Episode: Montag, 19. September 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 19.09.2005 um 10:00
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Beschreibung:
  • Keine klare Regierungsmehrheit nach Bundestagswahl
  • Post übernimmt britischen Konzern Exel
  • Nordkorea sagt Verzicht auf Atomwaffen zu

BERLIN: Die vorgezogene Bundestagswahl hat keine klaren Mehrheiten gebracht. CDU und CSU kommen nach dem vorläufigen Endergebnis auf 35,2 Prozent und 225 Sitze; die SPD auf 34,3 Prozent und 222 Sitze. Drittstärkste Kraft wurde die FDP mit 9,8 Prozent und 61 Sitzen. Die Grünen kommen auf 8,1 Prozent der Stimmen und 51 Sitze, drei Sitze weniger als die Linkspartei, die auf 8,7 Prozent kommt. Der Nachwahl im Dresdner Wahlkreis Eins in zwei Wochen kommt damit eine gewisse Bedeutung zu. Kanzler Gerhard Schröder wie auch Unions- Kanzlerkandidatin Angela Merkel meldeten den Anspruch an, die nächste Regierung zu bilden. Die Parteigremien beraten inzwischen über die möglichen Koalitionsbildungen. Ausgeschlossen wurden von CDU/CSU und SPD Gespräche mit der Linkspartei. Ansonsten sind alle Bündnisse rechnerisch möglich: eine Große Koalition, eine Ampel-Koalition aus SPD, FDP und Grünen, sowie eine Koalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen, die inzwischen den Namen Jamaika-Koalition erhielt. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 78 Prozent.

PARIS/ROM: Nach der Bundestagswahl und der noch völlig offenen Regierungsbildung hält sich das Ausland mit offiziellen Stellungnahmen bislang weitgehend zurück. Die französische Europaministerin Catherine Colonna betonte, Frankreich werde unabhängig vom Ausgang möglicher Koalitionsverhandlungen mit jeder Bundesregierung zusammenarbeiten. Italiens Außenminister Gianfranco Fini sagte, die Wahl ergebe ein Bild der Instabilität, das Deutschland nicht helfen werde. Ähnlich lautet der durchgängige Tenor in der ausländischen Tagespresse. Der Euro sackte nach der Wahl in der größten Volkswirtschaft auf den tiefsten Stand seit einem Monat.

BERLIN: Mit Enttäuschung hat die deutsche Wirtschaft auf den Ausgang der Bundestagswahl reagiert. Führende Verbände forderten eine Fortsetzung der Reformpolitik, äußerten aber auch die Sorge vor mehr Unsicherheit angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse. Aus Sicht der Industrie und Wirtschaft sei er bitter enttäuscht, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Jürgen Thumann. Eine große Koalition würde nur auf einen sehr kleinen gemeinsamen Nenner kommen. Deutschland werde schwieriger zu regieren sein. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Martin Wansleben, forderte eine 'Koalition der Vernunft'.--Der Präsident des Bundesverbandes des deutschen Groß- und Außenhandels, Anton Börner, bedauerte, dass die Bundestagswahl keine Richtungsentscheidung gebracht habe.

BERLIN: Die Deutsche Post will den britischen Logistik-Konzern Exel übernehmen. Man habe ein Angebot über 5,5 Milliarden Euro abgegeben, sagte ein Post-Sprecher. Der Großteil des Geldes solle in bar bezahlt werden, der Rest durch die Ausgabe eigener Aktien. Um das Geld aufzutreiben, plane man eine Kapitalerhöhung. Es wäre die bislang größte Auslandsinvestition der Post, noch vor der Übernahme von DHL vor einigen Jahren. Die Post würde zudem mit dann knapp 500.000 Mitarbeitern der größte deutsche Arbeitgeber.

PEKING: Bei den Sechs-Nationen-Gesprächen in China hat Nordkorea doch noch im Prinzip zugestimmt, auf alle Atomprogramme zu verzichten. In einer gemeinsamen Erklärung stellt der kommunistische Staat außerdem in Aussicht, zum Atomwaffensperrvertrag zurück- zukehren und wieder internationale Inspektionen zu erlauben. Der chinesische Vizeaußenminister Wu Dawei bewertete die Erklärung von Peking als wichtigstes Ergebnis der insgesamt zweijährigen Verhandlungen. Nordkorea soll im Gegenzug Sicherheitsgarantien, Wirtschaftshilfe sowie Energielieferungen erhalten. Eine fünfte Runde der internationalen Gespräche soll Anfang November stattfinden.

WIEN: Der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) kommt an diesem Montag zusammen und soll vor allem darüber beraten, ob der Atomstreit mit dem Iran vor den Weltsicherheitsrat gebracht wird. Nach den USA drängt jetzt auch die Europäische Union darauf, dass die Islamische Republik sich wegen ihres umstrittenen Kernkraftprogrammes vor den Vereinten Nationen verantworten soll. Die iranische Führung hält den Protesten zum Trotz an ihren Aktivitäten zur Urananreicherung fest.

KABUL/BRÜSSEL: Die Vereinten Nationen und westliche Regierungen haben die erste Parlamentswahl in Afghanistan seit mehr als 30 Jahren als weiteren Schritt zur Demokratisierung begrüßt. Auch NATO- Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer lobte, Millionen Männer und Frauen hätten mutig die Chance ergriffen und in freier Abstimmung ihre politischen Führer bestimmt. Bei Überfällen und Anschlägen radikal-islamischer Taliban auf Kandidaten, Wahllokale oder Sicherheitskräfte waren am Sonntag mindestens elf Menschen getötet worden. Doch verlief die Abstimmung laut Beobachtern insgesamt friedlicher als erwartet.

NEW YORK: Israels Ministerpräsident Ariel Scharon will bei einem Treffen mit Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas Anfang Oktober erneut auf eine Entwaffnung der Hamas dringen. Nur wenn die radikal-islamische Organisation ihre Waffen abgebe, dürfe sie an den für Januar geplanten Palästinenser-Wahlen teilnehmen, sagte Scharon in New York. In Gaza-Stadt gingen rund 10.000 Mitglieder der Hamas auf die Straßen und bekräftigten ihre Entschlossenheit, den Kampf gegen Israel weiterzuführen.

BAGDAD: Das irakische Parlament hat den Entwurf für die neue Verfassung den Vereinten Nationen übergeben. Die UN wollen nun fünf Millionen Kopien machen und diese vor dem Verfassungsreferendum am 15. Oktober an die Bevölkerung verteilen. Sollten bei der Volksabstimmung zwei Drittel der Iraker der Verfassung zustimmen, wird es im Dezember erneut Parlamentswahlen geben.

ZUR BÖRSE: Der unklare Wahlausgang belastet den deutschen Aktienmarkt. Der DAX fiel zu Börsenbeginn um 80 auf rund 4.905 Punkte. Der Euro wird mit einem Dollar 21 gehandelt.

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Überwiegend sonnig bis leicht bewölkt und trocken. Tagestemperaturen zwischen 14 und 21 Grad.