Vorstellung: In China da essen sie Hunde
In China da essen sie Hunde
10 Monate in China. Das Audiotagebuch bietet nicht nur einen Einblick in das Land und die Leute, sondern auch einen Streifzug in die Psyche des Reisen...

Stelle dich kurz vor - wer bist du, was ist dein Hintergrund? Um was geht es in deinem Podcast?

Also, mein Name ist Roman Halfmann, ich bin 32 Jahre alt. Bis vor kurzem studierte ich noch Literaturwisschaften in Mainz und arbeitete derzeit an meiner Doktorarbeit über Kafka. Nach meinem Abschluss sah ich im Internet eine Stellenausschreibung für eine Dozententätigkeit in China. Konkret wurde ein deutscher Lehrer für Deutsch und Literaturwissenschaften für eine Universität im chinesischen Hinterland gesucht. Kurz entschlossen schickte ich eine Bewerbung nach China und wurde auch direkt vom Fleck weg engagiert. Seit September 2005 bin ich also in China als Dozent tätig.

Die Idee des Podcasts kam von Wolfgang, einem Freund, der mir auch bei der technischen Umsetzung hilft. Der Podcast selbst soll mein Leben in China von der ersten Minute an dokumentieren und damit eine Art Reisebericht sein. Hierbei soll in erster Linie die Veränderung meiner Person im Ausland dargestellt werden, als auch das Land und die Menschen, die ich kennen lerne. Es ist so, dass ich vorformulierte Tagebucheinträge vertone. Es gibt daher wenig Spontanes, was aber ein ganz wichtiger Bestandteil des Podcasts ist. Ich lege an vielen Stellen wert auf die Formulierungen und die Sprache. All das wäre bei einem „ungezwungen Plausch“ natürlich nicht möglich. Daher wirkt es stellenweise etwas „steif“, was aber zum Konzept gehört. Der Podcast unterscheidet sich erheblich von den meisten Podcasts, die derzeit zu abonnieren sind. Ganz wichig und besonders ist, dass der Podcast nicht mittendrin begonnen werden kann. Um die Folgen zu verstehen, um insbesondere mit den von mir erwähnten Personen etwas anfangen zu können, muss (!) man den Podcast von Folge 1 an hören. Leider ist die Qualität der ersten 17 Folgen nicht besonders, aber ändern will ich das nicht mehr. Der Podcast ist sicherlich nicht immer einfach zu hören, da er nicht selten einen konzentrierten Hörer verlangt und nicht jede Folge witzig ist.

Ich bemerke derzeit, dass es von Folge zu Folge weniger Hörer gibt. Waren es anfangs noch um die 450 Hörer, sind es derzeit weniger als 300. Tendenz fallend! Wahrscheinlich ist es zu schwere Kost für die große Masse der Hörer. Auch die Tatsache, dass man nicht einfach mittendrin einsteigen kann, ist sicher nicht förderlich.

Wie bist du das erste Mal auf Podcasting gestoßen? Erinnerst du dich an den ersten Podcast, den du gehört hast?

Der erste Podcast war „Schlaflos in München“. Ich denke, er wurde auf irgend einer Nachrichtenwebsite vorgestellt, und ich wollte einfach wissen, was so ein Podcast ist. Dann stieß ich auf podster.de und hoerte querbeet. SiM höre ich übrigens schon lange nicht mehr, denn für mich sind solche Podcasts zu inhaltslos.

Wie kam es dazu, dass du einen eigenen Podcast gestartet hast? Wie waren die ersten Erfahrungen?

Es war einfach die Lust, das Medium mal auszuprobieren. Mehr steckte nicht dahinter. Meine ersten Erfahrungen waren die, dass es schwerer ist, als man glaubt. Der Umgang mit einem RSS Feed und dem Aufnahmeprogramm hab ich mir einfacher vorgestellt. Ohne halbwegs gescheites Equipment ist auch keine gute Aufnahme möglich, was ich später feststellte.

Welche Hard- und Software verwendest du?

Ich habe einen ganz normalen PC und benutze Audacity. Zur Aufnahme verwende ich ein kleines Mischpult von Behringer (UB502), wobei ich mir doch besser das nächstgrößere gekauft hätte, da dies mehr Mikrofoneingänge hat und Phantomspeisung. Als Mikrofon hab ich das Rode NT 3. Nicht billig, aber ein tolles Gerät. Ich werde in Zukunft evtl. mal andere Software ausprobieren, da Audacity teilweise doch etwas umständlich ist.

Welche Podcasts (egal welche Sprache) hörst du regelmäßig?

Das wechselt die ganze Zeit. Schnell verliere ich die Lust. Empfehlen möchte ich „Die Welt des Herrn K.“, der leider sehr selten erscheint. Die „Podcastschau“ hat sich in den letzten Monaten gewandelt, gefällt mir aber sehr gut. Einige Folgen von "Hoppes Welt" sind ebenso sehr hörenswert. Außerdem höre ich die „Einfach beste Sportsshow“, „Filme und so“ inkl. Videopodcast, „Kilians Podkost“, der leider wohl aufhört und einige sehr gute Folgen machte, „MacManiacs“, der mir den MAC, den ich nicht habe, vorstellt, „Podcastra“, weil die 2 sogar vom Klo aus podcasten, „Ungeheuerlich“, „YABIP“, der leider zu selten erscheint, „Sven“, der mir das Leben erklärt, „Wanhoffs Reisen”, „New York Cubic“ und „Die Stimmen aus Antares“, die wahrscheinlich auch nicht fortgeführt werden. Empfehlen möchte ich auch „Life of a Tankwart“. Schade, dass dieser Podcast nicht mehr fortgeführt wird.

Insgesamt gibt es viele sehr gute Podcasts und mehr als doppelt so viele, die totaler Mist sind.

Wohin denkst du wird sich Podcasting entwickeln?

Podcasts werden zu einem Medium, wie es bereits Radio, TV oder ein Blog sind. Es ist sicherlich kein Hype. Ich finde es schlimm, dass die GEMA nun einen Tarif für GEMA-lizenzierte Songs anbieten will. Durch die Podcasts hab ich eine Menge von Songs entdeckt, auf die ich nicht gestoßen wäre. Das Internet ist voll von hervorragenden Bands, die nicht in die Charts gepusht werden. Gezwungenermaßen haben Podcasts und diese Bands zusammengearbeitet und beide hatten was davon. Ich hoffe, die Podcaster sind nicht so dumm und zahlen die GEMA Gebühr um genau die Musik zu spielen, die wir eh jeden Tag im TV und Radio hören können. Podcasts sollten weiter den „Underground“ der Musikszene unterstützen.

Bedenklich finde ich auch den Wunsch einiger, Geld mit Podcasts zu verdienen. Kongresse und Veranstaltungen mit hohen Eintrittsgeldern klingen für mich eher abschreckend. Auch die Gründung von Vereinen und Clubs halte ich für absolut unnötig, spiegelt jedoch den Wunsch der Menschen wieder, sich zu organisieren.

Werbung in Podcasts werden wir hoffentlich nur ausnahmsweise erleben. Macht Werbung nicht alles kaputt? Ich habe seit Jahren keine Werbung mehr im TV gesehen, schalte dann direkt ab. Dass Podcasts von diesem Übel noch nicht befallen sind, ist ein großes Glück. Natürlich verstehe ich aber auch, wenn jemand seine Kosten für Webspace dadurch finanzieren möchte. Das große Geld ist aber sicher in der Branche nicht zu machen.

Interessant könnten in Zukunft auch Videopodcasts werden, von denen es bisher leider nur wenige gibt, die man mit Freude ansehen kann. Die Herstellung eines guten Videopodcasts ist natürlich halt auch viel aufwändiger.

Hast du irgendwelche konkreten Pläne für deinen Podcast?

Ich denke nein. Das Konzept steht und wird nicht verändert. Es gibt eine Webseite , die ich noch ausbauen möchte.

Eventuell erscheint in diesem Jahr noch ein Hörspiel-Krimi, für den ich das Skript geschrieben habe. Produziert von Laiensprechern und frei erhältlich. Da die Produktion doch was aufwändiger ist, kann es aber noch etwas dauern.

Wird Dein Podcast auch nach Deinem Aufenthalt in China weiter bestehen?

Eine sehr gute Frage, die ich aktuell noch nicht beantworten kann. Wie einige Hörer schon wissen, werde ich nach den 10 Monaten 2 Monate wieder in Deutschland sein und dann wieder für ein Jahr nach China gehen. Meine Situation wird sich dann auch insoweit ändern, als dass mich diesmal meine Freundin begleitet. Ob und wie es dann einen Podcast geben wird, steht in den Sternen. Sicherlich werden aber die Texte der 10 Monate bei zumindest gleich bleibender Hörerzahl noch weiter produziert.

Falls ja, weißt Du schon worüber Du dann berichten wirst?

Ich würde am Konzept nichts verändern. Dies bedeutet, dass ich wieder über mich berichten würde. Natürlich gäbe es dann auch wieder einige Einblicke in China, die jedoch sicherlich nicht so im Vordergrund stehen würden.

Gibt es noch irgendetwas, das du deinen Hörern sagen willst?

Mir fällt auf, dass Podcasts noch immer sehr unbekannt sind. Das Medium müsste von den Hörern also mehr verbreitet werden. Auf der anderen Seite frage ich mich, wieso man es verbreiten sollte? Damit durch Masse die Qualität weiter leidet? Damit alles noch unübersichtlicher wird? Damit die Werbung hineinwachsen kann?

Ich möchte mich abschließend bei den Hörern für Ihre Aufmerksamkeit bedanken. Die Vorstellung, dass Menschen morgens zur Arbeit fahren und sich von mir eine Geschichte erzählen lassen, dass sie sich dabei entspannen und sich unterhalten fühlen, ist sicherlich eine tolle Sache. Vielen Dank dafür und Danke nochmals für das Interview.

Ich danke dir ebenfalls sehr dafür, dass du mitgemacht hast!

Veröffentlicht am 30. June 2006 von Sassy.