Vorstellung: Z! - Zeitgeist, Entwicklung, Technik
Z! - Zeitgeist, Entwicklung, Technik
Z! - ist ein Technik-Podcast. Wir berichten und diskutieren über alle wichtigen Themen im Bereich Zeitgeist, Entwicklung und Technik. Alle 14 Tage neu...

Stellt euch kurz vor - Wer seid ihr, was ist euer Hintergrund?

Matthias: Ich bin 27 Jahre alt und lebe in einer WG in Hamburg. Dort studiere ich momentan Informatik und Politikwissenschaft. In diesem Zusammenhang interessieren mich technische Themen, wie Bildverarbeitung und -erkennung aber auch politische Themen, wie Friedens- und Konfliktforschung.

Timon: Ich bin 26 Jahre alt und wohne in Lübeck. Ich bin als selbstständiger Mediendesigner im Bereich Web, Video und Print tätig. Durch meinen Beruf setze ich mich permanent mit sehr vielen technischen Themen auseinander, um den Überblick über alle wichtigen Entwicklungen zu haben.

Matthias: Unser gemeinsamer Hintergrund ist übrigens der Internetstreik 1997, der damals mehr oder weniger die Telekom dazu zwang die erste echte Flatrate anzubieten. Das war bevor es DSL gab. Daraufhin haben wir eine Weile gemeinsam an einem Onlinemagazin gearbeitet, bis wir uns von dem Projekt getrennt haben.

Timon: Wobei wir natürlich seit dem immer in Kontakt standen. Das nächste gemeinsame Projekt war dann unser Z!-Podcast.

Wie seid ihr auf Podcasting gestoßen? Erinnert ihr euch noch an den ersten Podcast, den ihr gehört habt?

Matthias: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich über Timon ans Podcasting gekommen bin. Wenn wir uns am Telefon über aktuelle Themen unterhalten haben hat er oft auf Leute wie Leo Laporte verwiesen. Demnach war mein erster Podcast auch "This Week in Tech" (TWiT).

Timon: Ich hab Leo Laporte über die Fernsehsendung "Call for Help" entdeckt. Dazu muss man wissen, dass ich auf Grund meines Berufs als Mediendesigner viel im englischsprachigen Raum mit Leuten in Kontakt stehe, die im Bereich Film und Fernsehen arbeiten. Unter anderem über Plattformen, wie pixelcorps.com und fxphd.com. Dadurch habe ich dann auch das Team, das hinter TWiT steht kennengelernt. Daher habe ich mir natürlich zuerst die Podcasts angehört, die durch die Leute vom Pixelcorps produziert wurden, wie eben TWiT und The VFX Show.

Wie kam es dazu, dass ihr einen eigenen Podcast gestartet habt?

Timon: Mir gefiel das Format von TwiT recht gut, allerdings fand ich es schade, dass sich die Informationen fast ausschließlich auf den amerikanischen Raum bezogen. Ich konnte allerdings keinen deutschen Podcast mit einem ähnlichen Format entdecken. Deshalb griff ich dann spontan zum Telefon, rief Matthias im Dezember 2005 an und fragte, ob er Lust hätte mit mir einen Podcast zu produzieren.

Matthias: Tja, und an dieser Stelle hab ich mir dann erstmals Podcasts angetan. Bis zu dem Zeitpunkt waren Podcasts für mich immer nur diese unseriösen Audioschnipsel aus Amerika. Was für ein komisches Format? Warum nicht gleich streamen? TWiT war natürlich eher ein schlechter Einstieg; extrem hohe Qualität und alles langjährige Medienprofis. Als ich dann zum ersten mal Amateure gehört habe, dachte ich nur "Oh mein Gott!". Aber mittlerweile habe ich die Podcastwelt lieben gelernt. Gerade kleinere Podcasts überzeugen durch Know-How, anstatt durch Medienkompetenz. Letztere steigt im Laufe der Zeit natürlich ohnehin. Es hat dann jedoch eine Weile gedauert, mich selbst zu überwinden und es mit dem Mikro anzugehen. In jedem Fall ist das Podcasting ein Selbstexperiment; man kann kann sehr viel über sich erfahren.

Timon: Jedenfalls konnte ich Matthias am Ende davon überzeugen mitzumachen. Für mich war das optimal, da wir ohnehin nahezu wöchentlich Gespräche über Technik und Internet hatten. Da war es für mich ein naheliegender Schritt mit ihm einen Podcast zu machen, der ähnliche Themen hat. Da ich durch das Pixelcorps schon einiges von den technischen Hintergründen kannte, konnten wir relativ schnell starten und am 20. Januar 2006 erschien dann unsere erste Folge im Internet.

Welche Hard- und Software verwendet ihr?

Timon: Also angefangen habe ich mit dem Plantronics DSP400 USB Headset, was mir auch gute Dienste geleistet hat. Zum Aufzeichnen haben wir lange Zeit Skype in Verbindung mit Pamela eingesetzt. Inzwischen machen wir die Sendung weiterhin über Skype, nehmen die Tonspuren aber lokal auf. Meine Hardware habe ich inzwischen auch aufgerüstet. Inzwischen kommt bei mir ein Røde NT1A Mikro zusammen mit dem TB202 Röhrenvorverstärker von SM Pro Audio zum Einsatz, plus das obligatorische Zubehör wie zum Beispiel ein Ploppschutz. Zum Bearbeiten der Sendung arbeite ich an meinem Powermac G5 mit Soundtrack Pro. Als Weblog für unseren Podcast setzen wir Serendipity ein. Die XML Dateien für die Feeds schreibe ich nach wie vor per Hand, inzwischen geht das sogar recht schnell. Es gibt zwar auch einige Programme dafür allerdings mache ich einige Anpassungen lieber manuell.

Matthias: Ich nutze immer noch mein gutes, altes Plantronics Headset. Aber auch bei mir wird demnächst auf die Hardware, die Timon nutzt aufgerüstet. Zum Bearbeiten der Sendung nutze ich als armer Student natürlich Audacity, plane aber mir Adobe Audition zu kaufen, was wohl die beste Lösung für Windows ist. Und damit Timon die XML-Feeds nicht mehr von Hand schreiben muss, schreibe ich auch bald ein iTunes-Plugin für Serendipity.

Timon: (lacht) Wenn der Tag kommt, wo ich das Plugin sehe, mache ich eine Sondersendung.

Welche Podcasts (egal welche Sprache) hört ihr regelmäßig?

Matthias: Studium und Arbeit spannen mich ziemlich ein, daher kann ich aufs Podcasthören nicht so viel Zeit verwenden. Momentan höre ich (mal wieder) TWiT, das ist zum Entspannen. Ich finde das lange Format angenehm. Dadurch werden ausführlichere und teilweise witzige Diskussionen möglich. Wenn ich Zeit habe und mich das Thema interessiert höre ich auch hin und wieder Security Now!. Dort diskutiert Leo Laporte mit Steve Gibson über alle möglichen Themen der Computersicherheit. Inhaltlich nicht immer korrekt, aber insgesamt unterhaltsam und lehrreich. Seit einer Weile höre ich mir - besonders auf langen Bahnfahrten - Chaosradio an. Weil ich den CCC und sein Umfeld mag und damit meistens auch die Themen, die in die Sendung gelangen. Mein Lieblingspodcast ist zur Zeit Computerclub 2. Ich fand die Jungs damals einfach nur drollig. Heute wird erst deutlich, was sie auf dem Kasten haben, da sie sich in ihrem Podcast völlig frei geben können.

Timon: Viel Zeit zum Podcast hören bleibt mir meist auch nicht, da mein Beruf schon audiovisuell ist. Von daher brauche ich meine Ohren zum Arbeiten. Podcasts, die ich höre sind deswegen auch meist mit meinem Beruf verbunden. Dazu gehört der 43Folders Podcast von Merlin Mann. Merlin Mann kann ich jedem sehr empfehlen, der seinen Arbeitstag selbst organisieren muss.
Die Podcasts aus der "Das Abenteuer Leben"-Reihe höre ich auch sehr gerne. Insbesondere kann ich "Das Abenteuer NLP & Kommunikation" und "Das Abenteuer Motivation" empfehlen. Ich denk das sind zwei Podcasts die für jeden interessant sind, weil sie einen zum Nachdenken anregen und auf ganz neue Sichtweisen aufmerksam machen.
Ansonsten höre ich noch fxguide.com fxpodcast, den ESL Podcast, Technikwürze und Chaosradio. Zwei besondere Podcast-Perlen für mich die ich entdeckt habe sind der Algorithmentheorie Video-Podcast und die Vorlesung Audio-Videotechnik der FH Osnabrück.

Welche Ziele verfolgt ihr mit eurem Podcast und welche Pläne habt ihr für die Zukunft?

Matthias: Wir berichten in unserer Sendung über aktuelle Ereignisse aus den Bereichen Internet, Technik und Wissenschaft. Dabei ist unser Ziel, uns auch kritisch mit neuen Entwicklungen auseinanderzusetzen, was - das gebe ich gerne zu - nicht immer gelingt, da man als technikaffiner Mensch ja leicht voreingenommen ist. Ich finde es aber wichtig sich auch über Auswirkungen der Technik Gedanken zu machen. Also, die Frage: Wie verändern die rasanten Entwicklungen den einzelnen Menschen und somit die Gesellschaft?

Timon: Ich persönlich würde gerne mehr Zeit in die Vorbereitung der Sendung stecken, um unseren Hörern höhere inhaltliche, wie akustische Qualität bieten zu können. Allerdings investieren wir momentan schon für jede Sendung 5-6 Stunden pro Nase. Von daher hoffen wir natürlich erstmal darauf, dass noch mehr Hörer unseren Podcast entdecken. Wenn es möglich wäre, würde ich mich natürlich hauptberuflich mit unserem Podcast beschäftigen. Inzwischen haben wir ja schon ein Spinoff die Z! News.

Matthias: Zusätzlich möchte ich dieses Jahr noch ein paar Specials bringen zu Themen, die mir besonders am Herzen liegen.

Wohin oder wie denkt ihr wird sich Podcasting entwickeln?

Matthias: Das Wichtigste ist erstmal, dass Podcasts ein sehr freies Medium sind. Man ist nicht an die Zwänge der Mainstream-Medien gebunden, weder was Format, noch was Inhalte angeht. Der Computerclub2 zeigt das auch besonders eindrucksvoll. Die Herren Back und Rudolph geben in ihrer Computersendung Verbrauchertipps, die mit Computern überhaupt nichts zu tun haben. Weil es ihnen am Herzen liegt und weil sie in ihrem Podcast machen können, was sie wollen. In einer Fernsehsendung wäre dies so wahrscheinlich nie möglich gewesen.

Timon: Ich denke das ist es, was ich auch an TWiT faszinierend fand. Es kommen einfach ein paar Leute zusammen die über ein Thema anfangen zu reden und daraus entspinnt sich dann aber auch etwas völlig Neues und Persönliches. Die Podcaster haben auch viel mehr die Möglichkeit auf das einzugehen, was man in bekannten Medien entweder nicht ansprechen kann, oder was zu sehr in die Tiefe geht.

Matthias: Ich glaube, gerade dies ist der große Vorteil der Podcasts. Sie sind näher am Hörer, weil die (echten) Podcaster selbst Hörer sind. Aus diesem Grund glaube ich, dass die "Marktmacht" von Podcasts in großem Maße steigen wird. Der Einfluss von Podcastern wird ähnlich steigen, wie der von Bloggern. Damit werden Podcasts natürlich auch als Werbemedium interessanter. Sowohl um in ihnen zu werben, als auch mit ihnen zu werben. Es gibt ja schon heute Firmen in Deutschland, die als Werbemittel professionell Podcasts produzieren lassen.

Timon: Also meine persönliche Hoffnung ist, dass sich die privaten Podcasts ihren Marktanteil sichern können. Mich persönlich stört, dass ein großer Teil der Podcast-Charts von der Zweitverwertungskette, bestehend aus Radio und Fernsehen dominiert wird. Für diese ist Podcasting lediglich ein weiterer Distributionskanal. Der Zuspruch den diese Podcasts halten liegt sicherlich auch darin begründet, dass die Sender auf einem höheren Niveau produzieren können, als die rein privaten Podcaster.

Matthias: Die Konsequenz daraus ist, dass die privaten Podcaster eindeutig nachlegen müssen. Bei den Bloggern war das ähnlich, diese haben sich jetzt auf dem Markt etabliert und verdrängen teilweise sogar die Mainstream-Medien.

Timon: Meiner Meinung nach wird es sich ähnlich wie bei den Blogs entwickeln. So wird es Podcaster geben, die wie einige Blogger zum Teil ihren Lebensunterhalt mit dieser Arbeit bestreiten können. Man kann einen Podcast natürlich als reines Hobby betreiben, aber auf Grund des hohen Produktionsaufwands denke ich, dass es für viele reizvoll wäre, sich die investierte Zeit auch vergüten zu lassen. Ein Ausverkauf der Werte und das wofür Podcasting steht - nämlich die Freiheit des Mediums - sollte natürlich nicht stattfinden.

Letzte Worte?

Timon: Vielen Dank an unsere Hörer, insbesondere für euer Feedback. Ich hoffe, dass wir eure Anfragen zufriedenstellend beantworten. Bedanken möchte ich mich auch bei Michael von podster für das nette Interview.

Veröffentlicht am 18. January 2007 von Michael.