Episode: wie mich der himmel auf den kopf gestellt hat, indem er mir auf denselben fiel
Podcast: oegyr.podspot.de
Veröffentlicht: vor 6 Jahren, am 11.04.2006 um 22:31
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Beschreibung: es war einmal, als auf der seite lag mein prachtbettchen. so auf der seite wie ein kenterndes schiffchen, mit einander tröstenden matrosen an deck, die nach haltbar strohgehalmtem greifen, wenn den glühdirnen im kesselraum das licht ausgeht, weil sie sich heimlich mit einem torpedo statt einer turbine getroffen haben. auf der seite lag mein prachtbettchen und ich wäre abgerutscht wie die matrosen ins branntweinnass, wär? mir der himmel beim auf den kopf fallen nicht stellungsbefehlend zuvor gekommen. ursache der krängung des schiffes, der erst 5, dann 10, dann 50 grad neigung der wasserfälle durch die mast- und schottbrüche, war nämlich der wind, das durchaus himmlische kind, das auf dem dach rumpelstilzte. ein sturm, unvermutet plötzlich stark, hob das schädeldach an, orgelte unter der decke. und wie dem so war, sah ich, verrauscht und verborgen unter den ängstlichen daunen meines prachtbettchens, dass sich risse schlängelten wie medusenkopfschütteln durch die decke zum dachboden über meinem prachtbettchen. und siehe, die risse wurden zu faltungen, zu wilden und weiten spreizungen, durch die der sturmgetriebene himmel schien, und im nächsten moment wäre mir der himmel aus allerlei stein auf den kopf gefallen, hätte er mich nicht ebenso unsinnig und unerwartet vom kopf auf die füße gestellt, die das klaffende und kläffende lehmgetier am deckenboden mit einiger eile festtraten. als würde ich weintrauben im fass oder sauerkraut treten, dass es gäre, stiefelte ich die risse dicht, stemmte mich gegen den druck des fallens und hatte alsbald das prachtbettchen zu meinen füßen in federvieh verwandelt, das artig und friedlich auf der prachtbettchendecke weidend seiner schlachtung entgegen fieberte und fettete. der wind auf den gänsekielschwingen wie auftrieb jetzt, wie schwefelschwerelösung nach dem fall auf die füße. wie kätzchen tun, wenn man sie wirft, sie fallen immer auf die pfötchen, drehte auch ich am glücksrad und lag, nein stand, wenn auch kopfverkehrt, oben, nicht unten unter der decke auf und über meinem prachtbettchen, das immer noch auf der seite lag, jetzt aber so, wie man eine elfene statue, die nicht von selbst steht, behutsam seitwärts in den karton der kinderlandverschickung bettet. und dann betet, sie möge nicht kaputt gehen, nichts möge abbrechen von dem dünnwändig gemeißelten stein. als sich der sturm darob unverrichteter dinge legte, das dach sich wieder auf die balken senkte wie ein tuch oder schleier, der bräutliches gesicht verbirgt, bis man ihn hebt, es zu küssen, lag auch mein prachtbettchen wieder im horizont des fliegenden teppichs oder koffers, in dem meine siebensachen bereit lagen, mich liegenden zu begleiten auf eine flüchtige himmelsreise, die ich durchs vormals geöffnete dach antrat als reitender auf münchhäuslicher kugel, ein geschoss aus dem obergeschoss des hauses, erster (und einziger), der entrann, indem ihm der himmel über dem prachtbettchen zur festen wie geneigten erdung wurde.