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Episode: Expl0629: Sky Captain!
Podcast: Der Explikator
Veröffentlicht: vor 7 Wochen, am 05.04.2017 um 22:01
Dateigröße: 12,54 MB
Link: Webseite zu dieser Episode
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Beschreibung:

?Sky Captain and the World of Tomorrow? hat mich 2004 nicht sonderlich beeindruckt. Dabei ist er in seiner Art damals durchaus eine Revolution gewesen. Und die Hintergrundgeschichte ist auch nicht gerade langweilig!


Download der Episode hier.
Der Sechsminüter, mit dem alles anfing: ?Sky Captain?
The Telegraph: ?How Kerry Conran saw Hollywood’s future – then got left behind?
Opener: ?Sky Captain and the World of Tomorrow? von SaneelGB
Musik: ?Annette Hanshaw Moanin’ Low (1930)? / Public Domain Mark 1.0


Es gibt Filme, die mittelmäßig sind, aber trotzdem wahnsinnig erfolgreich sind. JJ Abrams Star-Wars mit der Nummer sieben, z.B. Genauso gibt es Filme, die das Kino revolutioniert haben, die aber niemand so richtig auf dem Plan hat. So ein Film ist ?Sky Captain and the World of Tomorrow?. Jeder der Blockbuster, die uns dieser Sommer bescheren wird, geht direkt auf den Einfluss von ?Sky Captain? zurück.

Hinter den offiziellen Zahlen, die ?Sky Captain? zu einem schrecklichen Flop machen, steckt eine faszinierende Geschichte, die prima illustriert, was Hollywood überhaupt ist und wie die Maschine des Filmemachens so funktioniert.

Die Geschichte beginnt Anfang der Neunziger in New York. Unsere Helden heißen Kerry und Kevin Conran und wie heute kannte sie auch damals keine Sau. Kerry layoutete an seinem Mac für ein Magazin und Kevin schlug sich mit seinem Mac wiederum als freier Illustrator zu.

Wie viele von uns waren sie fasziniert von den Möglichkeiten, die der Computer in der Erschaffung ganzer visueller Welten bot. Und sie waren große Fans der Fernsehserien und Filme des klassischen Kinos der Dreißiger bis Fünfziger. Buck Rogers, Flash Gordon, Kampf der Welten, Citizen Kane, die Superman-Zeichentrickserie von Max Fleischer aber natürlich auch Metropolis, King Kong oder der Zauberer von Oz.

Eigentlich, so dachte sich Kerry, könnten wir mit unseren Macs und den 3D-Programmen ja auch selber so einen Film machen. Wir zeichnen alles am Computer und die Menschen nehmen wir getrennt vor einer Bluescreen auf und setzen sie dann in gerenderten Sets.

Schnell war die Story zusammen gezimmert. Da war dieser tolle Pilot, Sky Captain eben und seine fliegende Legion. Und da war diese blonde Reporterin, Polly Perkins, die einer sehr seltsamen Sache auf der Spur ist. Und da ist der böse deutsche Wissenschafter, Dr. Totenkopf, der mit seinen Riesenrobotern die Welt unterjochen will. Skript fertig! Klingt gut, lass’ uns anfangen!

Und so bastelten sie über Jahre in ihrer Freizeit an einem Sechsminüter, der ihre Idee und das neue Konzept demonstrierte. Diesen kleinen Schwarz-Weiß-Film kann man heute noch auf YouTube bestaunen, Link auf explikator.de

Als sie mit dem Ergebnis zufrieden waren, das ihre kleinen Macs da produziert hatten, bastelten sie noch 25 wertvolle Retro-Holzschachteln um sie an die Macher in Hollywood zu versenden.

?Wir können einen aufwendigen Actionfilm produzieren ohne große Kosten. Wir brauchen eine Handvoll Darsteller und einen blau angestrichenen Raum, den Rest ergänzen wir nachher alles am Computer.? Das war die Versprechung. Heute die Standardmethode, damals eine Revolution.

Auf 24 der Kisten sollten sie sitzenbleiben, denn schon der Empfänger der ersten Kiste war sofort Feuer und Flamme für ?Sky Captain?. Jon Avnet war sofort bereit den Film zu produzieren. Die benötigten 3 Millionen Dollar, so war die Schätzung der Conran-Brüder, die würde man auch leicht auftreiben.

Ein paar Telefonate später war auch der Cast gesetzt. Jude Law würde der Sky Captain werden, Gwyneth Paltrow musste nur den Sechsminüter sehen und war sofort dabei, auch ohne Drehbuch. Und auch Angelina Jolie wollte bei der Revolution mitmachen, die dieser Film bedeuten würde.

Die Conrans waren die neuen Wunderkinder Hollywoods und wurden jedermann präsentiert als die Zukunft des Films.

Noch während der Arbeit an dem Film wurden sie von George Lucas auf die Skywalker-Ranch eingeladen für ein verlängertes Wochenende. Es gäbe da so einiges zu reden.

Dort angekommen saßen da am großen Wohnzimmertisch schon außer George Lucas selber so Größen wie Robert Zemeckis, James Cameron, Robert Rodriguez oder Brad Bird. Die Hollywood-Gang, die sich wirklich für die neuen Techniken interessierte, die die beiden kleinen Grafiker aus New York da ausheckten.

Zemeckis wird die gelernten Tipps und Tricks bei ?Beowulf? verwenden, Cameron bei ?Avatar?, Brad Bird bei Mission Impossible und Robert Rodriguez versetzen diese Techniken in die Lage von Hollywood komplett unabhängig als Ein-Mann-Film-Company zu arbeiten.

18 Monate Zeit hatte man den Brüdern gegeben um ihren Film fertig zu stellen, aber weil die Gerüchteküche so hochkochte und alle mit einem durchschlagenden Erfolg rechneten, verlegte man den Termin mal schnell sechs Monate vor.

Um das zu schaffen verteilten die Conrans die Rechenarbeiten an viele verschiedene Computereffekte-Companies im Lande, was mittlerweile auch normal ist, aber damals eine weitere Revolution in der Produktion darstellte.

Obwohl es 2004 einige aufwendige Produktionen im Kino gab, z.B. Spider-Man 2, The Incredibles, The Day After Tomorrow oder Harry Potter 3 ? erwartete man besonders von ?Sky Captain? Wunderdinge. Während der Produktion war das Budget von 3 Millionen auf siebzig Millionen gestiegen ? wie und warum ist beiden Brüdern aber heute noch ein Rätsel.

Und dann kam die Premiere. Und die ersten Feedbacks der berühmten Kollegen, die allesamt begeistert waren. Der ganze Film ist eine einzige Hommage an die Abenteuerserien der Vierziger und somit für Filmfreaks ein wahr gewordener Nerd-Traum.

Für den Betrachter, der aber diesen Hintergrund nicht hat, ist ?Sky Captain? nur ein mittelmäßiger Abenteurfilm. Und darum floppte er an der Kinokasse auch ordentlich. 15 Millionen sollte er am ersten Wochenende einspielen und nur 58 Millionen weltweit, als die Kinos ihn dann wieder bald aus dem Programm nahmen.

Bei drei Millionen Produktionskosten wäre das, gerade für Anfänger, ein beachtlicher Erfolg, so aber musste das Studio noch draufzahlen. Und das machen so Studios tendenziell nicht so gerne.

Die Conrans hatten ihren Traum wahr gemacht und ihren eigenen Film umgesetzt und in die Kinos gebracht. Nebenbei hatten sie die Art, wie Actionfilme produziert werden, für immer geändert und alle an ihren Erfahrungen teilhaben lassen.

Aber ?Sky Captain? ist am Ende einfach kein wirklich guter Film geworden. Als erster seiner Art zeigt er auch deutlich die Probleme auf, die solche Bluebox-Streifen oft haben. Da lesen die Darsteller hölzern ihre stereotypen Dialogzeilen ab oder kucken an Dingen vorbei, die sie anschauen sollten, die aber beim Dreh halt noch nicht am Set waren.

Zusätzlich haben die Brüder dann auch noch jeden einzelnen Take so mit liebevollen Details vollgestopft und das Styling so konsequent durchgezogen, dass man beim Zuschauen ein bisschen schwindelig wird. Der Film wird nicht richtig wach, er ist nur eine 90-Minuten-Version des ersten kleinen Sechsminüters. Er bleibt in jeder Einstellung artifiziell, nie menschelt es und nie erweckt er Emotion.

Aber trotzdem ist er auch kein schlechter Film. Wenn man das Genre schätzt, das hier ein Denkmal bekommt, macht er trotzdem Spaß. Auf seine verkopfte Weise.

Das Schloß des Bösewichts, wo ist das her? Das kenne ich doch! Ach, das ist doch aus Citizen Kane! Genau! Und diese Einstellung, als die Kamera auf den Gully fällt, die kenne ich doch auch? Richtig, das ist aus ?Der Fremde im Zug?! Und Dr. Totenkopf, das ist ja… Laurence Olivier! Wie gibt?s das denn?

So ungefähr wird Sky Captain spaßig. Aber 2004 war das Nerdzeitalter noch nicht angebrochen und für solche Referenzen noch kein Interesse da. Beide Conrans sind aus Hollywood verschwunden, ihre Namen kennt heute keiner mehr. Kevin hat dem Filmemachen komplett den Rücken gekehrt und Kerry hat immerhin 2012 noch einmal einen Kurzfilm abgeliefert.

Die reichen Kumpels von der Skywalker-Ranch haben seit ?Sky Captain? auf jeden Fall alle nicht noch einmal angerufen. Heute kennt wieder keiner mehr die Conrans. Ein Flop reicht manchmal schon.

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