Episode: Dienstag, 11. Oktober 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 11.10.2005 um 10:00
Link: Webseite zu dieser Episode
Download: Datei herunterladen
Beschreibung:
  • SPD und Union beraten über Koalitionsverhandlungen
  • Pakistan befürchtet mehr als 40.000 Erdbebentote
  • EU drängt Deutschland zu hartem Sparkurs

BERLIN: Einen Tag nach der Entscheidung über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen wollen SPD und Union erste Weichen stellen. Die Beratungen sollen am kommenden Montag beginnen. Die Führungsgremien von Union und SPD hatten sich gestern für die Bildung einer großen Koalition unter Führung von CDU-Chefin Angela Merkel als Kanzlerin ausgesprochen. Damit wird Deutschland erstmals von einer Frau regiert. Im künftigen Kabinett erhält die SPD acht Ressorts, CDU und CSU stellen neben der Regierungschefin und dem Kanzleramtschef sechs Minister. Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber wird das Wirtschaftsministerium übernehmen, die Verteilung der anderen Ressorts ist noch nicht geklärt.- Unklar ist die Rolle des noch amtierenden Bundeskanzlers Gerhard Schröder. Es gilt jedoch als sicher, dass er einem Kabinett Merkel nicht angehören wird.

BERLIN: Nach der von Union und SPD angestrebten und im Grundsatz vereinbarten großen Koalition hat die FDP einen strikten Oppositionskurs angekündigt. Parteichef Guido Westerwelle kritisierte, die Union habe schon vor Aufnahme der Koalitions- Verhandlungen Zugeständnisse gemacht und wichtige Positionen früher geopfert als notwendig. Die Grünen, die seit 1998 mit Regierungsverantwortung getragen hatten, warfen SPD und Union ein Postengezerre und Personalgezocke vor. Kritik kam auch von der Linkspartei. Eine große Koalition unter Merkel verhindere einen dringend notwendigen Politikwechsel in Deutschland.

ISLAMABAD: Nach dem verheerenden Erdbeben in Südasien versuchen die Rettungskräfte in Pakistan in einem Wettlauf mit der Zeit zu den Überlebenden in den abgelegenen Bergregionen vorzudringen und Verschüttete zu bergen. Fast drei Tage nach dem Beben wurden zuletzt eine Mutter und ihr zweijähriges Kind aus dem Schutt eines eingestürzten Hochhauses in Islamabad lebend geborgen. Mehr als zwei Millionen Menschen sind nach Schätzungen der Behörden obdachlos. Vor allem in der schwer zugänglichen Himalaja-Region warten die Menschen immer noch auf Lebensmittel, Medikamente und Decken. Nächtlicher Frost, Regen und Erdrutsche verschärfen die Lage zusätzlich. Die Regierung in Islamabad bat dringend um Transporthubschrauber. Sie nahm auch eine Hilfszusage ihres Erzrivalen Indien an.

ISLAMABAD: Das Ausmaß der Erdbebenkatastrophe in Südasien wird immer erschreckender. Allein in Pakistan kamen nach offiziellen Angaben 21.000 Menschen ums Leben, die meisten davon in der Kaschmirregion. Die Behörden rechnen aber damit, dass bei dem schwersten Beben in der Geschichte des Landes womöglich 40.000 Menschen getötet wurden. Zehntausende wurden verletzt. Das Beben vom Samstag habe ganze Dörfer ausgelöscht, berichten Zeugen. Die Zahl der Todesopfer im Norden Indiens wurde zuletzt mit 1.200 angegeben. Auch in Afghanistan gab es Tote und Verletzte.

NEW YORK: Die Vereinten Nationen haben an die internationale Gemeinschaft appelliert, weitere Hilfsgelder für die Unwetter-Opfer in Guatemala bereitzustellen. Es würden Millionenbeträge benötigt, erklärte ein UN-Vertreter in New York. Die Behörden gehen mittlerweile davon aus, dass durch die Überschwemmungen und Erdrutsche in Mittelamerika mehr als 2.000 Menschen ums Leben gekommen sind. Die Suche nach 1.400 Vermissten im Dorf Panabaj in Guatemala wurde eingestellt. Das Indiodorf war unter einer meterhohen Schlammlawine begraben worden.

LUXEMBURG: Die Europäische Union hat die Bundesregierung aufgefordert, die Kriterien des Europäischen Stabilitätspaktes spätestens ab 2007 wieder einzuhalten. Der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Luxemburgs Regierungschef und Finanzminister Jean-Claude Juncker, sagte nach einem Treffen der Finanzminister der Euro-Zone, er habe deutlich gemacht, dass Deutschland 2007 alle Bedingungen und Auflagen des Paktes erfüllen müsse. Deutschland hatte zugesagt, bereits in diesem Jahr das Haushaltsdefizit wieder unter drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu senken, wird aber das Ziel zum vierten Mal in Folge verfehlen. Über den Fortgang des ruhenden Defizitverfahrens gegen Deutschland wird frühestens im November entschieden.

BERLIN: Nach den ersten Fällen von Vogelgrippe in Europa hat der Deutsche Bauernverband schärfere Kontrollen an den deutschen Grenzen gefordert. Die Schutzmaßnahmen an Flughäfen und Grenzstationen sollten verstäkt werden, sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner. Neben der Übertragung durch Zugvögel stelle auch der internationale Handel mit Geflügel eine Gefahrenquelle dar. Sollte bei den in Rumänien und der Türkei verendeten Tieren das auch für den Menschen gefährliche Virus nachgewiesen werden, müsse eine umfassende Stallpflicht für Geflügel in Kraft gesetzt werden.

STOCKHOLM: Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht in diesem Jahr an die Forscher Robert Aumann und Thomas Schelling. Der in Frankfurt am Main geborene Aumann hat die israelische und die amerikanische Staatsbürgerschaft, Schelling ist US-Bürger. Beide werden für die Weiterentwicklung der so genannten Spieltheorie geehrt. Im Zentrum steht dabei die Erforschung menschlicher Verhaltensmuster. Nach Ansicht des schwedischen Nobelkomitees tragen die Erkenntnisse dazu bei, besser mit Interessenskonflikten umzugehen.

MONROVIA: Erstmals seit dem Ende des 14-jährigen Bürgerkriegs werden in Liberia an diesem Dienstag Präsident und Parlament neu gewählt. Knapp 1,5 Millionen Menschen sind wahlberechtigt. Zu den aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten zählt auch der ehemalige Fußballstar George Weah. Der Bürgerkrieg in dem westafrikanischen Land war im August 2003 offiziell beendet worden, nachdem Staatschef Charles Taylor ins Exil nach Nigeria gegangen war. Seitdem sind in Liberia 15.000 UN-Soldaten stationiert, um für Sicherheit zu sorgen.

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Sonnig und trocken bei Tageshöchsttemperaturen zwischen 18 und 23 Grad.