Episode: Freitag, 23. September 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 23.09.2005 um 10:00
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Beschreibung:
  • CDU/CSU und Grüne sondieren Koalitionsbildung
  • Millionen Menschen fliehen vor Hurrikan "Rita"
  • Wieder Bombenexplosion in weißrussischer Stadt

BERLIN: CDU und CSU führen an diesem Freitag weitere Sondierungsgespräche über eine Koalitionsbildung. Die Parteispitzen Angela Merkel und Edmund Stoiber kommen mit Grünen-Vertretern in Berlin zusammen. Im Vorfeld räumten führende Grünen-Politiker einer schwarz-gelb-grünen Koalition wenig Chancen ein. Die Unterschiede etwa in der Umweltpolitik seien zu groß, hieß es. Auch CDU-Chefin Merkel zeigte sich skeptisch. Am kommenden Mittwoch wollen CDU/CSU und SPD erneut über Möglichkeiten einer Großen Koalition sprechen. Darauf verständigte man sich bei einem ersten Treffen gestern. Dieses brachte jedoch keine Lösung im Streit beider Parteien darüber, wer den nächsten Kanzler stellt.

BERLIN: Der Führungsstreit bei der FDP ist beigelegt. FDP-Chef Guido Westerwelle wird im Mai 2006 auch den Vorsitz der Bundestagsfraktion übernehmen. Darauf einigte er sich auf einer Präsidiumssitzung mit dem amtierenden Fraktionschef Wolfgang Gerhardt. Dieser sagte nach der Sitzung, die Einigung entspreche seiner persönlichen Lebensplanung. Offen ließ Gerhardt jedoch, ob er -wie in den Medien berichtet- dann den Vorsitz der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stifung übernimmt. Westerwelle sprach von einem 'Generationenwechsel' und einer 'klugen und menschlich anständigen' Entscheidung. 

HALLE: Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, plädiert dafür, die neugewählten Bundestagsabgeordneten auf eine mögliche Mitarbeit beim früheren DDR-Geheimdienst hin zu überprüfen. Der 'Mitteldeutschen Zeitung' sagte Birthler, allein in der neuen Fraktion von Linkspartei.PDS gebe es mindestens sieben aktenkundige Informelle Stasi-Mitarbeiter. Es sei nicht auszuschließen, dass bei einer freiwilligen Überprüfung weitere Fälle bekannt würden. Die Öffentlichkeit, so Birthler, habe ein Recht darauf zu erfahren, welche Abgeordneten früher für das Ministerium für Staatssicherheit gearbeitet hätten.

WIESBADEN: Die anhaltend hohen Ölpreise belasten weiterhin die deutsche Import-Bilanz. Im August mussten Unternehmen für eingeführte Waren 0,9 Prozent mehr bezahlen als einen Monat davor. Binnen Jahresfrist kletterten die Importpreise um 4,7 Prozent, berichtet das Statistische Bundesamt. Hauptgrund seien teures Erdöl und Mineralölerzeugnisse. Aber auch für Eisen- und Stahlschrott musste deutlich mehr bezahlt werden als im Juli. Der neue Hurrikan, der den Süden der USA bedroht, führte an deutschen Tankstellen bereits wieder zu deutlichen Preiserhöhungen für Benzin und Diesel. 

NEW ORLEANS: Aus Angst vor einer neuen Hurrikan-Katastrophe haben Millionen von Menschen an der Südküste der USA ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Auf vielen Straßen gab es ein Verkehrschaos. Es wird damit gerechnet, dass der Wirbelsturm 'Rita' die Küste mit schweren Regenfällen und einer bis zu sechs Meter hohen Sturmflut am Samstagmorgen heimsucht. Der Hurrikan wurde zwar inzwischen auf die zweithöchste Kategorie Vier heruntergestuft. Er gilt damit aber als mindestens genauso gefährlich wie der Wirbelsturm 'Katrina', der die Region um New Orleans zerstört hatte.

MINSK: Bei der Explosion eines Sprengsatzes in der weißrussischen Stadt Witebsk sind nach offiziellen Angaben mindestens 40 Menschen verletzt worden. Die Bombe sei in der Nähe eines Restaurants im Zentrum der Stadt detoniert, teilte die Regierung in Minsk mit.  Über die Hintergründe der Tat ist noch nichts bekannt. Es ist bereits die zweite Bombenexplosion innerhalb von zehn Tagen in der Stadt im Norden Weißrusslands. 

NEW YORK: Nordkorea hat die Vereinten Nationen aufgefordert, alle humanitären Hilfen für das kommunistische Land zum Jahresende einzustellen. Die Lebensmittelsituation habe sich dank guter Ernten entspannt, hieß es zur Begründung. Die Regierung in Pjöngjang werde die internationale Gemeinschaft aber weiter um Entwicklungshilfe bitten. Der stellvertretende Außenminister Nordkoreas, Choe Su Hon, sagte in New York, er habe das Ersuchen UN-Generalsekretär Kofi Annan bei einem Treffen mitgeteilt.

ISTANBUL: Ein türkisches Verwaltungsgericht hat die Ausrichtung einer Armenier-Konferenz an der Bosporus-Universität in Istanbul untersagt. Die Konferenz, die sich mit der Vertreibung und Ermordung von Millionen Armeniern durch die Türken in den Jahren zwischen 1915 und 1923 befassen will, war bereits einmal abgesagt worden. Die Türkei ist bislang nicht bereit, die Ermordung von bis zu 1,5 Millionen Armeniern als Völkermord zu definieren. Deutschland und die Türkei waren im 1. Weltkrieg Verbündete. Der Bundestag hat die türkische Regierung aufgefordert, sich der historischen Verantwortung zu stellen.

BERLIN: Bundeskanzler Gerhard Schröder hat in der Neuen Nationalgalerie in Berlin eine große Werkschau des Malers Jörg Immendorff eröffnet. Die Ausstellung zeigt rund 100 Werke des in Düsseldorf lebenden Künstlers. Immendorff, der in diesem Jahr 60 wurde, gilt als einer der führenden Vertreter deutscher Gegenwartskunst.--Schröder würdigte Immendorff als Botschafter Deutschlands in aller Welt. Er nehme sein Vaterland und dessen Geschichte kompromisslos ins Visier.

ZUR BÖRSE: Der deutsche Aktienmarkt hat freundlich eröffnet. Der DAX stand zuletzt bei 4.870 Punkten, rund 20 Punkte höher als bei der Schlussnotierung am Donnerstag. Der japanische Aktienmarkt blieb wegen eines Feiertages geschlossen. Der Euro wird mit einem Dollar 21 gehandelt.

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Weiterhin viel Sonne. Die Temperaturen steigen auf bis zu 25 Grad.Zuletzt meldeten bei meist wolkenlosen Himmel:

Hamburg, Köln/Bonn,
Frankfurt am Main und
München:  11°
Berlin:  12°  und
Dresden:  14°.