Episode: Mittwoch, 21. September 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 21.09.2005 um 10:00
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Beschreibung:
  • Diskussion um mögliche Koalitionen geht weiter
  • Bundeskabinett berät über Ausweitung des Afghanistan-Einsatzes
  • Japanischer Ministerpräsident Koizumi wiedergewählt

BERLIN: Auch drei Tage nach der Bundestagswahl geht die Debatte um mögliche Koalitionen weiter. So machte sich der ehemalige CDU-Chef Wolfgang Schäuble für ein Bündnis der Union mit FDP und Grünen stark. Es gebe genügend Gemeinsamkeiten, so Schäuble in mehreren Interviews. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Fraktion, Norbert Röttgen, sprach sich für ernsthafte Verhandlungen über ein solche Koalition aus. Hingegen riefen führende SPD-Politiker wie Innenminister Otto Schily und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck die FDP auf, ihre Ablehnung einer Koalition mit Sozialdemokraten und Grünen zu überdenken. An diesem Mittwoch wollen Vertreter von SPD und Grünen zu ersten Sondierungen über das weitere Vorgehen zusammenkommen.

BERLIN: Nach 20 Jahren als Führungsfigur der Grünen hat Außenminister Joschka Fischer seinen Rückzug aus der ersten politischen Reihe angekündigt. Er stehe im Oppositionsfalle weder als Fraktionschef der Grünen noch für ein Parteiamt zur Verfügung, sagte Fischer in Berlin. Mit dem Ende von Rot-Grün stünden die Grünen vor einem Neubeginn, erklärte der 57-jährige. Für ihn selbst gehe ein Lebensabschnitt zu Ende, so Fischer.

BERLIN: Die noch amtierende rot-grüne Bundesregierung hat Beratungen über die Verlängerung der Bundeswehreinsätze in Afghanistan und im Sudan begonnen. Verteidigungsminister Peter Struck will das Kontingent für die Internationale Schutztruppe in Afghanistan von 2.250 auf 3.000 Soldaten aufstocken und das Einsatzgebiet ausdehnen. Das Mandat soll um ein Jahr verlängert werden. Ferner soll der Einsatz von bis zu 75 Militärbeobachtern für die UN-Mission im Süden Sudans um sechs Monate verlängert werden.

NEW YORK: Im Streit um das iranische Atomprogramm hat Deutschland die Regierung in Teheran vor einseitigen Maßnahmen gewarnt. Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Klaus Scharioth, appellierte vor der UN-Vollversammlung an den Iran, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Zuvor hatte der Iran mit einem Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag gedroht, falls die EU in dem Streit den Weltsicherheitsrat einschalten sollte.

TOKIO: Zehn Tage nach dem überwältigenden Wahlerfolg seiner Liberal- demokratischen Partei ist der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi wiedergewählt worden. Zum Auftakt der Sonder- sitzung des Parlaments in Tokio galt als sicher, dass Koizumi alle seine Minister in ihrem Amt belassen wird. Der Regierungschef will das Herzstück seiner Wirtschaftsreformen, die Privatisierung der Post, erneut im Parlament einbringen. JAKARTA: Indonesien hat nach dem mindestens vierten Todesfall durch die Vogelgrippe seine Maßnahmen verschärft, um die Krankheit einzudämmen. Die Regierung warnt inzwischen vor einer Epidemie. Landwirtschaftsminister Anton Apriyantono gab bekannt, in Gebieten, in denen das Virus besonders häufig aufgetreten sei, werde Geflügel vorsorglich in Massen geschlachtet. JAKARTA: Ein indonesisches Kriegsschiff hat vor der Insel Papua vier chinesische Fischerboote beschossen, die illegal Netze ausgeworfen haben sollen. Ein chinesischer Seemann sei getötet worden, zwei weitere hätten Verletzungen erlitten, teilte ein Sprecher der indonesischen Marine mit. Die Fischerboote hätten nicht auf Funksprüche und andere Signale reagiert.

NEW YORK: Nach dem Rückzug Israels aus dem Gazastreifen verstärkt das so genannte Nahost-Quartett den Druck auf die Palästinenser. Die Autonomie-Behörde müsse für Ruhe und Ordnung sorgen, Milizen entwaffnen und entschieden gegen den Terrorismus vorgehen, heißt es in einer in New York veröffentlichten Erklärung des Quartetts. Außerdem sollten Israelis und Palästinenser ihre gegenseitigen Kontakte auf allen Ebenen verstärken. Dem Nahost-Quartett gehören die Vereinten Nationen, die USA, die Europäische Union und Russland an.

JERUSALEM: Der Abzug der israelischen Armee aus den geräumten Siedlungen im nördlichen Westjordanland ist abgeschlossen. Das bestätigte ein Militärsprecher. Tausende Palästinenser feierten den Abzug mit Freudenschüssen. Neben allen 21 jüdischen Siedlungen im Gazastreifen hatte Israel auch vier kleinere isolierte Siedlungen im Westjordanland aufgegeben.

MIAMI/HAVANNA: Der herannahende Hurrikan "Rita" verbreitet im Süden der USA und in der Karibik Angst und Schrecken. Auf Kuba sind 130.000 Menschen in Sicherheit gebracht worden. Ausläufer fegten mit heftigen Böen und Regenfällen über die Inselkette Florida Keys hinweg. Nach Angaben des US-Hurrikan-Zentrums nimmt der Wirbelsturm derzeit Kurs auf die Küste des Bundesstaates Texas, wo in der Stadt Galveston die Evakuierung eingeleitet wurde. Gefährdet sind auch wieder Louisiana und die Mississippi-Metropole New Orleans.

FULDA: Die katholischen Bischofskonferenzen Deutschlands und Polens haben ihren Willen zur Versöhnung und Freundschaft zwischen beiden Ländern bekräftigt. In einer am Rande der Herbsttagung der deutschen Bischöfe in Fulda unterzeichneten gemeinsamen Erklärung heißt es, Deutsche und Polen dürften ihre geistigen und materiellen Kräfte niemals wieder gegeneinander richten.

ZUR BÖRSE: Der deutsche Aktienmarkt ist mit Verlusten in den Handelstag gestartet. Der Index DAX stand vor wenigen Minuten bei 4.920 Punkten, einem Minus von 40 Punkten. Die japanische Börse in Tokio hat ihren Höhenflug fortgesetzt. Der Nikkei-Index verbesserte sich um 48 auf 13.196 Punkte. Die Notierung des Euros bewegt sich um die Marke von einem US-Dollar 22.

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Verbreitet sonnig. Im Nordosten, am bayerischen Alpenrand und anfangs im Norden stellenweise bewölkt. Tagestemperaturen 17 bis 22 Grad Celsius.

Am Morgen meldeten:

Hamburg: 7 Grad, nach Nebel; Berlin: 13 Grad, stark bewölkt; Dresden und Köln/Bonn: 6 Grad, fast wolkenlos; Frankfurt am Main: 7 Grad, fast wolkenlos und München: 7 Grad, leicht bewölkt.