Episode: Samstag, 1. Oktober 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 01.10.2005 um 10:00
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Beschreibung:
  • Polizei räumt Hafen-Barrikaden auf Korsika
  • EU-Außenbeauftragter Solana erwartet Einigung im Türkei-Streit
  • Schröder und Merkel machen Wahlkampf in Dresden

PARIS: Die französische Polizei hat die Blockade des korsischen Hafens Ajaccio durch nationalistische Gewerkschaftern gewaltsam durchbrochen. Gepanzerte Fahrzeuge schoben Lastwagen und Mülltonnen zur Seite, um den rund 10.000 auf Korsika festsitzenden Menschen die Abreise zu ermöglichen. Gleichzeitig griff die Polizei in Marseille ein, um die Blockaden der Ölhäfen zu beenden. Mit ihren Streikaktionen in den See- und Flughäfen wollen die Gewerkschafter eine Privatisierung der defizitären korsischen Reederei SNCM verhindern. Die Gewerkschafter hatten sogar ein Schiff gekapert, um ihre Forderungen durchzusetzen. Die Fähre war vom Militär übernommen und die Streikführer vorübergehend inhaftiert worden. Premierminister Dominique de Villepin äußerte sich besorgt über die Entwicklung des Arbeitskampfes.

BRÜSSEL: Die Europäische Union will in Flüchtlingsfragen enger mit Marokko zusammenarbeiten, nachdem mehrere Afrikaner beim Versuch, in die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla zu gelangen, zu Tode gekommen sind. Experten der EU-Staaten wollten dazu schon am Montag Beratungen aufnehmen, teilte die Europäische Kommission in Brüssel mit. Weiter hieß es, zur besseren Sicherung der Grenzen der spanischen Exklaven stelle die EU 40 Millionen Euro zur Verfügung. Ceuta und Melilla liegen an der Mittelmeerküste Marokkos. - Unterdessen ist zwischen Spanien und Marokko ein Streit ausgebrochen, wer für den Tod von fünf Afrikanern während eines Massenansturms auf Ceuta am Donnerstag verantwortlich ist.

BRÜSSEL: Der EU-Außenbeauftragte Xavier Solana hat sich im Streit um die geplanten Beitrittsverhandlungen mit der Türkei zuversichtlich gezeigt, dass es zu einer Einigung kommt. Auch in der Vergangenheit habe die EU Entscheidungen zur Türkei immer erst in letzter Minute getroffen, sagte Solana der Zeitung 'Bild am Sonntag'. Die Aufnahme von Verhandlungen sei keine Vorentscheidung für einen türkischen EU-Beitritt, betonte Solana. - Österreich verlangt, dass bei den Verhandlungen mit der Türkei, die am Montag beginnen sollen, nicht nur über eine Vollmitgliedschaft in der EU sondern auch über eine enge Partnerschaft gesprochen wird. Dies lehnen die Türkei und die anderen EU-Staaten ab. Die EU-Außenminister wollen am Sonntagabend auf einer Krisensitzung nach einer Lösung suchen. Es seien schwierige Gespräche zu erwarten, sagte in Berlin ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

DRESDEN: Im Streit um die Führungsrolle in einer neuen Bundesregierung zeichnet sich weiter keine Lösung ab. Vor der Dresdner Bundestagsnachwahl reklamierten Kanzler Gerhard Schröder und CDU-Chefin Angela Merkel in der sächsischen Landeshauptstadt das Spitzenamt für sich. Merkel sagte, die Union wolle eine neue Politik für Deutschland wesentlich mitgestalten. Schröder erklärte dagegen, er wolle das, was er begonnen habe, gerne an der Spitze einer neuen Regierung fortführen. - Am Sonntag findet in Dresden in einem Stimmbezirk eine Nachwahl statt. Sie war nach dem Tod einer Direktkandidatin notwendig geworden. Es wird jedoch nicht erwartet, dass sich durch die Nachwahl die Mehrheitsverhältnisse verschieben.

PRAG: Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat den Sozialdemokraten in Tschechien Wahlkampfhilfe zugesagt. Schröder wolle mehrere Experten seines Wahlkampfteams noch in diesem Jahr nach Prag entsenden, sagte Ministerpräsident Jiri Paroubek nach einem inoffiziellen Treffen mit Schröder in Prag am Freitagabend. Die Fachleute sollen die Regierungspartei CSSD bei der Ausarbeitung ihrer Taktik für die Parlamentswahl beraten, die Mitte kommenden Jahres stattfinden soll.

KABUL: Bei der Parlamentswahl in Aghanistan am 18. September ist es nach Angaben von Beobachtern der Europäischen Union zu Unregelmäßigkeiten und Betrug gekommen. In einigen Gegenden seien manipulierte Wahlzettel aufgetaucht, hieß es in einer Erklärung. Auch seien einige Wähler eingeschüchtert worden. Zwar könne von Wahlbetrug im ganzen Land nicht die Rede sein, die Fälle seien aber beunruhigend, betonten die EU-Beobachter. Das offizielle Ergebnis der Parlamentswahl in Afghanistan soll am 22. Oktober veröffentlicht werden.

BAIKONUR: Eine neue Besatzung der Internationalen Raumstation (ISS) ist vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ins All gestartet. An Bord der russischen Sojus-Kapsel befindet sich neben einem amerikanischen und russischen Astronauten auch ein amerikanischer Weltraumtourist. Der Unternehmer hat umgerechnet knapp 17 Millionen Euro für seine ungewöhnliche Reise gezahlt. Nach einer Woche wird der Weltraumtourist mit der alten Langzeitbesatzung zur Erde zurückkehren.

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Verbreitet stark bewölkt und regnerisch. Im Osten zunächst noch freundlich. Tagestemperaturen 11 bis 18 Grad.

Am Morgen meldeten:

Hamburg: 11°, Regen; Berlin: 8°, wolkig; Dresden: 9°, wolkig; Köln: 12°, Regen; Frankfurt am Main: 11°, leichter Regen und München: 10°, stark bewölkt.