Ein dezentes Jazzpiano sorgt für eine lauschige Atmosphäre, während Carina über die schönste Sache der Welt plaudert. Die 18-jährige Schülerin beleuchtet in "Betreff: LIEBE" das Phänomen Liebe von den unterschiedlichsten Seiten. Von Partnerschaften über Homosexualität bis hin zu Pornographie und Sexhotlines reicht das Spektrum der Themen, die Carina mal philosophisch, mal wissenschaftlich und mal humorvoll behandelt und durch Anekdoten und eigene Erfahrungen abrundet. Ihr Konzept scheint aufzugehen, denn auf ihren Kommentarseiten findet schon seit der ersten Folge ein reger Austausch statt.
Carina, dein Podcast ist noch recht neu, du kannst dich aber über mangelnde Resonanz nicht beklagen. Wie erklärst du dir den Erfolg von "Betreff: LIEBE"?
Ganz ehrlich? Ich denke, es hat erstens etwas damit zu tun, dass ich mich schon seit August 2005 in der Podcast-Szene aktiv bewege und zweitens, dass mich die "Großen" der Szene unterstützt haben (sprich: Hoppes Welt, Lemotox, Basti‘s Tagebuch). Dadurch habe ich einige Hörer gewonnen, die relativ schreibaktiv sind, darüber bin ich natürlich sehr glücklich und es macht mir Spaß mit meinen Hörern interagieren zu können.
Zum einen ist es, glaube ich, auch so, dass die Liebe in unserer Gesellschaft gerade einen Wandel erfährt, alles wird schnelllebiger, das macht auch vor der Liebe keinen Halt und das macht sie als Thema natürlich sehr aktuell. Zum anderen wollen wir ja mal nicht verschweigen, was in der Podcaster-Gemeinde sowieso ein wunder Punkt ist: Der Niedlichkeitsfaktor. Auch wenn ich es nicht drauf anlege, auf irgendeine Weise durch meine Weiblichkeit und junge Stimme zu bestechen, denke ich doch, dass eben dies bei einer größtenteils männlichen Hörerschaft ausschlaggebend sein kann.
Warum hast du dir ausgerechnet dieses komplizierte und häufig strapazierte Thema ausgesucht?
Ich hatte mir vorgenommen einen Podcast zu produzieren, der sich von den so häufig vorkommenden "Tagebuch-Podcasts" abhebt. Ich wollte mich einem speziellen Thema widmen. Die Liebe kam mir da sehr gelegen, da sie viele Facetten bietet und somit viel Gesprächsstoff. Außerdem hat die Liebe in meinem Leben einen sehr hohen Stellenwert, was maßgeblich mit meinem bisherigen Leben, nicht nur auf der Beziehungsebene, zu tun hat.
Wann war dein erstes Mal? Ich meine natürlich deinen ersten Kontakt mit Podcasting! Und wie kamst du zum Podcasten?
Im Sommer 2005. Zwei Freunde von mir hatten kein anderes Thema mehr als Podcasting und natürlich Annik Rubens. Da ich auch gerne mitreden wollte, hörte ich mir ihren Podcast an und dachte mir: "Das kannst du auch." So wurden dann Die Stimmen aus Antares gegründet, bei denen ich einige Erfahrungen bezüglich Podcasting sammeln konnte, und etwas später wurde dann mein "Solo-Projekt" Betreff: LIEBE gestartet.
Es gab einige Kritiken von älteren Hörern, du seist zu jung, um über Liebe zu sprechen. Was glaubst du, was diese Kritiker bewegt, dir so etwas zu schreiben?
Das hat sicherlich damit zu tun, dass ich eine ganz andere Perspektive auf das Thema Liebe habe und natürlich auch weniger Erfahrungen als meine älteren Hörer. Viele fühlen sich dann natürlich angehalten mir mitzuteilen, dass meine Äußerungen noch sehr naiv seinen. Zudem ist es ja meist so, dass man für sich den Anspruch erhebt, die eigene Meinung sei die richtige.
Allerdings denke ich auch, dass das ebenso passieren könnte, wenn ich gute zehn Jahre älter wäre, denn die Erfahrungen und Erkenntnisse zum Thema Liebe, die man sammelt, müssen nicht unbedingt eng mit dem Alter gekoppelt sein. So kann es sein, dass jemand mit 30 Jahren nicht die Erfahrungen hat, die ich habe, dafür dann natürlich andere. So gesehen wäre dann jeder zu jung. ;)
Während in den 50ern schon eine Nacktszene im Film für Schlagzeilen sorgte, wird das Thema Liebe in den Medien (allen voran die BRAVO) heute häufig nur auf Sexualität reduziert. Wie beurteilst du diese Entwicklung?
Ich denke, man sollte das keinesfalls dramatisieren. Unsere Gesellschaft entwickelt sich weiter und das ist gut so. Ich finde auch, dass das Thema Sexualität sich mit dem Thema Liebe überschneiden kann und daher macht auch mein Podcast davor nicht halt. Und zur BRAVO kann ich nur sagen, dass ich diesen Fokus auf die Sexualität der Jugend eher gut finde, denn diese Zeitungen sind es, die die Jugend auch erreichen und so durch eine interessante Aufmachung "Aufklärungsarbeit" leisten können, die, so wie es scheint, heutzutage in vielen Familien zu kurz kommt.
Wie bereitest du dich auf eine Sendung vor? Machst du dir Stichpunkte oder redest du einfach drauflos?
Meistens nutze ich meine Freistunden in der Schule, um mir ein Konzept zurechtzulegen. Dabei enstehen dann unübersichtliche Zettel, die mir seltsamerweise doch helfen den Faden nicht zu verlieren. Trotzdem kann es durchaus vorkommen, dass ich abschweife, aber erst das macht einen Podcast dynamisch und vor allem authentisch.
Du hast in der ersten Folge gesagt, dass du Stoff für 30 Folgen hättest. Heißt das, nach 30 Folgen ist Schluss?
Das hoffe ich nicht! Das Podcasten macht mir sehr viel Spaß und ich fänd' es schade, wenn nach diesen 30 Folgen Schluss wäre. Ich habe aber auch schon festgestellt, dass ein Teil meiner Hörer Themenwünsche hat, was mir natürlich hilft über diese geplanten 30 Themen hinauszugehen. Insgeheim überlege ich mir schon jetzt, wie sich das Format gegebenenfalls noch umwandeln lässt, um diesen Podcast langlebiger zu machen. Themenwünsche und Ideen zur Fortführung sind sehr erwünscht!
Wie geht es für dich nach der Schule weiter?
Puh, diese Frage stellt für mich immer ein Problem dar. Die momentane Lage in der Berufswelt macht es mir schwer eine Entscheidung zu treffen. Wie viele andere Menschen wünsche auch ich mir, in den Medien tätig zu sein, insbesondere das Radio hat es mir angetan (Woher mag das wohl kommen? ;) ). Allerdings ist dieser Markt momentan sehr überflutet, daher bleibe ich erst mal für alles offen. Von den Naturwissenschaften bis hin zur Grundschullehrerin ist daher alles möglich.
Liebe ist...
...unbeschreiblich, vielseitig und lebensnotwendig.
(Wenn ich allerdings konkreter sein sollte, würde ich sagen: Liebe ist, wenn sich mein Freund eine Erkältung fängt, weil ich nachts im Bett meine Eisfüße an seinen Füßen wärmen darf, ohne dass er sich beschwert.)





