Episode: Freitag, 14. Oktober 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 14.10.2005 um 10:00
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Beschreibung:
  • Geiselnahme im Kaukasus beendet
  • CDU diskutiert mögliche Ministerposten
  • Fachleute warnen vor Vogelgrippe-Hysterie

MOSKAU: Nach dem Rebellenüberfall auf die südrussische Stadt Naltschik haben Polizeieinheiten die Geiselnahmen in zwei Gebäuden gewaltsam beendet. Alle Kidnapper seien erschossen und ihre Geiseln befreit worden, teilten Behördensprecher nach Angaben der Agentur Interfax mit. Am Donnerstag hatten die Rebellen die Hauptstadt der russischen Teilrepublik Kabardino-Balkarien angegriffen. Bei Schießereien mit russischen Sicherheitskräften waren nach Angaben des Innenministeriums in Moskau mindestens 61 Menschen getötet worden. Im Internet bekannten sich tschetschenische Rebellen der so genannten 'Kaukasus-Front' zu dem Überfall.

BERLIN: Die CDU bespricht drei Tage vor Beginn der Verhandlungen mit der SPD über die angestrebte große Koalition ihr mögliches Regierungspersonal und will zudem inhaltliche Weichen stellen. Kernforderungen für die Gespräche mit den Sozialdemokraten seien ein harter Sparkurs für die öffentlichen Haushalte, die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, eine Sicherung der Sozialsysteme sowie die Föderalismusreform, heißt es. Am kommenden Montag will die designierte Bundeskanzlerin, CDU-Chefin Angela Merkel, die Liste des Unions-Anteils an einem schwarz-roten Kabinett vorstellen. - Die SPD hatte ihre achtköpfige Mannschaft mit Parteichef Franz Müntefering als Vizekanzler für das Ressort Arbeit und Soziales an der Spitze bereits vorgestellt.

BERLIN: Wegen der drohenden Ausbreitung der Vogelgrippe hat Umwelt- und Verbraucherschutzminister Jürgen Trittin Reisende aus der Türkei und Rumänien zu Vorsicht aufgerufen. Wer aus diesen Ländern nach Deutschland zurückreise, dürfe keine Lebensmittel, Tiere oder Tierbestandteile mitnehmen, sagte er. Trittin kündigte an, dass er sich mit den zuständigen Ministern der Bundesländer zusammensetzen werde, um über weitere Schutzmaßnahmen zu beraten. - Die Weltgesundheitsorganisation in Rom warnte vor Hysterie. Die Gefahr für den Menschen durch die Vogel-Grippe dürfe nicht dramatisiert werden.

MÜNCHEN: Vom Skandal um Schlachtabfälle in Lebensmitteln sind offenbar zahlreiche EU-Länder betroffen. Nach Angaben des Umweltministeriums in München hat sich der Anfangsverdacht gegen zwei bayerische Betriebe bestätigt. Die kriminellen Fleischhändler haben tonnenweise Schlachtabfälle wie Knochen und Schwarten zu Lebensmitteln verarbeitet, umdeklariert und in Deutschland und im EU-Ausland verkauft. Gesundheitsgefahr für die Verbraucher bestehe nicht. Fast 40 Betriebe, die mit Schlachtabfällen handeln, wurden durchsucht.

ROM: Trotz massiver Proteste der Opposition hat das italienische Abgeordnetenhaus eine umstrittene Wahlrechtsänderung verabschiedet. Mit den Stimmen der Mitte-Rechts-Koalition von Ministerpräsident Silvio Berlusconi billigte die Parlamentskammer eine entsprechende Regierungsvorlage. Demnach soll in Italien das Mehrheitswahlrecht abgeschafft und die Verhältniswahl wieder eingeführt werden. Die Opposition boykottierte die Abstimmung im Parlament. Sie wirft der Regierung vor, sich angesichts schlechter Umfragewerte eine bessere Ausgangslage bei der nächsten Parlamentswahl verschaffen zu wollen. Um in Kraft treten zu können, muss die Wahlrechtsänderung noch vom Senat befürwortet werden.

BAGDAD: Aus Furcht vor Terror-Anschlägen während des Verfassungs- Referendums am Samstag hat der Irak seine Landesgrenzen geschlossen. Die irakische Regierung ordnete zudem die vorübergehende Schließung des internationalen Flughafens von Bagdad an. Zivilisten und Mitgliedern privater Sicherheitsdienste ist das Tragen von Waffen bis Sonntag verboten. Außerdem wurde die nächtliche Ausgangssperre verlängert. Gegner des Demokratisierungsprozesses im Irak hatten damit gedroht, die Abstimmung über den Verfassungsentwurf gewaltsam zu stören.

ISLAMABAD: Sechs Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Südasien haben die pakistanischen Streitkräfte die Suche nach Überlebenden offiziell eingestellt. Man wolle sich nun auf die Bergung der Toten und den Wiederaufbau konzentrieren, teilte ein Armeesprecher mit. Es bestehe nur noch sehr geringe Hoffnung, Überlebende zu finden. Der pakistanische Hilfskoordinator Farooq Ahmad Khan bezeichnete den nahenden Winter als größte Herausforderung für die Hilfskräfte. Durch das Beben haben schätzungsweise 2,5 Millionen Menschen ihr Obdach verloren.

TOKIO: Nach dem japanischen Unterhaus hat auch das Oberhaus das lange umstrittene Gesetz zur Privatisierung der Post verabschiedet. In der zweiten Parlamentskammer stimmten 134 Abgeordnete für und 100 gegen die Vorlage. Das Oberhaus hatte im August noch gegen das Reformvorhaben von Ministerpräsident Junichiro Koizumi gestimmt. Daraufhin löste Koizumi das Parlament auf. Die folgenden Unterhauswahlen gewann seine Liberaldemokratische Partei mit großer Mehrheit. Die Reform sieht eine Privatisierung der Post bis 2017 vor. Dabei soll die größte Privatbank der Welt mit Einlagen von umgerechnet rund 2,5 Billionen Euro geschaffen werden.

STOCKHOLM: Der Literatur-Nobelpreis geht in diesem Jahr an den britischen Dramatiker Harold Pinter. Die Schwedische Akademie der Wissenschaften lobte den 75-Jährigen als herausragendsten Vertreter des englischen Dramas in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zu Pinters bekanntesten Bühnenstücken zählen 'Der Hausmeister' und 'Der stumme Diener'. - Der mit 1,1 Millionen Euro dotierte Nobelpreis wird traditionell am 10. Dezember verliehen, dem Todestag Alfred Nobels.  

ZUR BÖRSE: Zum Handelsauftakt hat sich der Deutsche Aktien-Index um seinen Vortages-Schlusstand von rund 4.950 Punkten bewegt. - Der Nikkei-Index verlor in Tokio 29 Punkte und schloss bei 13.421. Für einen Euro wurden zuletzt etwas mehr als 1,20 US-Dollar bezahlt.

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Im Nordwesten und Norden Wolkenfelder. An der Küste etwas Regen. Sonst viel Sonne. Tageshöchstwerte zwischen 16 und 21 Grad.

Zuletzt meldeten:

Hamburg:  5 Grad, neblig

Berlin:  5 Grad, dunstig

Dresden:  5 Grad, heiter

Köln/Bonn:  7 Grad, sonnig

Frankfurt am Main:  6 Grad, freundlich

München:  5 Grad, wolkenlos.