Episode: Dienstag, 20. September 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 20.09.2005 um 10:00
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Beschreibung:
  • Nazi-Jäger Wiesenthal gestorben
  • Union und SPD beharren auf Führung der Regierung
  • Neuer Wirbelsturm bedroht Süden der USA 

LOS ANGELES: Der als 'Nazi-Jäger' bekannt gewordende Holocaust- Überlebende Simon Wiesenthal ist tot. Wie das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Los Angeles bestätigte, starb er im Alter von 96 Jahren in der österreichischen Hauptstadt Wien. Wiesenthal hatte entscheidend Anteil an der Ergreifung des SS-Offiziers Adolf Eichmann 1960 in Argentinien. Eichmann, der in Israel hingerichtet wurde, hatte den Völkermord an den Juden maßgeblich organisiert. Zu seinen Erfolgen zählte Wiesenthal auch die Festnahme des Kommandanten des Konzentrationslagers Treblinka. Insgesamt konnten nach Wiesenthals Einschätzung 1100 Nazis von ihm enttarnt und vor Gericht gestellt werden.
 
BERLIN: Nach dem knappen Ergebnis der Bundestagswahl vom Sonntag zeichnet sich bei der Regierungsbildung eine womöglich wochenlange Hängepartie ab. Sowohl Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel als auch Bundeskanzler Gerhard Schröder beharren auf ihrem Anspruch, eine neue Regierung zu führen. SPD und Union kündigten nach Sitzungen ihrer Führungsgremien Gespräche mit allen Parteien außer der Linkspartei an. Mehrere Unionspolitiker brachten eine Dreier-Koalition mit FDP und Grünen ins Gespräch. Die Grünen reagierten skeptisch. Die FDP lehnte zugleich ein Gesprächsangebot der Sozialdemokraten ab.

BERLIN: Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel stellt sich an diesem Dienstag in der neuen Bundestagsfraktion von CDU und CSU zur Wiederwahl als Vorsitzende. Nach Angaben aus der CDU-Spitze soll die Parteivorsitzende mit einer Bestätigung als Fraktionschefin neuen Rückhalt für die anstehenden schwierigen Verhandlungen über eine Regierungsbildung erhalten. Gegenkandidaten gibt es nicht. - Auch die SPD-Fraktion kommt zu ihrer ersten Sitzung nach der Wahl zusammen und bestimmt einen Vorsitzenden. Die Wiederwahl von Amtsinhaber Franz Müntefering, der auch SPD-Chef ist, gilt als sicher.
 
PJÖNGJANG: Nordkorea hat die erst am Montag erzielte Einigung über die Beendigung seines Atomprogramms wieder in Frage gestellt. Vor einem Verzicht auf Atomwaffen müssten die USA zunächst Leichtwasser-Reaktoren zur Energieerzeugung liefern, hieß es aus Pjöngjang. Die USA sprachen von einem Bruch der Atomvereinbarung. Auch die japanische Regierung erklärte, diese neue Forderung Nordkoreas sei unannehmbar. China rief alle Parteien der Sechs-Länder-Verhandlungen auf, ihre Verpflichtungen einzuhalten. Die Volksrepublik hatte bei den Sechser-Gesprächen in Peking das Einigungspapier erarbeitet.

WIEN: Vertreter der Europäischen Union haben im Atomstreit mit dem Iran nach Angaben von Diplomaten bei der Internationalen Atomenergiebehörde den Entwurf einer Resolution vorgelegt, die den Fall vor den UN-Sicherheitsrat bringen würde. Die Entschließung sehe vor, den Sicherheitsrat darüber zu informieren, dass der Iran seine Verpflichtungen im Rahmen des Atomwaffen-Sperrvertrags nicht eingehalten habe, hieß es in Wien. Der Sicherheitsrat könnte Sanktionen gegen den Iran verhängen. 

BRÜSSEL: Die EU hat sich zwei Wochen vor Beginn der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei auf einen Kompromiss in der Zypern-Frage geeinigt. Die Botschafter der 25 EU-Staaten forderten in einer in Brüssel veröffentlichten Erklärung, die Türkei müsse Zypern noch während der Beitrittsgespräche völkerrechtlich anerkennen. Die Türkei weigert sich bislang, das EU-Mitglied Zypern anzuerkennen. Hintergrund des Streits ist die Teilung der Mittelmeerinsel. Die Regierung in Ankara erkennt nur die türkische Republik Nordzypern an.

MIAMI: Drei Wochen nach dem verheerenden Hurrikan 'Katrina' braut sich vor der US-Küste ein neuer gefährlicher Wirbelsturm zusammen. Nach Auffassung der US-Behörden könnte der Tropensturm 'Rita' in den warmen Küstengewässern noch weiter an Kraft gewinnen. Er bedroht außer Florida auch das Katastrophengebiet von New Orleans und die Küste von Texas. Der Bürgermeister von New Orleans, Ray Nagin, widerrief angesichts des Tropensturms frühere Entscheidungen. Er erklärte, bereits nach New Orleans zurückgekehrte Bürger müssten die Stadt umgehend wieder verlassen. 

TASCHKENT: Vier Monate nach der blutigen Niederschlagung von Demonstrationen in Usbekistan müssen sich 15 Angeklagte vor dem Obersten Gericht in Taschkent verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den Demonstranten vor, einen - so wörtlich - islamistischen Aufstand gestartet zu haben. Was Mitte Mai in der ostusbekischen Stadt Andischan tatsächlich geschah, ist bislang unklar. Sicher ist aber, dass Sicherheitskräfte wahllos in eine Kundgebung schossen. Nach amtlichen Angaben starben 187 Menschen. Menschenrechtsgruppen sprechen dagegen von 500 bis 1000 Toten.

NEW YORK: Das Terrornetzwerk El Kaida hat nach Erkenntnissen von UN-Experten im Irak Trainingslager aufgebaut. Aus allen Teilen der Welt reisten Kämpfer an, um Fähigkeiten im Häuserkampf, zum Bau von Bomben und zur Ausführung von Anschlägen zu erwerben, heißt es in einem Experten-Bericht für den Weltsicherheitsrat. Das im Irak herrschende Chaos erhöhe die Gefahr künftiger Anschläge beträchtlich. Unterdessen hat sich El Kaida in einem Videoband erneut zu den Anschlägen im Juli in London bekannt.

ZUR BÖRSE: Der Aktienmarkt hat gut erholt eröffnet. Der Index DAX stand vor wenigen Minuten bei 4.961 Punkten, einem Plus von 34 Punkten. An der Börse in Tokio legte der Nikkei deutlich um 189 auf 13.148 Punkte zu. Damit überschritt der Leitindex erstmals seit vier Jahren die 13.000-er-Marke. - Der Euro notiert in Frankfurt bei einem US-Dollar 21-50.

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Vielfach sonnig. Im Nordosten und von  Niederbayerrn bis zum Alpenrand und zum Hochrhein gebietsweise dichte Wolken. Tagestemperaturen 16 bis 21 Grad Celsius.