Vorstellung: phatBrotkasten Inc.
phatBrotkasten Inc.
Der erste und letzte Bonner Podcast. Mittelstadtneurose, Musik, Philosophie, Halbwissen, Multimediakunst und Freidenkeralarm. Mit mehreren eigenständi...

Wie seit Ihr das erste Mal auf Podcasting gestoßen? Erinnert Ihr euch noch an den ersten Podcast, den Ihr gehört habt?

Daniel recherchiert ja viel durch die Gegend und schnappt alles mögliche an Kram auf, sobald er sich im Wachzustand befindet. Irgendwo war da dann die Angelegenheit mit Adam Curry gesichert, und als er sich langweilte, kams hoch. Günstig für die Anfänge war, dass er ja vor längerer Zeit einiges mit Audio zu tun hatte. Die ersten Folgen haben wir dann allerdings mit einem echt popligen Diktiergerät aufgenommen und völlig unbearbeitet ins Netz gestellt. Das Aufgreifen von Situationen war für uns am Anfang einfach das Wichtigste.

Der erste PodCast, den wir gehört haben, war ehrlich gesagt unserer. Wir haben einfach losgelegt, und erst danach das Terrain sondiert. Wie es dann so Usus ist, haben wir zunächst bei Adam Curry reingehört...der zweite war dann der von der "Zeit"....das war ein Beitrag über Schrauben.

Wie kam es dazu, dass Ihr einen eigenen Podcast gestartet habt? Wie waren die ersten Erfahrungen?

Daniel bohrt seit Jahren seine Finger in die verschiedensten Teildisziplinen der Multimedia-Landschaft. Als letztes haben wir zusammen ein Netzliteratur-Projekt gestartet und viele Menschen positiv, aber auch negativ berührt. Aber irgendetwas fehlte, um unsere Gedanken satter transportieren zu können. Für uns schien eine ganzheitliche Lösung im Sinne von Text, Audio und Video zu sehr Hype; Konzepte standen parat, aber wir haben uns dagegen entschieden. Video ist eben doch eine ganz andere Angelegenheit - die Geschwindigkeit ist zu hoch, und unter Umständen verlieren sich viele Motive und Denkansätze im Nichts. Der Fernseh-Mensch sagt dazu vielfach: "Das versendet sich."

Wir waren über die massiven Zugriffe ehrlich geschockt. Diese hohe Zahl an Zugriffen hatten wir nicht erwartet. Seit 7. April sind wir jetzt auf Sendung und haben schon locker (Stand 12. Mai 2005) die 4000 Downloads-Grenze überschritten. Das hört sich vielleicht für einige PodCaster nach wenig an. Aber für einen PodCast wie diesen, der ja nun nicht gerade immer leicht verdaulich ist, halten wir das für recht amtlich.

Woher kommt die geniale Idee mit dem Namen?

Das ist, wie immer, ein Ergebnis unserer "Kongenialität". Wir haben in der Küche nach einem Namen gesucht. Amando kam mit der Idee, die Site im Stil der C-64 Zeit zu gestalten....à la Brotkasten. Dann fing ich an zu lachen. Wir schmierten uns gerade Brote, und mir kam die phonetische Parallele zum englischen Wort "broadcast". Also, für diejenigen, die jetzt immer noch auf dem Schlauch stehen: Brotkasten -> broadcast -> "denglisch" -> broadcasten -> Brotkasten. Ist diese Schleife konsekutiv und verständlich?

Welche Hard- und Software verwendet Ihr?

Wir lassen an dieser Stelle mal die ganze Genese aus und zeichnen den Status Quo auf (angefangen mit der Mund-Seite):

Wir verwenden für unsere Exkursionen ein "Sanyo" Diktiergerät vom Typ "ICR- B180NX". Im Studio verwenden wir das ziemlich bekannte "Sure Elvis Mikrophon" (das Daniel auch stolz auf der Seite überall abgebildet hat), ein "Sure Greenline BG 3.0" Stage-Mikrophon, und seit neuestem ein Röhren- Mikrophon von "t.bone (SCT-800)". Das ganze geht dann (ggf. erst durch unser Effekt-Gerät von "Zoom (Zoom Studio 1204)") in ein "Mackie (1402-VLZ Pro)" Mischpult, und wird dann mit Hilfe der "M-Audio Audiophile 192" (Soundkarte) am "Dual 1,8GHz Powermac" mit "Logic Express 7" oder "Garageband" und "iTunes" arrangiert, abgemischt und finalisiert. Als Content-Management- Sytem verwenden wir "podbloggerr" von Christian Rotzoll.

Welche Podcasts (deutsch oder englisch) hört Ihr regelmäßig?

"Phlow" ist wirklich cool zum Entspannen. Unser PodCast-Freund Alex Wunschel vom "Tellerrand" ist mittlerweile zur Herzensangelegenheit geworden. Er verfolgt viel aufmerksamer als wir die Entwicklungen in der PodCast Szene, ohne die Unterhaltung zu kurz kommen zu lassen. "Free-Punk- Rock-Music" ist ein knackig-konsequenter Ansatz, um Musik frei und kostenlos weiterzugeben (eben ganz im Sinne der - echten - Punk- Ideologie). Gerne hören wir auch den PodCast der "Zeit"...das erspart Daniel zuweilen die zeitraubende Lektüre. "Momentaufnahmen" ist ein tatsächlich pathologisch-künstlerischer Ansatz - sehr interessant, aber auch grotesk..so wie es sein soll. Wenn auch für Atheisten dem Grunde nach streitbar, aber trotzdem gut konzipiert und im Sinne der Sache ist "Catholic Insider" von Father Roderick Vonhögen.

Wer sollte euren Podcast hören, und wer nicht?

Das ganze hat ja im Frust über Sex-and-the-City-Opfer-Frauen und Konservierungsstoff-Victims angefangen. Also war es zu Beginn vielleicht nicht gerade verträgliche Kost für eben dieses Zuhörersegment. Wir fingen dann an, verschiedene Formate zu entwickeln. Diese Aufspaltung war dazu gedacht, den Leuten klarzumachen, dass wir keine verkrampften und enttäuschten Nerds sind, sondern Künstler, die gerne Szenerien aufbauen. Diese Szenerien sind aber verdammt nah am tatsächlich Erlebten...aber eben immer so gestaltet, dass es nicht zur pathologischen Hosenauszieherei verkommt. Es gibt da viele negative Beispiele. Auf diese Weise möchten wir eine grosse Zahl an Zuhörern gewinnen. Wir suchen Kritik und geistvolle Beleidigungen. Wenn wir also gefragt werden, wer unsere Sendungen besser NICHT hören sollte, ist die Antwort: Rezipienten, die nicht in der Lage sind, uns stilvoll in die Genitalien zu treten.

Was wird die Zukunft für Podcasting bringen? Habt Ihr irgendwelche Pläne für Euren Podcast?

Für uns ist PodCasting weniger ein Derivat oder Ersatz für das Radio. Es ist eher eine Kunstform. Unser Ziel ist es, viele Formate zu erschaffen, aber eben für die Zuhörer eine übersichtliche Struktur zu erhalten. Spin-Offs sind nicht auszuschliessen. Schön wäre es natürlich, irgendwann durch Sponsoren und Mäzen mit unserer Kunst Geld zu verdienen, um so wie bisher weitermachen zu können. Diese Art der Produktion nimmt viel Zeit in Anspruch, generiert aber auf der andere Seite keine Liquidität. Dennoch, so lange wir können, ist es unser Ziel, uns weiterzuentwickeln und unseren Zuhörern Unterhaltung zu schenken und Denkanstösse zu geben.

Gibt es irgendetwas, das Ihr Euren Hörern noch sagen wollt?

Es ist ein grosses Geschenk, dass so viele Menschen unsere Sendungen anhören und unsere Gedankengänge mitverfolgen. Wenn man plötzlich in den Kneipen Bonns von wildfremden Leuten angesprochen wird und fast ganze Sendungen rezitiert bekommt, bewegt sich einiges in einem. Was bisher an Zuspruch bei uns angekommen ist, hat uns Mut gemacht. An dieser Stelle möchten wir uns dafür bei allen Supportern bedanken. Das immer grösser werdende phatBrotkasten-Team hofft, dass unsere neuen Formate "rennSemmel" und "mohnKloss" Anklang finden. "mohnKloss" fällt natürlich im Vergleich zu unseren ansonsten Comedy angehauchten Sendungen etwas aus dem Rahmen. Aber wir wollten auch Disziplinen umarmen, die die Gedanken-Maschine versorgen und zu weitergehender Recherche motivieren.

In diesem Sinne hoffen wir auf weiterhin anhaltende Vielfältigkeit und im tune-bleibende Zuhörer. Podcasting ist kein neuer Demokratisierungsversuch der Netzgemeinde. Es ist eine grosse Chance zu neuem Zusammenhalt und gemeinsamem Denken.

Veröffentlicht am 12. May 2005 von Michael.