Episode: Mittwoch, 18. Mai 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 18.05.2005 um 10:00
Link: Webseite zu dieser Episode
Download: Datei herunterladen
Beschreibung:
  • Steinbrück und Rüttgers liefern sich zweites Fernsehduell
  • Bundeskabinett berät über Veröffentlichung von Managergehältern
  • Haftstrafe für US-Reservistin im Abu-Ghraib-Prozess

BOCHUM: Fünf Tage vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen haben sich Ministerpräsident Peer Steinbrück und sein CDU-Herausforderer Jürgen Rüttgers ein zweites Fernseh-Duell geliefert. Dabei warf Rüttgers der Landesregierung erneut wirtschaftspolitisches Versagen vor. Steinbrück betonte, dass trotz aktueller Probleme in der 39-jährigen SPD-Ära auch vieles richtig gelaufen sei. Nach einer Blitzumfrage des Meinungsforschungsinstitutes Infratest dimap ging Steinbrück mit 54 Prozent Zustimmung als Sieger hervor. Rüttgers erhielt 32 Prozent.

BERLIN: Aktiengesellschaften müssen nach den Worten von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries künftig mit einem Bußgeld rechnen, wenn sie die Gehälter ihrer Vorstände nicht veröffentlichen. Das Bußgeld, das das Unternehmen und nicht der einzelne Manager bezahlen müsse, könne mehrere 10.000 Euro hoch sein, sagte die SPD-Politikerin im deutschen Fernsehen. Das Bundeskabinett will am heutigen Mittwoch einen Gesetzentwurf zur Veröffentlichung von Managergehältern beschließen. 

PASSAU: Der bayerische Innenminister Günther Beckstein hat nach der Vorlage des Verfassungsschutzberichts in Berlin erneut die Einführung einer Anti-Terror-Datei gefordert. Polizei und Nachrichtendienste müssten auf Bundes- und Länderebene noch enger zusammenarbeiten, sagte Beckstein der 'Passauer Neuen Presse'. Es sei unverantwortlich, dass Rot-Grün eine derartige Datei weiter aus Datenschutzgründen ablehne. Oft entscheide deshalb der Zufall darüber, ob eine Behörde Informationen über Terrorverdächtige erhalte oder nicht. Der CSU-Politiker sprach sich zudem für eine Wiedereinführung der Kronzeugenregelung aus. Bundesinnenminister Otto Schily hatte am Dienstag bei der Vorlage des Verfassungsschutzberichts erklärt, der islamistische Terrorismus bleibe die Hauptgefahr für die innere Sicherheit in Deutschland. 

WASHINGTON: Eine 27 Jahre alte US-Reservistin muss wegen des Missbrauchs von irakischen Gefangenen im Bagdader Gefängnis Abu Ghraib für sechs Monate ins Gefängnis. Ein Gericht in Fort Hood in Texas hatte die Soldatin Sabrina Harman zuvor des Missbrauchs in mehreren Fällen für schuldig befunden. Mit dem Strafmaß blieb das Gericht deutlich unter der Höchststrafe von fünfeinhalb Jahren Haft. Harman ist neben Lynndie England die zweite Frau, die auf Fotos mit nackten oder in demütigenden Positionen fotografierten Häftlingen in Abu Ghraib zu sehen war.

TASCHKENT: Der usbekische Präsident Islam Karimow hat die gewaltsame Niederschlagung von Unruhen im Osten seines Landes als Maßnahme gegen den Terror gerechtfertigt. In der Stadt Andischan habe es keine friedlichen Demonstranten gegeben, sondern nur bewaffnete Aufständische, sagte Karimow in der Hauptstadt Taschkent. Insgesamt seien 169 Menschen getötet worden. Die Opposition sprach dagegen von mindestens 745 Toten, unter ihnen viele Frauen und Kinder.

MOSKAU: Im Prozess gegen den früheren Chef des russischen Ölkonzerns Yukos, Michail Chodorkowski, hat das zuständige Moskauer Gericht die Verlesung der Urteilsbegründung fortgesetzt. Das Gericht hatte am Vortag die wichtigsten Vorwürfe der Anklage als zutreffend bezeichnet. Dem Yukos-Gründer werden Betrug, Steuerhinterziehung und Urkundenfälschung zur Last gelegt werden.

MADRID: Das spanische Parlament hat die Regierung ermächtigt, den Dialog mit der baskischen Untergrundbewegung Eta aufzunehmen. Die Eta solle in den Gesprächen dazu gebracht werden, nach 35 Jahren des Kampfes der Gewalt abzuschwören, heißt es in dem von der sozialistischen Regierungsfraktion eingebrachten Entwurf. Mit Ausnahme der oppositionellen konservativen Volkspartei stimmten alle Parteien dem Entwurf zu.

BRASILIA: Rund 12.000 brasilianische Bauern und Landarbeiter haben in der Hauptstadt Brasília für eine rasche Umsetzung der Agrarreform demonstriert. Sie forderten Präsident Luiz Lula da Silva auf, sein Wahlversprechen zu halten und bis zum Jahr 2006 an 430.000 Familien Land zu verteilen. Nach Medienberichten kam es dabei vor dem Regierungspalast zu Zusammenstößen mit der Polizei. Etwa 50 Personen seien verletzt worden. 

MIAMI: Nach anti-amerikanischen Massendemonstrationen in der kubanischen Hauptstadt Havanna ist der in Kuba und Venezuela als Terrorist gesuchte Luis Posada Carriles in Florida festgenommen worden. Der 77-Jährige werde des Verstoßes gegen die Einreisegesetze beschuldigt, hieß es in einer Mitteilung der US-Regierung. Hunderttausende hatten in Havanna dagegen protestiert, dass der Exil-Kubaner politisches Asyl in den USA erhält. Posada Carriles gilt als Urheber eines Anschlags auf ein kubanisches Flugzeug im Jahr 1976. Damals wurden 73 Menschen getötet, darunter die Fecht-Nationalmannschaft.

SEOUL: Vertreter der beiden koreanischen Staaten haben ihre Gespräche bis Donnerstag verlängert. Die ursprünglich für zwei Tage geplanten Gespräche waren nach vergeblichen Versuchen der südkoreanischen Seite festgefahren, Nordkorea zu einer Rückkehr zu den Sechs-Länder-Verhandlungen über sein umstrittenes Atomprogramm zu bewegen. Daraufhin einigten sich beide Seiten darauf, nach einem Tag Pause weiterzuverhandeln. Es sind die ersten hochrangigen Gespräche zwischen beiden Ländern seit dem Abbruch des Dialogs durch Nordkorea vor zehn Monaten. 

HAMBURG: Der neue Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe, will gleichen Sold für Wehrpflichtige aus Ost und West durchsetzen. Er werde sich bei Innenminister Otto Schily für eine Änderung des Beamtenrechts einsetzen, sagte Robbe der 'Bild'-Zeitung. Derzeit würden Soldaten, ähnlich wie Beamte, unterschiedlich besoldet. Soldaten seien aber nicht mit anderen Berufsgruppen vergleichbar.
 
ZUR BÖRSE: Der deutsche Aktienmarkt ist behauptet gestartet. Der DAX stand zuletzt bei 4.270 Punkten, etwa 18 Punkte höher als bei der Schlussnotierung am Dienstag. Die japanische Leitbörse in Tokio schloss mit einem leichten Plus. Der Nikkei-Index stieg um 10 auf 10.835 Punkte. Der Euro wird mit einem Dollar 26 gehandelt.

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Im Südosten Regen, sonst Wechsel aus Sonne und Wolken, meist trocken. Tagestemperaturen zwischen elf und 17 Grad.