nordkoreas Forderung, die Lieferung eines Leichtwasser-Reaktors in das Paket zur Entschädigung für eine eventuelle Aufgabe des Atomprogramms aufzunehmen. In einem Interview mit der 'New York Post' drohte US-Außenministerin Condoleezza Rice Nordkorea mit dem Einfrieren von Vermögenswerten, die nach Ansicht der USA mit Waffenhandel in Verbindung stehen.

BERLIN: Der Bundestagswahlkampf geht in seine Schlussphase. SPD, CDU, Grüne und Linkspartei haben für diesen Freitag zu zentralen Abschlusskundgebungen mit ihren Spitzenpolitikern nach Berlin eingeladen. Die CSU rief ihre Anhänger nach München, die FDP ihr Publikum nach Wiesbaden. Anders als bei bisherigen Wahlkämpfen wird es aber auch am Wochenende weitere Veranstaltungen geben. Bundeskanzler Gerhard Schröder hält trotz eines von Demoskopen vorausgesagten knappen Wahlsiegs von Union und FDP den Ausgang der Bundestagswahl weiterhin für offen. Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel schloss eine große Koalition erneut aus.

HANNOVER: Als Vorbeugemaßnahme gegen ein mögliches Übergreifen der Vogelgrippe haben Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern die Stallpflicht für Gefügel umgesetzt. Ein Sprecher des niedersächsischen Verbraucherschutzministeriums sagte, die Maßnahme werde bis zum Ende der Zugvögel-Saison am 30. November gelten. In bestimmten Regionen dürfen danach Hühner, Enten und Gänse nur noch in Ställen gehalten werden. Zugvögel stehen in Verdacht, die in Teilen Asiens und Russlands grassierende Vogelgrippe bis nach Westeuropa übertragen zu können.

ZUR BÖRSE: Der Frankfurter Aktienmarkt hat fester eröffnet. Der Deutsche Aktienindex DAX stand vor wenigen Minuten bei rund 4.920 Punkten, gut 20 Punkte höher als bei der Schlussnotierung am Donnerstag. An der Börse in Tokio gab der Nikkei-Index um 28 auf 12.959 Punkte nach. Der Euro notiert bei einem Dollar 22.

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Überall regnerisch, nur im Nordwesten und äußersten Südosten einige Aufheiterungen. Höchstwerte im Norden 12 bis 16, im Süden 20 bis 24 Grad.