Episode: Donnerstag, 12. Mai 2005
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Podcast: Deutsche Welle Nachrichten (Langsam gesprochen)
Veröffentlicht: vor 7 Jahren, am 12.05.2005 um 10:00
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Beschreibung:


WIESBADEN: Die deutsche Wirtschaft ist in den ersten drei Monaten 2005 so stark gewachsen wie seit vier Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt legte real um 1,0 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Das Wachstum wurde vor allem vom Export getragen, der kräftig zulegte, während die Importe zurückgingen. Die Binnenkonjunktur blieb hingegen weiter schwach.

BERLIN: Bundeskanzler Gerhard Schröder hat die Abgeordneten des Bundestags zu einem klaren Votum für die Verfassung der Europäischen Union aufgerufen. In einer Regierungserklärung zur Ratifizierung der Verfassung betonte Schröder, wer in Europa mehr Demokratie wolle, müssse für das Vertragswerk stimmen. Durch die Verfassung werde die EU bürgernäher und entscheidungsfähiger. CDU-Chefin Angela Merkel nannte die Ratifizierung des Verfassungsvertrages einen historischen Schritt für Europa. - Die zur Ratifizierung notwendige Zwei-Drittel- Mehrheit im Bundestag gilt als sicher. Am 27. Mai will der Bundesrat über das Vertragswerk entscheiden. - Mit der Ratifizierung in Deutschland soll auch ein Signal nach Frankreich gegeben werden, wo die Bürger am 29. Mai in einer Volksabstimmung über die Verfassung entscheiden. In-Kraft-Treten kann die Verfassung nur, wenn sie in allen 25 EU-Staaten angenommen wird.

BAGDAD: Im Irak hält die Welle der Gewalt an. Bei der Explosion einer Autobombe in der Nähe eines Marktes sind in der Hauptstadt Bagdad nach ersten Berichten mehrere Menschen getötet worden. Zuvor hatten Aufständische in Bagdad einen irakischen Brigadegeneral und einen Polizeioffizier erschossen. Auch aus der Kurdenstadt Kirkuk im Norden des Landes wird ein Anschlag gemeldet. Hier wurden ein Zivilist getötet und mehrere Menschen verletzt. - Die Extremistengruppe Ansar-el-Sunna bekannte sich auf einer Webseite im Internet zu dem blutigen Terror vom Mittwoch. Bei mehreren Selbstmordanschlägen waren über 70 Menschen getötet und etwa 140 verletzt worden. - Im Grenzgebiet zu Syrien im Westen des Irak liefern sich 1.000 US-Marine-Infanteristen nach wie vor schwere Gefechte mit Aufständischen. 

WASHINGTON: Die US-Bundespolizei hat die beiden Piloten wieder freigelassen, die am Mittwoch mit ihrem Kleinflugzeug in den gesperrten Luftraum über Washington eingedrungen waren und kurzzeitig Terroralarm ausgelöst hatten. Ein FBI-Sprecher teilte mit, die Piloten seien aus Versehen in die gesperrte Region geraten. Auf eine Strafverfolgung werde verzichtet. Innerhalb weniger Minuten waren nach dem Auftauchen der Cessna auf den Radarschirmen das Weiße Haus, das Kapitol und mehrere Regierungsgebäude in der US-Hauptstadt geräumt worden. Ein Kampfflugzeug der Luftwaffe verfolgte die Cessna und drängte sie ab. - Durch den Terroralarm wurden Erinnerungen an die Anschläge vom 11. September 2001 geweckt. Seitdem gelten in Washington verschärfte Sicherheitsvorschriften.

KABUL: Die seit drei Tagen anhaltenden anti-amerikanischen Proteste in Afghanistan haben auf die Hauptstadt übergegriffen. Einige hundert Demonstranten, zumeist Studenten, versammelten sich an mehreren Punkten in Kabul zu Kundgebungen. Am Mittwoch waren bei Ausschreitungen im ostafghanischen Dschalalabad mindestens vier Menschen getötet worden. Auslöser der Proteste ist ein Bericht, wonach Verhörbeamte im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba Koran-Ausgaben auf den Toiletten ausgelegt haben sollen, um die moslemischen Häftlinge zu demütigen. - Der afghanische Präsident Hamid Karsai wirbt derzeit in politischen Gesprächen in Brüssel um weitere internationale Hilfe. Mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso will Karsai auch über Maßnahmen im Kampf gegen den Drogenanbau beraten. Nach Angaben der EU stammen 90 Prozent des in Europa konsumierten Heroins aus Afghanistan. 

STRAßBURG: Die Türkei hat mit dem Todesurteil gegen den früheren Chef der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei, Abdullah Öcalan, gegen das Grundrecht auf einen fairen Prozess verstoßen. Mit dieser Feststellung bestätigte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg so eben ein erstinstanzliches Urteil vom März 2004. Öcalan war 1999 wegen Separatismus und Hochverrats zum Tode verurteilt worden. Mit Abschaffung der Todesstrafe in der Türkei wurde das Urteil später in lebenslange Haft umgewandelt. 

BERLIN: Bundespräsident Horst Köhler hat zum 40. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel die freundschaftliche Verbundenheit beider Staaten gewürdigt. Deutschland und Israel seien zu Partnern geworden, die sich aufeinander verlassen könnten, schrieb Köhler in einem Gastbeitrag für die 'Bild'-Zeitung. Der israelische Staatspräsident Mosche Katzav bezeichnete die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern als historische Mission.

CANNES: Die Filmfestspiele von Cannes sind am Mittwochabend mit dem französischen Thriller 'Lemming' eröffnet worden. Um die 'Goldene Palme' bewerben sich in diesem Jahr 21 Beiträge aus 13 Ländern. Zu den Regisseuren in der Konkurrenz gehört auch der Deutsche Wim Wenders mit seinem in den USA gedrehten Drama 'Don't Come Knocking'. In der Jury sitzen der deutsche Regisseur Fatih Akin und die amerikanische Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison. Das Gremium unter Vorsitz des Regisseurs Emir Kusturica aus Sarajewo entscheidet am 21. Mai über die Preisvergabe.

DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Meist sehr freundlich, östlich der Elbe etwas mehr Wolken, vereinzelt noch Schauer möglich. Tagestemperaturen elf bis 20 Grad Celsius.

Am Vormittag meldeten:
Hamburg: 7 Grad, stark bewölkt;
Berlin: 6 Grad, bedeckt;
Dresden: 6 Grad, stark bewölkt.
Sowie bei wolkenlosem Himmel:
Köln/Bonn: 8 Grad;
Frankfurt am Main: 7 Grad und
München: 6 Grad.