Episode: Sonntag, 18. September 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 18.09.2005 um 10:00
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Beschreibung:
  •  Deutschland wählt neuen Bundestag
  •  Iran warnt vor Eskalation im Atom-Streit
  •  Anschläge bei Parlamentswahl in Afghanistan

BERLIN: In Deutschland hat die vorgezogene Bundestagswahl begonnen. Rund 62 Millionen Bürger können ein neues Parlament wählen und so auch darüber mitentscheiden, ob erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik eine Frau Regierungschefin wird. Umfragen sagen ein knappes Wahlergebnis voraus. Während Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel eine Koalition mit der FDP anstrebt, will Kanzler Gerhard Schröder seine Politik im Bündnis der SPD mit den Grünen fortsetzen. 299 der 598 Abgeordneten des Parlaments werden in den Wahlkreisen direkt bestimmt, die übrigen ziehen über die Landeslisten der Parteien in den 16. Deutschen Bundestag ein. Die Gesamtzahl der Abgeordneten dürfte sich aber durch einige Überhangmandate noch erhöhen. In einem Wahlkreis in Dresden darf wegen des Todes der dortigen NPD-Kandidatin erst am 2. Oktober gewählt werden.

TEHERAN/NEW YORK: Der Iran hat vor einer Eskalation im Konflikt um sein Atomprogramm gewarnt, sollte die Internationale Atomenergie- behörde (IAEO) den Streitfall kommende Woche an den Welt- sicherheitsrat verweisen. In der jüngsten Erklärung des iranischen Außenministeriums wird die Atomenergie- behörde aufgefordert, "nicht vorschnell, einseitig und auf extreme Art zu handeln". Der Gouverneursrat der Wiener Behörde tritt am Montag zusammen. --- Als Reaktion auf die Rede des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmedinedschad vor der UN-Vollversammlung hatte sich auch die EU dafür ausgesprochen, den UN-Sicherheitsrat mit der Atomfrage zu befassen. Ahmedinedschad hatte bekräftigt, dass der Iran an der Uran-Anreicherung festhalten werde.

KABUL: Überschattet von Anschlägen und Überfällen haben in Afghanistan die Parlamentswahlen begonnen. Das US-Militär berichtete von zahlreichen Angriffen vor allem in den Provinzen im Süden und Osten, wo Taliban-Rebellen versuchten, die Abstimmungen zu verhindern. Präsident Hamid Karsai sagte bei der Stimmabgabe, die Afghanen schrieben an diesem Tag Geschichte. Zur Wahl stehen in der ersten Abstimmung dieser Art seit 36 Jahren knapp 2.800 Kandidaten, rund 330 davon sind Frauen. Die Kandidaten treten formal als Unabhängige an, weil es keine Listenverbindungen gibt. --- In Kabul schlugen erstmals seit Wochen wieder Raketen ein. In der südlichen Grenzregion Spin Boldak wurde ein französischer Soldat einer Spezialeinheit durch eine Bombenexplosion getötet.

PEKING: Die Sechs-Nationen-Gespräche über das Atomprogramm Nordkoreas sind zunächst bis Montag verlängert worden. Aus der chinesischen Delegation verlautete, die Unterhändler hätten sich nach zweimaligen kurzen Plenumssitzungen in Peking noch einmal vertagt. Zuvor war berichtet worden, die Verhandlungen stünden vor dem Scheitern. --- Nach russischen Angaben sieht ein mehrfach überarbeiteter Kompromissvorschlag Chinas vor, dem kommunistischen Nordkorea bei einem Verzicht auf seine Atomwaffen die friedliche Nutzung von Atomenergie zu erlauben und den Bau eines Leicht- wasserreaktors in Aussicht zu stellen. Die USA und Japan hatten derartige Pläne immer abgelehnt.

NEW ORLEANS: Der Bürgermeister der überfluteten amerikanischen Mississippi-Metropole New Orleans, Ray Nagin, hat seine Pläne verteidigt, innerhalb von zehn Tagen bis zu 180.000 Bewohner zurückkehren zu lassen. Man müsse den Menschen eine Perspektive zu einem Neuanfang bieten, sagte Nagin. Die Bezirke French Quarter, Garden District und Algiers könnten freigegeben werden. Neben den Gesundheitsbehörden blieb auch der für den Katastrophenschutz zuständige Vizeadmiral Thad Allan skeptisch. Nagins Vorhaben sei "extrem ehrgeizig", aber auch "extrem problematisch", sagte Allan und warnte vor einer "übereilten Heimkehr". Etwa 40 Prozent des Stadtgebiets stehen noch unter Wassermassen, die zum Teil verseucht sind.

BAGDAD: Bei einer Autobomben-Explosion in einem Vorort von Bagdad sind am Samstagabend mindestens 30 Menschen getötet worden. Knapp 40 Menschen erlitten Verletzungen. Der ferngezündete Sprengsatz detonierte auf einem Marktplatz in dem überwiegend von Schiiten bewohnten Ort Nahrawan. In der Nacht zum Sonntag erschossen Unbekannte einen kurdischen Parlamentsabgeordneten und zwei seiner Leibwächter. Bei dem Überfall in Muschahadah nördlich von Bagdad sei ein weiterer kurdischer Abgeordneter verletzt worden, teilte das Innenministerium mit.

NEW YORK: Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hat den Ausschluss der radikal-islamischen Hamas von der für Januar geplanten Parlamentswahl der Palästinenser gefordert. Anderenfalls werde Israel die Abstimmung nicht unterstützen, und ohne diese Unterstützung könne die Wahl nicht stattfinden, berichtet die Zeitung 'New York Times' unter Berufung auf Äußerungen Scharons vor Journalisten.

MÜNCHEN: In der bayerischen Landeshauptstadt hat am Samstag um Punkt 12.00 Uhr das Oktoberfest begonnen. Oberbürgermeister Christian Ude eröffnete die 172. Wiesn und zapfte mit zwei Schlägen das erste Fass Festbier an.--Trotz kalten Regenwetters drängten sich zum Auftakt Hunderttausende Besucher auf dem Festgelände auf der Theresienwiese. Auf dem größten Volksfest der Welt, das bis zum 3. Oktober dauert, werden insgesamt sechs Millionen Gäste erwartet.--Die Maß Bier ist wieder teurer geworden und kostet um die sieben Euro 25.

FRANKFURT AM MAIN: Die 61. Internationale Automobilausstellung IAA hat ihre Tore für das breite Publikum geöffnet. Nachdem bislang nur Journalisten und Fachbesucher Zutritt hatten, können nun alle Autofans die 60 Pkw-Weltpremieren begutachten. Eine Woche lang präsentieren sich rund 1.000 Autohersteller und Zulieferer aus 44 Ländern. Nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) kamen im Laufe des Tages mehr als 100.000 Besucher zur weltgrößten Automesse.

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Nach Nebelauflösung ist es zunächst recht kühl, dann aber weitgehend freundlich. Höchstwerte zwischen 14 und 21 Grad.

Am Vormittag meldeten:

Berlin:    10°, wolkenlos; Hamburg:    9°, leicht bewölkt; Dresden: 6°, neblig; Köln/Bonn: 6°, wolkenlos; Frankfurt am Main: 9°, wolkenlos und München: 8°, bedeckt.