Episode: Freitag, 30. September 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 30.09.2005 um 10:00
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Beschreibung:
  • Blutige Anschlagsserie im Irak weitet sich aus
  • Schröder kritisiert Arbeitsplatzabbau deutscher Unternehmen 
  • Türkei sieht Verhandlungen mit EU gefährdet

BAGDAD/WASHINGTON: Die Anschlagsserie im Irak hält an. Einen Tag, nachdem in der Stadt Balad kurz hintereinander drei Bomben explodierten, wird aus der hauptsächlich von Schiiten bewohnten Stadt Hilla ein Autobombenanschlag gemeldet. Dabei soll es mindestens zehn Todesopfer gegeben haben. In Balad waren am Donnerstag nach neuen Angaben der Behörden bis zu 100 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt worden. Die USA halten laut ihrem Oberkommandierenden im Irak, General George Casey, grundsätzlich an einer Reduzierung ihrer Truppen dort fest. Allerdings wollte Casey bei einer Anhörung im Senat weder eine genaue Zahl noch einen Zeitplan nennen. Beides hänge davon ab, wie die Abstimmung über eine Verfassung im Oktober sowie die Wahl einer neuen Regierung im Dezember ausgingen.

BERLIN: Bundeskanzler Gerhard Schröder hat den Arbeitsplatzabbau in deutschen Unternehmen kritisiert. Mit Blick auf die Entscheidung von DaimlerChrysler, 8.500 Stellen in Deutschland zu streichen, sagte der Kanzler, es könne nicht sein, dass deutsche Dax-Unternehmen glänzend verdienten, aber die Probleme, die sich aus der internationalen Konkurrenz ergeben, ausschließlich von der Politik gelöst würden. Deshalb sei er dafür, auch mit der Wirtschaft über die Verteilung von Verantwortung zu reden, sagte Schröder der "Sächsischen Zeitung".

DRESDEN: Vor der Bundestags-Nachwahl an diesem Sonntag in Dresden haben die Parteien zum Endspurt im Werben um die Stimmen angesetzt. Spitzenpolitiker von FDP, Grünen und CDU riefen die rund 219.000 Wahlberechtigten im Kreis Dresden I nochmals dazu auf, von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen. An diesem Freitag werden auch Bundeskanzler Gerhard Schröder von der SPD und Unions- Kanzlerkandidatin Angela Merkel in der sächsischen Landeshauptstadt erwartet. Die nachträgliche Stimmabgabe in Dresden wurde notwendig, weil eine Direktkandidatin gestorben war und ein Ersatzbewerber gefunden werden musste. Wahlforscher halten es für unwahrscheinlich, dass die SPD durch das Nachwahlergebnis ihren Rückstand von drei Sitzen im Bundestag auf die Union aufholen kann.

BRÜSSEL: Der für Montag geplante Beginn der Beitrittsverhandlungen der EU mit der Türkei steht auf der Kippe. Als einziger EU- Mitgliedsstaat versagte Österreich bei Beratungen in Brüssel seine Zustimmung zum Verhandlungsrahmen. Dieser muss von den 25 EU-Staaten einstimmig beschlossen werden. Die Regierung in Wien will erreichen, dass in dem Dokument eine enge Partnerschaft als Alternative zur EU-Mitgliedschaft der Türkei erwähnt wird. Die EU-Außenminister wollen nun am Sonntag bei einem Krisentreffen eine Lösung finden. - Der türkische Außenminister Abdullah Gül sagte in Ankara, die Gespräche könnten möglicherweise nicht am 3. Oktober beginnen. Es gebe ernsthafte Probleme.

MADRID: Spanien will untersuchen lassen, wie es bei dem Massenansturm afrikanischer Flüchtlinge auf die Exklave Ceuta in Marokko zu Toten kommen konnte. Beide Staaten hatten sich am Donnerstag gegenseitig bezichtigt, zuerst geschossen zu haben. Zwei Flüchtlinge waren auf spanischer, drei auf marokkanischer Seite getötet worden. Zuvor hatten mehrere hundert Menschen versucht, den stark gesicherten Grenzzaun zu überwinden. Spanien schickte nach dem bislang dritten Massenansturm afrikanischer Flüchtlinge in den vergangenen Tagen etwa 450 Soldaten zur Verstärkung der Polizei in die Exklaven Ceuta und Melilla. Beide werden von Flüchtlingen aus Afrika als Tor zu einem Leben in Europa gesehen.

RAMALLAH: Auch die dritte Runde der Kommunalwahl im Westjordanland hat die Fatah-Bewegung gewonnen. Unter Berufung auf vorläufige Ergebnisse teilten die Behörden mit, die Fatah habe sich in 64 der 104 neu zu wählenden Stadt- und Gemeinderäte durchgesetzt, die Extremisten-Organisation Hamas in 28. Der Rest verteile sich auf andere Gruppierungen. Damit wiederholte sich die Tendenz der beiden vorausgegangenen Wahlrunden Anfang des Jahres. Die Wahlbeteiligung lag bei 81 Prozent. Das amtliche Ergebnis wird in den kommenden Tagen erwartet.

SAO PAULO: Die Mitarbeiter des Volkswagenwerkes im brasilianischen Sao Bernardo do Campo sind in einen unbefristeten Streik getreten. Wie ein Streikführer erklärte, fordern sie eine höhere Gewinnbeteiligung als bisher. In einer Vollversammlung hätten sie daher für einen unbefristeten Ausstand gestimmt. Rund 9.000 der insgesamt 12.000 Beschäftigten des VW-Werkes im Großraum Sao Paulo hätten sich an der Vollversammlung beteiligt. -- Das Werk in Sao Bernardo do Campo ist das größte des Volkswagenkonzerns in Brasilien.

ZUR BÖRSE: Gestützt auf die guten Vorgaben der amerikanischen Börsen haben die deutschen Aktien zugelegt. Gleich in den ersten Handelsminuten erreichte der Dax mit 5.062 Punkten den höchsten Stand seit gut drei Jahren. Zur Stunde pendelt er mit einem Plus von rund 25 Punkten bei 5.045. Die Börse in Tokio schloss im Minus. Am Ende verzeichnete der Nikkei-Index einen Abschlag von 43 Punkten beim Stand von 13.574. Der Euro notierte bei einem Dollar 20.

ZUM FUSSBALL: Die Ergebnisse der deutschen Mannschaften im UEFA-CUP:

Kopenhagen - Hamburg 0:1; Berlin - Nikosia 3:1; Domzale - Stuttgart 1:0; Sofia -Leverkusen 1:0 und Mainz-Sevilla 0:2. Hamburg, Berlin und Stuttgart sind nach Abschluss der Vorrunde weiter, Leverkusen und Mainz schieden aus.

LOS ANGELES: Rund 3.000 Feuerwehrleute sind im Westen der kalifornischen Metropole Los Angeles im Kampf gegen zahlreiche Waldbrände im Einsatz. Nach ersten Schätzungen brannten seit Mittwoch knapp 7.000 Hektar Land ab. Mehr als 400 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Eine leichte Abschwächung des Windes habe die Situation etwas entspannt, teilten Behördenvertreter mit.

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Im Westen überwiegend bewölkt. Sonst Wechsel zwischen Sonne und Wolken bei Temperaturen zwischen elf und 17 Grad Celsius.