Episode: Donnerstag, 22. September 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 22.09.2005 um 10:00
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Beschreibung:
  • Union und SPD sondieren Koalitions-Möglichkeiten
  • Bush ruft Notstand in Texas und Louisiana aus
  • Irak bittet um Fortsetzung der Aufbauhilfen


BERLIN: Die Spitzen der Unionsparteien kommen an diesem Donnerstag zu Sondierungsrunden mit der FDP und den Sozialdemokraten zusammen. Bei dem Treffen mit der FDP-Führung werden die Chancen für eine Regierung aus Union, Liberalen und Grünen - die so genannte Jamaika-Koalition - im Mittelpunkt stehen. Das anschließende Gespräch der Unionsführung mit der SPD soll die Chancen für eine große Koalition ausloten. Allerdings reklamieren sowohl Kanzler Gerhard Schröder als auch Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel den Posten des Regierungschefs für sich. - Unterdessen wächst die Skepsis vor allem bei Politikern der Union und der Grünen, was eine mögliche Jamaika-Koalition angeht. Dagegen verwiesen FDP-Vertreter wie Vize-Parteichef Rainer Brüderle auf Gemeinsamkeiten von Schwarz-Gelb-Grün, etwa in der Steuer- und Finanzpolitik.


BERLIN: Die SPD will sich durch eine Änderung der Geschäftsordnung des Bundestages vor der Union zur größten Fraktion machen. Der  stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Gernot Erler bestätigte inzwischen einen entsprechenden Bericht der 'Süddeutschen Zeitung'.  Danach zielt die Änderung darauf ab, die bisherige Fraktionsgemeinschaft von CDU und CSU zu sprengen. Dadurch könnten die Sozialdemokraten ihren Anspruch untermauern, auch künftig den Kanzler zu stellen. Die Unionsfraktion verfügt - nach derzeitigem Stand - im neuen Bundestag über drei Sitze mehr als die SPD. - CDU und CSU reagierten mit Empörung auf die Absicht der Sozialdemokraten. Die SPD offenbare damit einen Mangel an demokratischer Kultur, sagte etwa der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Wolfgang Schäuble. Kritik kam auch von der Linkspartei.

BERLIN: In der FDP verschärft sich Medienberichten zufolge der Machtkampf zwischen dem Parteivorsitzenden Guido Westerwelle und Fraktionschef Wolfgang Gerhardt. Die beiden Politiker hätten sich bei einem Gespräch nicht einigen können, wer künftig die Bundestagsfraktion führen solle, schreibt die 'Berliner Zeitung'. Nach dem guten Abschneiden der FDP bei der Bundestagswahl will Westerwelle auch der Fraktion vorstehen. Laut 'Focus-Online' soll sich das Präsidium der Liberalen an diesem Donnerstag auch mit der politischen Zukunft Gerhardts beschäftigen. - Westerwelle hatte Gerhardt Anfang 2001 bereits vom Amt des FDP-Vorsitzenden verdrängt.

WASHINGTON: Wegen des herannahenden Hurrikans 'Rita' hat US- Präsident George W. Bush für die Bundesstaaten Texas und Louisiana vorsorglich den Notstand ausgerufen. Zugleich appellierte er an die Bevölkerung in den bedrohten Gebieten, sich in Sicherheit zu bringen. Für New Orleans, das erneut getroffen werden könnte, und das texanische Galveston sowie Teile der Großstadt Houston wurde die Zwangsevakuierung angeordnet. Wie das Nationale Hurrikan-Zentrum mitteilte, hat sich 'Rita' mittlerweile zum drittstärksten jemals beobachteten Hurrikan entwickelt. Gemessen wurden Spitzen-Windgeschwindigkeiten von 265 Stundenkilometern.

WIEN: Im Streit über das iranische Atomprogramm hat die Europäische Union die Abstimmung über eine Resolution vertagt. Mit der Entschließung sollte die Internationale Atomenergiebehörde jahrelange Verstöße Irans gegen den Atomwaffensperrvertrag an den Weltsicherheitsrat melden. Auch die USA hatten die Atomenergiebehörde aufgefordert, den Fall sofort an den Weltsicherheitsrat weiterzuleiten.

NEW YORK: Der Irak hat die internationale Gemeinschaft aufgefordert, trotz aller Widrigkeiten den Wiederaufbau des Landes weiter zu unterstützen. Die Staatengemeinschaft dürfe sich nicht von dem Aufstand radikaler Sunniten und innenpolitischem Streit zwischen den irakischen Bevölkerungsgruppen abschrecken lassen, sagte Außenminister Hoschijar Sebari vor dem Weltsicherheitsrat in New York. Neben Entwicklungshilfe sei der Ausbau der diplomatischen Beziehungen und die Unterstützung in Sicherheitsfragen durch ausländische Truppen von Bedeutung.

BISCHKEK: Ein Abgeordneter des kirgisischen Parlaments ist auf offener Straße ermordet worden. Eine Gruppe Bewaffneter habe den wohlhabenden Geschäftsmann Bajaman Erkinbajew bei dessen Heimkehr erschossen, teilte das Innenministerium mit. Vor fünf Monaten war Erkinbajew einem Mordanschlag noch knapp entgangen. Der Politiker hatte seit zehn Jahren einen Sitz im Parlament. Seine Anhänger waren maßgeblich an den Protesten beteiligt, die Ende März zum Rücktritt des langjährigen Präsidenten Askar Akajew führten.

ROM: Der italienische Wirtschafts- und Finanzminister Domenico Siniscalco ist zurückgetreten. Er zog damit die Konsequenzen aus seinem Streit mit Notenbankchef Antonio Fazio sowie Unstimmigkeiten über den Haushaltsplan für das Jahr 2006. Siniscalco hatte zunächst den Rücktritt des Notenbankchefs wegen dessen Rolle bei der Übernahmeschlacht um die Banca Antonveneta gefordert. Dieser lehnt jedoch ein Ausscheiden ab. Siniscalco hatte den Ministerposten erst vor rund einem Jahr übernommen.

TOKIO: Im Zuge eines groß angelegten Sanierungsplans will der japanische Elektronik- und Unterhaltungskonzern Sony bis 2007 weltweit zehntausend Stellen streichen. Um die Kosten zu senken, werde das Unternehmen elf seiner 65 Fabriken schließen oder verkaufen, kündigte der neue Sony-Chef Howard Stringer in Tokio an. Der Konzern werde sich künftig auf die drei Kernbereiche Elektronik, Videospiele und Unterhaltung konzentrieren, sagte Stringer.

ZUR BÖRSE: Der Frankfurter Aktienmarkt ist mit Verlusten in den neuen Handelstag gestartet. Der Index DAX stand vor wenigen Minuten bei rund 4.840 Punkten, etwa 30 Punkte niedriger als bei der Schlussnotierung am Mittwoch. Die Börse in Tokio schloss leichter. Der Nikkei-Index fiel um 37 auf 13.159 Punkte. Der Euro wurde zuletzt mit einem Dollar 22 notiert. 

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND:
Nach Frühnebel wieder meist sonnig. Höchstwerte zwischen 19 und 23 Grad.