Episode: Montag, 10. Oktober 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 10.10.2005 um 10:00
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Beschreibung:
  • Machtpoker um Kanzleramt geht in die letzte Runde
  • Rettungsarbeiten in Pakistan kommen nur langsam voran
  • Polnischer Präsident wird in Stichwahl bestimmt

BERLIN: Mit einem dritten Spitzentreffen wollen Union und SPD an diesem Montag endgültig den Weg frei machen für die Aufnahme formeller Verhandlungen zu einer großen Koalition. Nach Sitzungen der Parteipräsidien wollen beide Seiten im Lauf des Tages nochmals zu einem Spitzengespräch in Berlin zusammenkommen. Dabei soll die heftig umstrittene Kanzlerfrage endgültig geklärt werden. Es mehren sich die Gerüchte, Union und SPD hätten sich bereits darauf verständigt, dass die stärkste Bundestagsfraktion den Kanzler und den Bundestagspräsidenten stellen wird. Bei der Wahl vom 18. September war die CDU/CSU knapp stärkste Fraktion vor der SPD geworden.

ISLAMABAD: Zwei Tage nach dem Erdbeben in Pakistan kommen die Rettungsarbeiten nur langsam voran. Die Hoffnung auf die Bergung von Verschütteten schwindet zusehends. Viele zerstörte Ortschaften im schwer zugänglichen Katastrophengebiet konnten noch nicht von Helfern erreicht werden. US-Präsident George W. Bush schickte acht Helikopter nach Pakistan. Hunderttausende verbrachten bei eisigen Temperaturen die zweite Nacht im Freien. Hilfsorganisationen erklärten, es würden mindestens 200.000 winterfeste Zelte gebraucht. Nach offiziellen Angaben kamen mindestens 30.000 Menschen durch die Erdstöße ums Leben. In Indien gaben die Behörden die Zahl der Beben-Toten mit 656 an. In Afghanistan kamen mindestens vier Menschen ums Leben.

SRINAGAR: Ungeachtet des verheerenden Erdbebens gehen die Kämpfe zwischen Rebellen und Soldaten in der indischen Unruheregion Kaschmir weiter. Nach Angaben der indischen Armee erschossen eigene Verbände acht mutmaßliche Muslimrebellen, die von Pakistan aus in den indischen Teil Kaschmirs eindringen wollten. Die indische Polizei berichtete, eine andere Rebellengruppe habe im Süden der Provinz fünf hinduistische Zivilisten getötet.

WARSCHAU: Der künftige Präsident Polens wird erst in einer Stichwahl in zwei Wochen ermittelt. Bei der Abstimmung vom Sonntag erhielt keiner der Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit. Laut jüngsten Ergebnissen der Wahlkommission liegt mit rund 36 Prozent der Historiker Donald Tusk von der rechtsliberalen Bürgerplattform in Führung. Etwa 33 Prozent der Stimmen bekam der Warschauer Bürgermeister Lech Kaczynski von der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit.

BUDAPEST: Nach den ersten Fällen von Vogelgrippe in Rumänien hat Ungarn einen Importstopp für Geflügel aus dem Nachbarland verhängt. Ungarn folgt damit anderen EU-Ländern wie Österreich und Polen. Unklar ist, ob es sich bei den im Donau-Delta und am Schwarzen Meer aufgetretenen Krankheitserregern um das Virus H5N1 handelt, das auf den Menschen übertragbar ist. Für Deutschland sieht die Bundesregierung keine unmittelbare Gefahr.

WASHINGTON: Im Handelsstreit um Agrarreformen haben sich die USA bereit erklärt, ihre Subventionen für die Landwirtschaft in fünf Jahren um 60 Prozent zu senken. Allerdings müssten auch die Europäische Union und Japan ihre Beihilfen deutlich reduzieren, forderte der US-Handelsbeauftragte Rob Portman. Der Streit blockiert seit längerem ein Abkommen der Welthandelsorganisation WTO zum Abbau von Handelsschranken.

GUATEMALA-STADT: Im mittelamerikanischen Guatemala ist nach Angaben der Regierung mehr als ein Viertel der Bevölkerung von den Verwüstungen des Wirbelsturms 'Stan' betroffen. Gut 3,5 Millionen Menschen hätten nicht genug Trinkwasser oder keinen Strom, sagte Vizepräsident Eduardo Stein. Nach wie vor sind Regionen von der Außenwelt abgeschnitten. In dem unter einer Schlammlawine begrabenen Maya-Dorf Panabaj werden die Leichen von bis zu 1.500 Bewohnern vermutet. Laut offiziellen Angaben kamen bislang in Guatemala infolge des Wirbelsturms 650 Menschen ums Leben.

GAZA-STADT: Israelische Soldaten haben in der Nacht zum Montag an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel drei Palästinenser erschossen. Ein israelischer Armeesprecher sagte, eine Patrouille habe die Männer entdeckt, als sie mit einer verdächtigen Tasche am Sicherheitszaun auf der Erde robbten. Nach palästinensischen Angaben handelt es sich um drei Arbeitslose, die in Israel einen Job suchen wollten.

WOLFSBURG: Der Einstieg des Sportwagenbauers Porsche beim Volkswagenkonzern sowie der Streit um VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech sorgen weiter für Wirbel. In einer außerordentlichen Sitzung will sich der VW-Aufsichtsrat in kürze mit der Beteiligung von Porsche befassen. Der Stuttgarter Konzern hat sich fast 19 Prozent der VW-Aktien gesichert und ist damit vor dem Land Niedersachsen zum Hauptaktionär bei VW aufgestiegen. Porsche fordert, dass sich dies auch in der Zahl der Sitze im Aufsichtsrat niederschlägt.

HAMBURG: Schwarzarbeiter werden zunehmend zu Haftstrafen verurteilt. Wie die 'Bild'-Zeitung unter Berufung auf eine Statistik der dafür zuständigen Zollverwaltung berichtet, hat sich die Zahl der gegen Schwarzarbeiter verhängten Freiheitsstrafen innerhalb der letzten fünf Jahre fast verfünffacht. Nach Schätzungen des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung ist für dieses Jahr mit einem wirtschaftlichen Schaden von 350 Milliarden Euro durch Schwarzarbeit zu rechnen. Das sind gut 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Betroffen sind vor allem Baugewerbe und Handwerk.

WIESBADEN: Die deutschen Exporte sind im Monat August so stark gewachsen wie seit über einem Jahr nicht mehr. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im August Waren im Wert von 63,4 Milliarden Euro ausgeführt. Das entspricht einer Zunahme von gut 13 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Grund für das Wachstum sei vor allem die hohe Nachfrage aus außereuropäischen Ländern gewesen. Wegen der Verteuerung des Rohöls stieg der Wert der Einfuhren binnen Jahresfrist um gut 15 Prozent auf 51,9 Milliarden Euro.

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Vielerorts sonnig, zwischen Ostsee und Emsland zum Teil Wolken. Tageshöchsttemperaturen zwischen 18 und 23 Grad.