Episode: Sonntag, 15. Mai 2005
Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 15.05.2005 um 10:00
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Beschreibung:
  • Gespannte Ruhe in Usbekistan
  • Außenministerin Rice zu Überraschungsbesuch im Irak
  • Bundesregierung will Kinderzuschlag ausweiten

TASCHKENT: In der ehemaligen Sowjetrepublik Usbekistan herrscht nach den jüngsten Unruhen im Osten des Landes gespannte Ruhe. In der Provinz-Hauptstadt Andischan wurden nach Berichten von Augenzeugen zahlreiche Gebäude abgeriegelt, darunter auch die Leichenhalle. Wie es weiter hieß, patrouillierten schwer bewaffnete Sicherheitskräfte in den Straßen. Nach unbestätigten Berichten sollen bei der Niederschlagung der Proteste von Oppositionellen am Freitag bis zu 500 Menschen getötet worden sein. Die Regierung von Präsident Islam Karimov sprach dagegen von lediglich 30 Toten. Auch am Samstag war es in mehreren Orten der Region zu Demonstrationen gekommen. Die blutigen Unruhen lösten einen Flüchtlingsstrom in Richtung Kirgisien aus.

BAGDAD: US-Außenministerin Condoleezza Rice ist zu einem nicht angekündigten Besuch im Irak eingetroffen. Rice flog zunächst in die nordirakische Stadt Erbil, um sich dort mit dem Chef der Kurdischen Demokratischen Partei, Massud Barsani, zu treffen. In der irakischen Stadt Bakuba 60 Kilometer nördlich von Bagdad wurden bei zwei Selbstmordanschlägen vier Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt. Eines der Ziele der Anschläge war der Provinzgouverneur, der jedoch unverletzt blieb. Am Samstag hatte die US-Armee eine Großoffensive gegen Aufständische im Westen des Irak beendet. Während der einwöchigen Kämpfe seien 125 Rebellen und neun Soldaten getötet worden, teilten die US-Streitkräfte mit.

TEHERAN: Das iranische Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, das die Regierung zu einer beschleunigten Umsetzung ihres Atomprogramms drängt. Die Entschließung fordert die umfassende Nutzung der Kernenergie für die Energiegewinnung, darunter auch die umstrittene Urananreicherung. Vom Grad der Anreicherung hängt es ab, ob das bearbeitete Uran auch für die Herstellung von Atomwaffen verwendet werden kann. Die EU-Troika aus Deutschland, Großbritannien und Frankreich hatte zuvor mit 'Konsequenzen' gedroht, sollte der Iran die Urananreicherung wieder aufnehmen. 

RANGUN: Birmas Militärführung hat eine Belohnung für Hinweise auf die Bombenattentäter vom vergangenen Montag ausgesetzt. Das teilte ein Polizeisprecher mit, ohne Angaben über die genaue Höhe zu machen. Wie inoffiziell verlautete, sollen 5.500 Dollar ausgelobt worden sein. Bei den fast zeitgleichen Anschlägen auf drei Einkaufszentren in Rangun waren nach offiziellen Angaben elf Menschen ums Leben gekommen und mehr als 160 verletzt worden. Die Militärführung hatte Rebellen ethnischer Minderheiten im Lande für die Anschläge verantwortlich gemacht. Diese wiesen den Vorwurf zurück und gaben einen Machtkampf innerhalb der Militärs als Hintergrund an.

ADDIS ABEBA: Zum Auftakt der Parlamentswahl in dem ostafrikanischen Staat Äthiopien ist die Wahlbeteiligung hoch. Aus der Hauptstadt Addis Abeba wird berichtet, vor den Wahllokalen hätten sich lange Schlangen gebildet. Zu der Abstimmung sind mehr als 25 Millionen Menschen aufgerufen. Als klarer Favorit gilt die 'Revolutionäre Demokratische Volksfront' von Ministerpräsident Meles Zenawi. Vertreter der Opposition warfen der Regierung vor, die Abstimmung manipulieren zu wollen. Mit vorläufigen Ergebnissen ist nicht vor Ende der Woche zu rechnen.

YAMOUSSOUKRO: Knapp eineinhalb Monate nach dem vereinbarten Ende der Kämpfe im Bürgerkriegsland Elfenbeinküste haben sich Armee und Rebellen auf ein Datum zur Entwaffnung geeinigt. Sie solle am 27. Juni beginnen und am 10. August abgeschlossen sein, hieß es in einer Vereinbarung der Konfliktparteien, die in der Hauptstadt Yamoussoukro unterzeichnet wurde. Unter südafrikanischer Vermittlung hatten sich die Konfliktparteien Anfang April nach zweieinhalb Jahren Bürgerkrieg auf ein Ende der Kämpfe geeinigt. Die Einzelheiten der Entwaffnung waren allerdings noch umstritten.

BERLIN: Wirtschafts- und Unternehmensverbände in Deutschland haben angesichts der schleppenden Konjunktur die Abschaffung des Pfingstmontags als arbeitsfreien Feiertag gefordert. Der Chef des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels, Anton Börner, klagte in der 'Bild am Sonntag', man habe in Deutschland zu viele Feiertage und zu viel Urlaub. Der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer, Patrick Adenauer, sagte, die Streichung einzelner Feiertage sei ein Weg zu Wirtschaftswachstum. In Frankreich ist der diesjährige Pfingstmontag erstmals nicht arbeitsfrei. Damit soll eine neue Solidaritätskasse für Alte und Behinderte nach dem Muster der deutschen Pflegeversicherung finanziert werden.

BERLIN: Die Bundesregierung will künftig weit mehr bedürftige Familien unterstützen als bisher. Familienministerin Renate Schmidt kündigte an, der Anfang des Jahres eingeführte Kinderzuschlag solle ausgeweitet werden. Geplant sei, die hierfür geltenden Einkommensgrenzen zu senken. Voraussichtlich rund 300.000 Kinder, doppelt so viele wie derzeit, würden dann den Zuschlag von bis zu 140 Euro pro Monat bekommen. Er soll verhindern, dass Familien mit niedrigem Einkommen Arbeitslosengeld II beantragen müssen.

ANKARA: An den Maschinen der in mehreren Ländern mit Flugverboten belegten türkischen Luftfahrtgesellschaft Onur Air sind nach Informationen der Zeitung 'Bild am Sonntag' in den vergangenen Wochen wiederholt defekte Triebwerke und abgefahrene Reifen festgestellt worden. Außerdem hätten Versicherungspolicen gefehlt, berichtet das Blatt. Die türkische Regierung kündigte an, den Konflikt um Onur Air am Pfingstmontag zu klären. Deutschland, die Niederlande, die Schweiz und Frankreich hatten der Fluglinie zuvor wegen Sicherheitsbedenken die Start- und Landeerlaubnis entzogen. Mehrere tausend Urlauber mussten mit Ersatzmaschinen in ihre Heimat zurückgebracht werden.

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Überwiegend wolkig, nur örtlich Schauer. Nur Richtung Nordsee heiter und meist trocken. Tageswerte zwischen 12 und 20 Grad.