Episode: Neue Zweifel am Ende der Korruptionsaffäre
Podcast: mephisto 97.6
Veröffentlicht: vor 4 Jahren, am 09.05.2008 um 16:10
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"Wir werden jeden Satz auseinander nehmen"

Mehrere Rechtsanwälte wollen nach dem Ende der Ermittlungen zur so genannten Korruptionsaffäre die Arbeit der Staatsanwaltschaft unter die Lupe nehmen. Der Leipziger Anwalt Steffen Soult sagte, ?Wir werden jeden Satz auseinander nehmen, der auf der Abschlusspressekonferenz gesagt wurde oder in irgendwelchen Berichten steht, die uns zur Verfügung stehen. Davon kann sich die Staatsanwaltschaft sicher sein.? Dazu will Soult sich mit mehreren Kollegen absprechen. Die Ergebnisse sollen in den kommenden Wochen präsentiert werden. Soult vertritt Georg Wehling, ein ehemaliger Kriminalhauptkommissar, auf dessen Aussagen wohl weite Teile der Affäre basieren.

"Ich vermisse ein psychologisches Gutachten zu den Zeuginnen"

Konkret kritisiert Soult, wie die Staatsanwaltschaft mit den Aussagen von zwei ehemaligen Prostituierten umgegangen ist. Die beiden Frauen, die einst in einem Leipziger Kinderbordell arbeiteten, hatten hochrangige Justizbeamte als ehemalige Freier identifiziert. Da sie das aber nach 15 Jahren taten und schon im Vorfeld der Befragugen Bilder der Männer vorgelegt bekamen, zweifelte die Staatsanwaltschaft an ihren Aussagen. Soult zufolge haben die Staatsanwälte sie zu leichtfertig als unglaubwürdig eingestuft. ?Ich vermisse bei der Staatsanwaltschaft ein psychologisches Gutachten zu den Zeuginnen, das in anderen Fällen regelmäßig eingeholt wird.?

"Gutachten sind bei Erwachsenen nur in Ausnahmefällen notwendig"

Diesen Vorwurf streitet Oberstaatsanwalt Christian Avenarius, der die Ermittlungen leitete, ab. ?Gutachten sind bei Kindern und nur in Ausnahmefällen bei Erwachsenen notwendig,? so Avenarius. ?Ansonsten liegt es bei den Justizbeamten, die Zeugen einzuschätzen. Die zwei Frauen haben sich gegenseitig und auch anderen Zeugen widersprochen. Das können wir aus unseren Unterlagen beweisen.?

"Was die Qualität der Arbeit angeht, war mein Eindruck sehr gut"

Auch Wolfgang Eißer, Landgerichtspräsident in Baden-Württemberg, sieht das genau so. Die Landesregierung hatte ihn schon zu Beginn der Affäre berufen, die Ermittlungen als ?wachsames Auge? zu verfolgen. Im vergangenen Jahr war er regelmäßig in Leipzig um die Ermittlungen zu prüfen. ?Was die Qualität der Arbeit angeht, war mein Eindruck ausgesprochen gut. Es war äußerst schwer in einer politisch sehr aufgeheizten Situation auch noch Ermittlungen gegen Kollegen zu führen. Ich kann nur bewundern was die Staatsanwaltschaft gemacht hat.?

(fh)

Hören Sie hier den Beitrag von Lalon Sander: