Episode: Mittwoch, 28. September 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 28.09.2005 um 10:00
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Beschreibung:
  • Israel setzt Angriffe im Gaza-Streifen fort
  • Alter Bundestag entscheidet über Afghanistan-Mandat
  • SPD und Union beraten über große Koalition

JERUSALEM: Israel hat seine Offensive gegen militante Palästinenser ausgeweitet. Die Luftwaffe griff Ziele in und um Gaza-Stadt an. Als Folge fiel der Strom in der Stadt zeitweise aus. Auch aus dem Westjordanland werden Militäraktionen gemeldet. Das israelische Militär durchsuchte unter anderem Büros der extremistischen Organisationen Hamas und Islamischer Dschihad. Bei nächtlichen Razzien seien mehr als 20 mutmaßliche Mitglieder beider Gruppen festgenommen worden, gab das Militär bekannt.

WASHINGTON: Die US-Soldatin Lynndie England ist wegen des Folterskandals im irakischen Gefängnis Abu Ghraib zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Das zuständige Militärgericht im texanischen Fort Hood entschied außerdem, dass die 22-Jährige unehrenhaft aus der Armee entlassen wird. Das Gericht hatte England am Montag schuldig gesprochen. Die Misshandlungen in dem Gefängnis waren im Frühjahr 2004 durch Fotos bekannt geworden und hatten weltweit Empörung ausgelöst.

WASHINGTON: Die US-Armee rechnet nach dem Tod eines hochrangigen El-Kaida-Mitglieds im Irak nicht mit einem raschen Ende der Gewalt. Mit der Zeit werde das Terrornetzwerk den Mann ersetzen, sagte Generalstabschef Richard Myers in Washington. Die Nummer zwei des irakischen Ablegers von El Kaida, Abdullah Abu Azzam, war bei der Erstürmung seines Verstecks in Bagdad getötet worden. Er habe Anschläge im Irak geplant und organisiert, sagte Myers. Im Grenzgebiet zum Iran entdeckten Polizisten unterdessen die Leichen von 22 erschossenen Männern.

BERLIN: Der alte Bundestag wird an diesem Mittwoch in einer Sondersitzung über die Verlängerung und Ausweitung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan entscheiden. Nach der Vorlage des noch amtierenden rot-grünen Kabinetts soll das deutsche Kontingent von 2.250 auf 3.000 Soldaten aufgestockt und die Bundeswehr für den Norden Afghanistans die Koordinierung der Wiederaufbauteams der internationalen Schutztruppe ISAF übernehmen. Auch sollen die deutschen Soldaten überall dort eingesetzt werden können, wo die ISAF Truppen hat. Es ist die letzte Sitzung des alten Bundestags.

BERLIN: Unmittelbar vor der zweiten Sondierungsrunde von Union und SPD über die Bildung einer großen Koalition haben beide Seiten Handlungsschwerpunkte umrissen. Es gebe vier große Herausforderungen für eine große Koalition, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Fraktion, Norbert Röttgen, der 'Berliner Zeitung'. Dazu gehörten die Sanierung des Haushalts, Strukturveränderungen bei Pflege- und Krankenversicherung sowie die Föderalismus- und die Steuerreform. SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter sagte im deutschen Fernsehen, Röttgers Themenschwerpunkte seien nicht vollständig. Man wolle jedoch bei den Sondierungsgesprächen Gemeinsamkeiten ausloten. Ziel sei eine stabile Regierung.

BERLIN: Die bisherige Verbraucherministerin Renate Künast und Ex-Parteichef Fritz Kuhn bilden die neue Fraktionsdoppelspitze der Grünen. Sie setzten sich gegen die Mitbewerber Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin durch. Künast teilte im Anschluss mit, sie trete vom Amt der Verbraucherschutzministerin zurück. Der Posten soll nach dem Willen der Grünen bis zum Ende der Regierung vertretungsweise von Umweltminister Trittin mit übernommen werden.

BERLIN: Bei der FDP wurde Wolfgang Gerhardt als Fraktionsvorsitzender bestätigt. Er wird das Amt aber schon im Mai 2006 an Parteichef Guido Westerwelle abgeben, der bei der Wahl einen deutlichen Dämpfer erhielt. Für ihn stimmten nur 76 Prozent der Abgeordneten, während Gerhardt 93 Prozent erhielt.

STUTTGART: Bei der Stuttgarter DaimlerChrysler AG sollen nach Presseinformationen deutlich mehr Arbeitsplätze abgebaut werden als bislang bekannt. In Unternehmenskreisen werde derzeit von rund 8.600 Stellen ausgegangen, berichtet die 'Bild'-Zeitung. Der überwiegende Teil davon solle in den Stuttgarter Stammwerken Sindelfingen und Untertürkheim abgebaut werden. Auch die 'Stuttgarter Zeitung' berichtet, die Mitarbeiterzahl bei der Mercedes-Gruppe werde um mehr als 8.000 reduziert.

WARSCHAU: Der mögliche neue polnische Ministerpräsident Kazimierz Marcinkiewicz will eine stabile Regierung für vier Jahre bilden. Im Rundfunk sagte er, die Partei für Recht und Gerechtigkeit (PiS) sowie die Bürgerplattform (PO) seien in der Regierung gleichberechtigt. Im Wahlkampf hatten beide Parteien unterschiedliche Positionen in mehreren Politikfeldern vertreten. Marcinkiewicz war am Dienstag überraschend von PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski zum Regierungschef vorgeschlagen worden. Kaczynski selbst will mit Rücksicht auf seinen Zwillingsbruder das Amt nicht ausüben. Dieser kandidiert bei der Präsidentenwahl am 9. Oktober. An diesem Mittwoch sollen die Koalitionsgespräche aufgenommen werden.

BRÜSSEL: Im Kampf gegen Bürokratie und Regelungswut in Europa wird die EU-Kommission 68 Gesetzesvorschläge zurückziehen. Das sieht eine Initiative von Kommissionspräsident José Manuel Barroso vor. Zu den Vorschlägen gehörten etwa Kennzeichnungen von Nahrungsmitteln und die Größe von Kaffeeverpackungen. Insgesamt hatte die EU-Kommission mehr als 180 Gesetzesvorschläge erarbeitet. Barroso hatte bei seinem Amtsantritt im November 2004 einen Abbau der Regulierung in der EU angekündigt, unter anderem, um das Wachstum in den Mitgliedsstaaten voranzutreiben.

ZUR BÖRSE: Der deutsche Aktienmarkt hat freundlich eröffnet. Der DAX stand vor wenigen Minuten bei 5.016 Punkten, rund 50 Punkte höher als bei der Schlussnotierung am Dienstag. Die Börse in Tokio setzte ihren Höhenflug fort. Der Nikkei-Index verbesserte sich um 125 auf 13.435 Punkte. Der Euro wird mit einem Dollar 20 gehandelt.

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Von der Lausitz bis nach Bayern zumeist Regen. Sonst häufig Schauer, besonders im Norden. Höchsttemperaturen 16 bis 20 Grad.

Am Vormittag meldeten:

Hamburg und Frankfurt am Main: 14 Grad, nach Regen; Berlin: 14 Grad, leichter Regen; Dresden: 14 Grad, bedeckt; Köln/Bonn: 13 Grad, stark bedeckt und München: 14 Grad, wolkig.