Episode: Livemitschnitt: (ca 2:15 h) OPERATION SPRING - SOS-Mitmensch fordert Wiederaufna
Podcast: Radio Netwatcher
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 13.10.2005 um 00:02
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Beschreibung: Alle Verfahren neu aufrollen SOS Mitmensch: Jetzt keine Fehler mehr, sonst ist Glaube an Rechtsstaatlichkeit dahin Aus Anlass der "Gesprächsrunde" zur Operation Spring im Bundesministerium für Justiz erneuert die Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch die Forderung nach der Wiederaufnahme der betreffenden Verfahren durch die Staatsanwaltschaft. "Die Republik sollte sich jetzt keinen Fehler mehr leisten, sonst ist der letzte Glaube an faire Verfahren für Afrikaner dahin", erklärt Philipp Sonderegger, Sprecher von SOS Mitmensch. Insgesamt sind seit 1999 über hundert Afrikaner im Zuge der Aktion verurteilt worden. Ein präparierter anonymer Zeuge, ein unfähiger Dolmetscher und verschwommenes Überwachungsmaterial dienten als Beweise für teilweise drakonische Strafen. Nach Auskunft des Justizministeriums gab es bislang lediglich eine Überprüfung im Hinblick auf den präparierten Zeugen. "Wir wünschen uns eine Überprüfung aller Urteile unter Berücksichtigung aller fragwürdiger Beweise", regt Sonderegger eine umfassende Sanierung der Causa an. Die "Gesprächsrunde" wurde von Justizminister Gastinger für Dienstag Nachmittag einberufen, um ministeriumsintern die weitere Vorgangsweise in der Causa abzuklären. Dies nachdem Gastinger sich die Dokumentation "Operation Spring", die derzeit im Kino zu sehen ist, mit einigen Spitzenbeamten Montag abends zu Gemüte geführt hatte. Die Dokumentation stellt die Frage, ob Angeklagte nach der größten Polizeiaktion gegen Afrikaner eine Chance auf ein faires Verfahren hatten und führt bei den Kinobesuchern zu teilweise empörten Reaktionen. Selbst mit der Materie Vertraute sind erschüttert, da der Film minutiös Bausteine zusammenfügt, die das Bild einer unkritischen Justiz ergibt, die nahezu unhinterfragt zu beweisen versucht, was die Polizei vorgelegt: Die Konstruktion einer internationalen Drogenmafia mit Sitz in einem Wiener Chinarestaurant. Dies vor dem Hintergrund der massiven Kritik an der Exekutive in Folge des getöteten Schubhäftlings Markus Omofuma und des hohen Erfolgsdruck für die auf Probe eingeführten erweiterten Ermittlungsmethoden. Veranstaltungshinweis Operation Spring - Polizei, Justiz und die Folgen Eine Podiumsdiskussion mit Publikumsbeteiligung zur justizpolitischen Dimension der umstrittenen Polizeiaktion Mit: Phillip Bischof, Anwalt; Viktor Eggert, BMJ; Manfred Herrnhofer, Richtervereinigung; Heinz Patzelt, amnesty; Angelika Schuster, Filmemacherin; Simon Kravagna, Moderation. Mittwoch, 12. Oktober 2005, 18.30 Uhr. Juridicum, Hörsaal U10, Schottenbastei 10-16, 1010 Wien. Die Reaktion des Justizministeriums ließ nicht lange auf sich warten: Ministerium sieht keinen Grund, aktiv zu werden Das österreichische Justizministerium sieht derzeit keinen Grund, von sich aus aktiv zu werden und eine Neuaufnahme der Verfahren zur "Operation Spring" zu veranlassen. Das ist laut Christoph Pöchinger, Sprecher von Ministerin Karin Gastinger das Ergebnis einer Expertenrunde im Justizministerium am Dienstag. Noch ein laufendes Verfahren Pöchinger betonte gegenüber der APA, dass es noch ein laufendes Verfahren gegen den mutmaßlichen Kopf der Bande gebe. In diesen Prozess im Wiener Straflandesgericht gegen den mutmaßlichen Drogenboss Emmanuel C. "wollen wir auf keinen Fall präjudizierend eingreifen". Das Urteil soll am 24. November gefällt werden. Andererseits gebe es in den übrigen Fällen, so Pöchinger, "rechtskräftige Urteile": "Und es gibt für uns keinen Grund, daran zu zweifeln." Weiters gab der Gastinger-Sprecher zu bedenken, dass bisher keiner der Betroffenen von sich aus eine Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt habe. In dem Dokumentarfilm werde "die belastende Seite ausgespart", sagte Pöchinger. Man müsse aber auch diese Seite beleuchten. Und das habe in den bisherigen Verfahren zu den gültigen Urteilen geführt. (Quelle - Online Standard: http://derstandard.at/?id=2204954) Wir sind schon gespannt, was die bisherigen BesucherInnen des Dokumentarfilmes OPERATION SPRING zu dieser Stellungnahme meinen. Von unserer Seite nur einige kurze Anmerkungen: 1.) Wir haben uns nicht viel anderes als Reaktion aus dem Justizministerium erwartet. 2.) Der Hinweis, dass bislang Verurteilte von sich aus keine Wiederaufnahme der Verfahren beantragten, erscheint uns aufgrund der Tatsache, welche Erfahrungen die Betroffenen mit der Justiz machten, geradezu zynisch. 3.) Im Film OPERATION SPRING werden Schritt für Schritt die damaligen belastenden Hauptbeweismittel (Lauschangriff, Übersetzungen, anonymisierte Zeugen, Hochrechnungen) in Frage gestellt. Wenn seitens des Justizministeriums nunmehr verlautbart wird, dass die "belastende Seite ausgespart" bleibt, nehmen wir das etwas ratlos zur Kenntnis. Nachvollziehbar ist diese Sichtweise für uns in keinster Weise. 4.) Hinter den Kulissen hat sich im Umkreis des Justizministeriums in den letzten Tagen vieles ereignet und wir wissen, dass die nun veröffentlichte Stellungnahme seitens des Ministeriums nicht auf ungeteilte Zustimmung im Justizapparat stößt. Es wäre ein Zeichen der Zivilcourage, wenn sich auch aus diesem Umfeld kritische Stimmen öffentlich zu Wort melden. Es liegt nunmehr wiederum an der kritischen Zivilgesellschaft, die zuständigen Stellen an ihre politische Verantwortung zu erinnern. All jene, die sich eine eigene Meinung dazu bilden wollen, raten wir zu einem Kinobesuch in den nächsten Tagen und Wochen. Informationen rund um den Film unter: www.operation-spring.com Wir verbleiben mit der Bitte um Veröffentlichung / Weiterleitung. Etwaige Mehrfachzusendungen bitten wir zu entschuldigen. Sindelgruber Tristan, Schuster Angelika

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