Episode: (33) Das verdreckte Sofa (vorgelesenes Tagebuch)
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Podcast: MSD-Podcast
Veröffentlicht: vor 5 Jahren, am 26.04.2007 um 21:18
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Beschreibung: Liebes Tagebuch, heute war ich wieder bei einem Kunden. Es war einer von der Sorte: ?Mir- muss-man- immer- alles- doppelt- und- dreifach- sagen- und- ich -tue -dann -trotzdem- und- grundsätzlich -nicht, -wie- es- mir- empfohlen- wurde?. Er war natürlich überhaupt nicht überrascht von meinem Besuch. So überraschend konnte mein Aufkreuzen auch nicht gewesen sein, schließlich hatte ich ihm in letzter Zeit mehr als nur eine Mitteilung in seinen Briefkasten eingeworfen. Meine Briefchen hat er aber fleißig ignoriert. Jetzt begrüßte er mich freundlich. Im Grunde war ich stocksauer ihm hinterher springen zu müssen, doch nun hatte ich ihn also erwischt und saß auch schon wenige Sekunden später auf seinem Sofa. So richtig appetitlich war das Sofa nicht. Überall waren so komische Flecken in allen nur möglichen Farben und Konsistenzen. Frag mich bitte nicht was genau das für Flecken waren - ich schob diese Frage nämlich auch schnell aus meinem Kopf und hoffte nur, dass nichts von dem was da auf dem Sofa klebte irgendwie in meine Jeanshose zog. Nicht auszumalen was ich mir hier womöglich für Krankheiten einfangen könnte. Wie bin ich nur auf diese blödsinnige Idee gekommen mich hier hinzusetzen? Gut, er hatte mich eben so höflich gebeten Platz zu nehmen und dann lehnt man nicht so einfach ab. Aber Notiz für die Zukunft: Dringend "nein"-Sagen üben. Schnell sprach ich mit ihm meinen Fragebogen durch. Er beantwortete so ziemlich jede Frage mit einem bestimmten Nein. Nur auf die Frage nach den Kindern hatte er so einiges zu erzählen. Wenn ich mich richtig erinnere waren es fünf und drei davon hatten unterschiedliche Familiennamen. Dann haben also die Kinder das Sofa verdreckt!? Dem war nicht so. Der Arme hatte schon seit einigen Jahren keinen Kontakt mehr zu seinem Nachwuchs. Nur die Mütter suchten eifrig den Kontakt zu ihm. Allerdings nur übers Jugendamt, welches sich immer pünktlich am Monatsanfang meldete und mehr oder weniger höflich um die Bezahlung des Unterhalts für seine Kleinen bat. Von den Kindern selbst hörte er aber nichts. Daran seien nur die doofen Zicken schuld - mit Zicken meinte er natürlich die Mütter. ?Mit Verlaub, wenn ich mir Ihre Wohnung so anschaue, dann kann ich die Mütter vielleicht sogar ein bisschen verstehen. Hier würde ich mein Kleinkind - wenn ich denn nur endlich eins hätte - auch nicht spielen lassen?, dachte ich mir, getraute mich aber nicht diese Sätze auszusprechen. Nicht einmal die Bierflaschen von vor drei Wochen hatte er weggeräumt. Ich hoffte zumindest, dass es sich hier bei dem Flaschenheer um das Resultat seines Bierkonsums der letzten drei Wochen handelte und nicht etwa um sein gewöhnliches abendliche Pensum. Vorsichtig schnupperte ich nach seinen Atem. Er roch nicht gerade so super angenehm, aber eine Fahne hatte er eindeutig nicht. Schnell vollendete ich meine Arbeit und ging. Es schüttelte mich kurz am ganzen Körper als ich hinter mir seine Tür ins Schloss fallen hörte. Möge er sich und das Verhältnis zu seinen Kindern in den Griff bekommen. Das wünsche ich ihm wirklich. Schlaf gut liebes Tagesbuch und bis zum nächsten Mal.