Episode: Freitag, 07. Oktober 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 07.10.2005 um 10:00
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Beschreibung:
  • SPD und Union verlängern Kanzler-Poker bis Sonntag
  • Spanien schiebt Flüchtlinge aus Nordafrika-Exklave Melilla ab
  • Tote bei Anschlag auf moslemische Sekte in Pakistan

BERLIN: Union und SPD haben ihre Entscheidung, wer in einer möglichen großen Koalition das Kanzleramt übernehmen soll, vertagt. Nach einem vierstündigen Spitzentreffen am späten Donnerstagabend wurden keine Informationen über den Verhandlungsstand mitgeteilt, da beide Seiten Stillschweigen vereinbart hatten. An dem Gespräch nahmen von der SPD Bundeskanzler Gerhard Schröder und Parteichef Franz Müntefering teil, von Unions-Seite Kanzlerkandidatin Angela Merkel und der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber. Ein weiteres Spitzentreffen ist für Sonntag geplant. Der Streit um das Kanzleramt ist das Haupthindernis für die Aufnahme formeller Koalitionsverhandlungen.

MADRID: Spanien hat damit begonnen, afrikanische Flüchtlinge aus seiner Exklave Melilla nach Marokko abzuschieben. Eine erste Gruppe von 70 illegalen Einwanderern wurde mit dem Flugzeug nach Malaga in Südspanien und anschließend per Schiff in die marokkanische Stadt Tanger gebracht. Die Abgeschobenen stammen aus Mali und anderen Staaten der Sahel-Zone.

ISLAMABAD: Bei einem Überfall auf Anhänger einer islamischen Sekte sind in Pakistan mindestens acht Menschen getötet worden. Nach Polizei-Angaben schossen maskierte Männer auf Mitglieder der Ahmadija-Sekte, die sich in der Nähe der Stadt Mandi Bahauddin zum Morgengebet versammelt hatten. Die Hintergründe der Tat sind unklar. Bisher bekannte sich niemand zu dem Anschlag.

GUATEMALA-STADT: In Mittelamerika werden die Auswirkungen des Tropensturms 'Stan' immer verheerender. In Guatemala kamen durch eine einzige Schlamm-Lawine mehr als 50 Menschen ums Leben. Zahlreiche Ortschaften sind von der Außenwelt abgeschnitten, weil Flüsse über die Ufer getreten sind. Von Überschwemmungen besonders schwer betroffen sind auch El Salvador und der mexikanische Bundesstaat Chiapas. Insgesamt bestätigten die Behörden bisher den Tod von 235 Menschen. Meteorologen gehen davon aus, dass die heftigen Regenfälle in Mittelamerika noch bis Sonntag andauern werden.

NEW YORK: Nach Hinweisen auf einen geplanten Terror-Anschlag sind in New York die Sicherheitsvorkehrungen in den U-Bahnen verschärft worden. Die Hinweise würden als glaubwürdig eingestuft, sagte Bürgermeister Michael Bloomberg. Die Bedrohung sei konkret in puncto Ort, Zeit und Methode. Ein Sprecher des Heimatschutzministeriums in Washington erklärte hingegen, die Richtigkeit der Informationen sei zweifelhaft.

BRÜSSEL: In Belgien hat ein Generalstreik das öffentliche Leben weitgehend lahm gelegt. Betroffen ist unter anderem der Zugverkehr, der nahezu vollständig zum Erliegen kam. Auch bei der Post, in Schulen und in zahlreichen Fabriken wird gestreikt. Mit dem Ausstand protestieren die Gewerkschaften gegen die von der Regierung geplante Rentenreform. Es ist der erste Generalstreik in Belgien seit zwölf Jahren.

WASHINGTON: Vor dem für Mitte Oktober geplanten Verfassungs- Referendum im Irak haben die USA ihr Truppenkontingent in dem Land verstärkt. Wie ein Brigadegeneral in Washington mitteilte, sind derzeit etwa 152.000 US-Soldaten im Irak stationiert. Das seien 14.000 mehr als üblich. Aufständische hatten angekündigt, im Fastenmonat Ramadan ihren Kampf gegen die irakische Regierung und die US-Truppen zu verstärken. Zudem wollen sie mit Anschlägen die Vorbereitungen für das Verfassungsreferendum stören.

BERLIN: Der Befehlshaber des deutschen Kontingents der ISAF-Truppe in Afghanistan, General Hans-Christoph Ammon, rechnet damit, dass der Einsatz dort noch bis mindestens 2015 dauert. Ammon sagte der Zeitung "Die Welt", die Bundeswehr werde in Afghanistan noch gut zehn Jahre gebraucht. Er begrüßte die angekündigte Aufstockung der NATO-Truppen in Afghanistan um weitere 6.000 Mann. Dies werde den internationalen Verbänden mehr Bewegungsfreiheit in ganz Afghanistan verschaffen. Derzeit sind in dem asiatischen Land etwa 2.200 deutsche Soldaten stationiert.

NEW YORK: Der Internationale Strafgerichtshof (ICC) hat nach Angaben eines UN-Diplomaten zum ersten Mal Haftbefehle ausgestellt. Das Gericht suche fünf Anführer der so genannten Widerstandsarmee des Herrn (LRA) aus Uganda, sagte der Sondergesandte der UN in Kongo, William Lacy Swing. Das ICC habe vergangene Woche die Regierungen von Uganda, Sudan und der Demokratischen Republik Kongo informiert, wo die Verdächtigen vermutet werden. In Kürze folge eine Liste der Anklagepunkte. Die LRA kämpft seit 19 Jahren für einen fundamentalistisch-christlichen Gottesstaat und soll mehr als 10.000 Kinder verschleppt haben.

GENF: UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die internationale Gemeinschaft zum Kampf gegen die Vogelgrippe und zu Vorbereitungen auf eine mögliche weltweite Epidemie gemahnt. Der Schlüssel sei, vorbereitet zu sein, sagte Annan beim Besuch der Weltgesundheits- organisation (WHO) in Genf. - Die Vereinten Nationen hatten vor einer Woche vor einer globalen Grippe-Epidemie beim Menschen mit schlimmstenfalls bis zu 150 Millionen Toten gewarnt, sollten nicht rasch Maßnahmen ergriffen werden. Seit 2003 sind in Asien mindestens 66 Menschen an der Vogelgrippe gestorben. Experten befürchten, das Virus könnte mutieren und die Grippe dann von Mensch zu Mensch übertragen werden.  ZUR BÖRSE: Nach den mäßigen Vorgaben der US-Börsen haben die deutschen Aktien den Abwärtstrend der vergangenen Tage fortgesetzt. Der Dax stand vor wenigen Minuten mit 20 Punkten im Minus und rutschte damit unter die psychologisch wichtige Marke von 5.000 Punkten. Die Börse in Tokio schloss uneinheitlich. Der Nikkei-Index gab um 132 Punkte nach und beendete den Handel beim Stand von 13.228. Der Euro notierte zuletzt bei rund einem Dollar 22.  

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Überwiegend sonnig und trocken bei Temperaturen zwischen 17 und 23 Grad Celsius.

Am Vormittag meldeten:

Hamburg:  9 Grad, Nebel

Berlin:  11 Grad, dunstig

Dresden:  9 Grad, wolkenlos

Köln/Bonn:  10 Grad, Bodennebel

Frankfurt am Main:  11 Grad, fast wolkenlos

München:  11 Grad, dunstig